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Mit E-Fuels lassen sich Autos fahren oder Wohnungen heizen

Die E-Fuels-Informationskampagne machte jetzt Station in Vechta. Ziel der deutschlandweiten Infotour ist es, die Vorteile grün erzeugter synthetischer Kraftstoffe der Öffentlichkeit näherzubringen.

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Der BMW „Mini“ fährt anstandslos auch mit synthetischen, grünen Kraftstoffen. Das Auto wurde von Lohnes Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (links) und Marcus Feldhaus betankt. Foto: Kühn

Der BMW „Mini“ fährt anstandslos auch mit synthetischen, grünen Kraftstoffen. Das Auto wurde von Lohnes Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (links) und Marcus Feldhaus betankt. Foto: Kühn

Es sei schon bemerkenswert, dass sich Unternehmen wie die Lühmann-Gruppe (Betreiber der Classic-Tankstellen) und Institutionen wie der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) oder der "Uniti"-Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen zusammengefunden hätten, um ein gemeinsames Thema öffentlich voranzubringen, meinte Referent Dr. Lorenz Kiene nach seinem rund 20 Minuten dauernden Vortrag. Stünden die angeschlossenen Unternehmen sonst in einem scharfen Wettbewerb, eine sie jetzt das Erreichen der Klimaziele und das Thema E-Fuels.

Dass diese synthetischen Kraftstoffe Teil des Energiemixes der Zukunft sein müssen, davon ist Kiene überzeugt. Das Thema flüssige, grün erzeugte Kraftstoffe brachte er nun Gästen aus Politik und Wirtschaft bei einer Veranstaltung nah, die in der Felta-Tankstelle in Vechta durchgeführt wurde. Seit dem 23. August befinden sich der Referent und sein Team auf Infotour durch Deutschland und machen bis zur Abschlussveranstaltung mit Bundesministerbeteiligung am 7. September in Berlin an 20 Tankstellen Station.

Nachhaltigkeit wird zum wichtigen Stichwort für die Branche

Eingeladen hatte Marcus Feldhaus (Visbek) als Sprecher des Nordbereichs des Bundesverbandes freier und unabhängiger Tankstellen, Geschäftsführer des Tankstellenverbundes Felta, unter dessen Dach 21 Tankstellen in der Region arbeiten. Der Standort in Vechta war vor Kurzem als Tankstelle des Jahres im Bereich Waschanlagen ausgezeichnet worden. Das geschah vor allem wegen der Nachhaltigkeit der Anlage, berichtete Feldhaus in seiner Begrüßung. Angesichts zahlreicher nachhaltiger Lösungen am Standort sei es logisch, auch öffentlich über E-Fuels zu berichten, meinte Feldhaus.

"Deutschland will bis 2045, Europa bis 2050 klimaneutral sein. Diese ambitionierten Ziele können wir nicht alleine mit Elektromobilität erreichen."Dr. Lorenz Kiene, Sprecher der "E-Fuels"-Info Tour

Kiene machte zunächst deutlich, dass das Erreichen der Klimaziele eine globale Aufgabe sei. "Deutschland will bis 2045, Europa bis 2050 klimaneutral sein. Diese ambitionierten Ziele können wir nicht alleine mit Elektromobilität erreichen. Wir brauchen verschiedene Maßnahmen, um die CO2-Emissionen in der Mobilität schnell und effektiv zu senken." Es bringe außerdem nichts, wenn zwar in Deutschland, einem "reichen Land", E-Mobilität gelinge, für Entwicklungsländer aber schon die Installation der Infrastruktur nicht zu finanzieren sei. Wer das Ende des "Verbrennens fossiler Kraftstoffe – nicht des Verbrennungsmotors" und damit CO2-Reduktion und Klimaschutz wolle, müsse technologieoffen bleiben. Energieversorgung und Mobilitätsformen müssten sich an den vorhandenen Möglichkeiten in den jeweiligen Ländern orientieren, denn "nicht überall geht alles".

