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Mit Optimismus der Ungewissheit trotzen

Touristikerin Stefanie Niemeyer aus Garrel schildert ihre Erfahrungen in der Coronakrise. In diesen Zeiten hat sie ein Reisebüro übernommen

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Mutiger Schritt: In Zeiten von Corona hat Stefanie Niemeyer ein Reisebüro übernommen. Foto: Schrimper

Mutiger Schritt: In Zeiten von Corona hat Stefanie Niemeyer ein Reisebüro übernommen. Foto: Schrimper

Im Mai stand Stefanie Niemeyer aus Garrel mit rund 60 Berufskollegen aus dem Nordwesten auf dem Schlossplatz in Oldenburg, um auf die fatale wirtschaftliche Lage von Reisebüros in der Coronakrise aufmerksam zu machen. Nun, gut fünf Monate später, sei die Ungewissheit noch größer geworden, sagt die Reiseverkehrskauffrau. „Keiner kann sich mehr auf irgendwas verlassen.“

Während im Mai noch weitgehend die Gewissheit geherrscht habe, dass im Grunde in puncto Reisen so gut wie nichts geht, herrsche nun größtmögliche Verunsicherung. Als Beispiel nennt Niemeyer das kurzfristig gekippte Beherbergungsverbot. Ohne Planungssicherheit könne sie nicht arbeiten, betont die Garrelerin. Ein anderes Beispiel: Sie habe abends um 20 Uhr von der Stornierung einer Reise erfahren, die ihre Kunden in der Nacht um 4 Uhr antreten sollen, „So etwas geht nicht“, findet Niemeyer. „Dieses Jahr wird wohl nichts mehr stattfinden“, ist sie überzeugt. Quasi alles sei in der Schwebe.

Flexibilität wird wichtiger

Nichtsdestoweniger gibt sich die Reiseverkehrsfrau optimistisch. „Schlimmer als jetzt kann es eh nicht werden“, sagt sie. Ihr Optimismus drückt sich in einem Schritt aus, der ihr in diesen Zeiten „viele schlaflose Nächte“ bereitet habe: Sie hat zum 1. Juli das Garreler Reisebüro Touristik Westerhoff übernommen. Zuvor hatte Niemeyer eine mobile Reiseberatung angeboten. „Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich nicht glauben würde, dass es besser wird“, sagt sie – überzeugt, dass die Covid-19-Pandemie die Touristik-Branche nachhaltig verändern wird: Flexibilität werde an Bedeutung gewinnen – sowohl in der Beratung als auch im Buchungsverhalten. „Es wird alles auf Last-Minute-Reisen hinauslaufen“, prognostiziert sie.

Langfristig würden Reisewillige Reisebüros gegenüber Anbietern aus dem Internet den Vorzug geben. „Wenn es Probleme gibt, merken die Leute, dass sie bei den Online-Anbietern keinen Ansprechpartner haben“, so Niemeyers Überzeugung. „Billigtourismus wird nicht mehr funktionieren.“ In ihrer Branche vertrete man derzeit die Überzeugung, dass jedes dritte oder vierte Reisebüro die Coronakrise nicht überleben wird. Das sei bitter. Früher habe es in der Touristikbranche ein „totales Konkurrenzdenken“ gegeben. Auch das habe sich geändert. „Viele schließen sich sogar zusammen“, so Niemeyer.

Aussage ärgert Touristikerin

Für die Zukunft wünscht sich die Garrelerin seitens der Politik „rechtzeitige, konkrete und differenziertere Aussagen“ und „weniger Panikmache“ in den überregionalen Medien, was das Reisen in Coronazeiten angehe.

Insbesondere ärgere sie sich über die oft getätigte Aussage, dass es ja „keine Katastrophe“ sei, in diesem Jahr auf Urlaub zu verzichten. „Es hängt ein riesiger Rattenschwanz dran“, so Niemeyer, die etwa auf die zahllosen Arbeitsplätze in Hotels verweist, die in Gefahr gerieten.

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