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Mit Tüftelei eine Marktlücke gefunden

Vom Sargtischler zum Urnenhersteller: Vor 40 Jahren gründete Heinz Sommer die Firma Heiso in Lastrup.

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1800 Modelle: Henry Sommer kann seinen Kunden aus 20 verschiedenen Ländern eine große Auswahl bieten. Foto: Bernd Götting

1800 Modelle: Henry Sommer kann seinen Kunden aus 20 verschiedenen Ländern eine große Auswahl bieten. Foto: Bernd Götting

Im feinsten Oberhemd steht Henry Sommer an der Tiefziehmaschine und demonstriert die Formgebung für einen Metallbehälter. In Sekundenschnelle ist eine Metallplatte eingelegt und die Maschine verrichtet mit präzisen Werkzeugen ihre Arbeit. Kurz darauf setzt Sommer die Metallschere an, und holt den maßgenauen Rohling einer Urne von der Spindel und nickt zufrieden. „Die Maschinen hier habe ich alle selbst programmiert. Macht mir einen Riesenspaß“, berichtet der Chef der Firma Heiso.

Geschäft mit Särgen lief nicht mehr so gut und man suchte nach Auswegen

Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch Sommer ist von Haus Tischler und Diplom-Kaufmann. Die wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Sargindus­trie vor 40 Jahren hat Henry Sommer und seinen Vater Heinz zu Tüftlern gemacht. Das Geschäft mit den Särgen lief nicht mehr so gut und man suchte nach Auswegen. Ein befreundeter Großhändler inspirierte die Sommers: „Macht doch Urnen. Es gibt nur einen Hersteller in Deutschland, da ist noch Platz für mehr“. Für diesen Tipp sind sie heute noch dankbar.

Und so startete die Firma Heiso Metallwaren GmbH 1980 ihre Produktion mit drei Mitarbeitern. Zunächst gab es ein kleines Sortiment an Kupferurnen, die als Rohlinge zugekauft wurden und in Las­trup eine spezielle Oberfläche bekamen. Mit Tüfteln, Basteln und Improvisieren wuchs nach und nach das spezifische Know-how und zehn Jahre später wurde die erste Produktionshalle gebaut.

Einen enormen Schub erlebte die Firma mit der Wende

Einen enormen Schub erlebte die Firma mit der Wende, denn in den neuen Bundesländern, konfessionell kaum geprägt, waren Feuerbestattungen gang und gäbe. Ein aufgeschlossener Blick für den Markt und das Interesse an moderner Technik und neuen Werkstoffen ließen das Unternehmen ebenso wachsen wie gesellschaftliche Veränderungen. „Feuerbestattungen haben einen zunehmenden Trend“, weiß Henry Sommer von seinen rund 200 Großhändlern und Bestattern.

Üppige und pflegeintensive Grabstellen seien heute nicht mehr gefragt und der Platz für eine Urne sei sehr überschaubar. Zudem würden zunehmend See- und Friedwaldbestattungen gewünscht. Für alle Anliegen dieser Art hat Heiso das passende Modell in seiner Auswahl. 1800 verschiedene Arten sind in den Katalogen gelistet. Wasserlösliche Modelle für die Seebestattungen gibt es ebenso wie Naturstoffurnen oder individuell gestaltete Modelle mit Fotomotiven oder Airbrush-Lackierungen. Wichtig ist der Familie Sommer, die Wertschöpfungskette möglichst vollständig im eigenen Unternehmen aufzuziehen. Zugekauft werden Holz- und Keramikbestandteile sowie die künstlerischen Arbeiten.

Klassische Metallurnen kommen aus der hauseigenen Produktion

Klassische Metallurnen sowie die neuartigen Bio-Urnen kommen aus der hauseigenen Produktion, die fast ein Dutzend verschiedener Handwerke in sich vereint. In den Hallen am Unnerweg wird lackiert, galvanisiert und Metall geformt. Viele Urnen werden anschließend mit Spruchbändern, Metallfolien und sakralen Motiven veredelt. Henry Sommer, der das Unternehmen seit 1991 leitet, hat dabei auch immer die Umwelt im Blick. Für die biologisch abbaubaren Urnen investierte er in neue Produktionstechniken und für die Abwässer des Unternehmens gibt ein eigenes Kreislaufsystem. Ausschüsse und Retouren werden im Werk wieder granuliert, und im Versand kommen fast ausschließlich Klebebänder aus Papier zum Einsatz.

40 Mitarbeiter sind mittlerweile für das Unternehmen tätig

40 Mitarbeiter sind mittlerweile für das Unternehmen tätig, um die Bestellungen aus rund 20 Ländern auszuführen. Immer wieder sucht Heiso nach Fachkräften, um die Möglichkeiten des Marktes ausschöpfen zu können. Auch die eigenen Familie leistet dazu einen Beitrag, denn mit Sohn Pascal ist die nächste Generation bereits im Betrieb. Als Wirtschaftsingenieur bereichert er mit viel Fachwissen die Führungsetage. Den Anforderungen des Marktes und der Zukunft blicken die Familie Sommer und ihre Mitarbeiter entspannt und gut gerüstet entgegen. Man kenne die Stärken und Schwächen der Mitbewerber aus Osteuropa und Asien. „Höchste Qualität, kundenorientierte Lösungen und zuverlässiges Lieferverhalten sind unsere oberste Firmenphilosophie“, bekräftigt Henry Sommer die klassischen Werte der Region.

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