Will das Thema E-Fuels öffentlich bekannt machen: Dr. Lorenz Kiene. Foto: KühnWill das Thema E-Fuels öffentlich bekannt machen: Dr. Lorenz Kiene. Foto: Kühn

Damit die Klimawende global und schnell gelinge, müsse man die bereits vorhandene Versorgungsinfrastruktur mit Diesel und Benzin nutzen, forderte Kiene: "Es ist alles da." Tanklager, Tankwagen und Tankstellen könne man weltweit sofort umstellen – auf neue flüssige, grün erzeugte Kraftstoffe.

Mit strombasierten synthetischen Kraftstoffen gebe es längst eine technisch ausgereifte Lösung für die Klimawende im Bereich des Verkehrs. "Aber leider haben E-Fuels bislang keine große Lobby", bedauerte Kiene. Die Infotour soll deshalb viele Menschen erreichen, um deutlich zu machen, "welchen wichtigen Beitrag E-Fuels zur Klimawende leisten können".

Unter dem Begriff "synthetisch" werden verschiedene Kraftstoffe zusammengefasst. Erdöl spielt bei deren Produktion keine Rolle. Zu den synthetischen Kraftstoffen zählen auch die E-Fuels. Für diese wird mithilfe der Elektrolyse aus Wasser (auch Salzwasser) und mit grünem, erneuerbarem Strom Wasserstoff gewonnen. In einem weiteren Schritt wird der Luft das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) entnommen und mit dem Wasserstoff in einen flüssigen Energieträger umgewandelt. Das Verfahren wird auch als "Power to Liquid" bezeichnet. Über Variationen in den chemischen Prozessen lassen sich synthetischer Diesel oder Benzin erzeugen. Auch die Herstellung von Heizöl ist möglich.

Anlagen zur Erzeugung der grünen Kraftstoffe müssen dort stehen, wo die Sonne scheint

Maximal 40 Prozent des erforderlichen grünen Stroms für die Klimawende könne Deutschland derzeit selbst erzeugen, so bleibe das Land auch in Zukunft auf Energieimporte angewiesen, erklärte Kiene. Deshalb gehören für ihn die großtechnischen Anlagen zur Erzeugung der neuen Kraftstoffe auch in die Regionen der Erde, wo die Sonne ohnehin scheint: "Zum Beispiel in die nordafrikanischen Länder, in die Sahara." Dort erzeugt, würden auch die Kosten akzeptabel bleiben. Ein Transport sei kein Problem: "Die Kraftstoffe sind ja flüssig."

Und warum nicht gleich "nur" Wasserstoff erzeugen? "Wasserstoff zu betanken, bedarf einer neuen, teuren Infrastruktur, die erst aufgebaut werden muss", meinte Kiene. "Das kostet und das dauert." Auch die hohen technischen Drücke, mit denen gearbeitet wird, sind dem Referenten nicht geheuer.

Die klimaneutralen Kraftstoffe könnten bereits jetzt im bestehenden Fahrzeugbestand als Beimischung bis hin zu 100 Prozent getankt werden. Auch einer technischen Umstellung der Fahrzeuge bedürfe es nicht: "Neue Motoren sind nicht nötig. Die neuen Kraftstoffe greifen auch nicht etwa Dichtungen aus Gummi an oder verursachen andere Schäden."

Synthetischer Kraftstoff ist noch teuer

Und der Preis eines Liters synthetisch hergestellten grünen Kraftstoffes? Der sei noch nicht konkurrenzfähig, gibt Kiene zu. In der Herstellung kosten verschiedene flüssige Kraftstoffe zwischen 80 Cent und 1,20 Euro den Liter. Dazu kämen an der Zapfsäule noch die Steuern. Er sei aber zuversichtlich, dass sich die Kosten senken lassen, wenn erst weltweit große Projekte zur Erzeugung, das heißt vor allem die erforderlichen großtechnischen Anlagen, entstehen. Derzeit planten etwa Automobilhersteller Porsche und Siemens Produktionsstätten.

"Nur mit der entsprechenden Unterstützung der Öffentlichkeit und aus der Politik kann der Markthochlauf von strombasierten Kraftstoffen geschafft werden", schloss Kiene seinen Vortrag. Er lud die Anwesenden ein, die Internetseiten zum Thema E-Fuels zu besuchen und sich dort ausführlich zu informieren. Dort würden alle Fragen rund um ein "wichtiges und sofort umsetzbares Projekt im globalen Klimaschutz geklärt".

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