Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Ministerpräsident Stephan Weil hört die Nöte des Handwerks

Niedersachsens Regierungschef war Gast der Handwerkskammer Oldenburg. Die Vertreter der Kreishandwerkerschaften im Oldenburger Land wollen ein größeres Engagement des Landes in der Berufsausbildung.

Artikel teilen:
Das Oldenburger Handwerk begrüßte Niedersachsens Ministerpräsident in Lohne: (von rechts) Kammerpräsident Eckhard Stein, Stephan Weil (SPD), Andreas Theilen und Markus Nacke (Kreishandwerkerschaft Vechta) und Dr. Stephan Siemer (MdL, CDU). Foto: Kühn

Das Oldenburger Handwerk begrüßte Niedersachsens Ministerpräsident in Lohne: (von rechts) Kammerpräsident Eckhard Stein, Stephan Weil (SPD), Andreas Theilen und Markus Nacke (Kreishandwerkerschaft Vechta) und Dr. Stephan Siemer (MdL, CDU). Foto: Kühn

Gastgeber für die jährliche Buß- und Bettagsversammlung der Handwerkskammer Oldenburg war jetzt die Kreishandwerkerschaft Vechta. Kreishandwerksmeister Andreas Theilen und Geschäftsführer Markus Nacke hatten das Präsidium der Kammer um den Präsidenten Eckhard Stein in die Gaststätte Römann nach Lohne eingeladen. Theilen konnte neben Stein, auch frisch gewählter Präsident des Niedersächsischen Handwerks sowie Vertretern der Kreishandwerkerschaften im Oldenburger Land auch den Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) begrüßen. Nacke habe "richtig Glück gehabt", so Weil schmunzelnd, dass "der Termin passte", denn er befinde sich gerade auf einer "Regionalbereisung Weser-Ems".

Kreishandwerkerschaft Vechta war Gastgeber des Jahrestreffens der Handwerkerschaften im Oldenburger Land

Theilen nutzte dann auch die Möglichkeit, "die Anliegen und Sorgen des Handwerks direkt an den Ministerpräsidenten" zu richten. Die Betriebe im Handwerk seien massiv vom Fachkräftemangel betroffen, auch die Auszubildendenzahl sinke. Er wollte von Weil wissen, wie die duale Ausbildung im Handwerk mit Hilfe des Landes verbessert werden könne, um den "hohen Fachkräftebedarf abzufedern". Seit dem Jahr 2001 habe man 35 Prozent der ausbildenden Handwerksbetriebe verloren, landesweit gäbe es nur noch 2690 Unternehmen, die ausbilden.

Angesichts der Milliardenmehreinnahmen des Landes im Steuersektor müsse es gelingen, die Kosten der Ausbildung besser zu verteilen. Diese vorrangig den Betrieben aufzubürden, sei angesichts hoher Mitfinanzierungsquoten des Landes in anderen Bildungsbereichen ungerecht, hieß es aus der Runde

Bevor Weil auf die Problemlagen des Handwerks einging, nutzte er die Gelegenheit, noch einmal auf die aktuelle Coronalage einzugehen. Niedersachsen befinde sich mit Blick auf die Landesinzidenzzahlen zwar noch "relativ vor der Lage", doch sein Credo sei letztlich, mehr Menschen im Land zur Impfung zu bringen. Nach "allem guten Zureden", das offensichtlich keine Erfolge zeitige, müsse man mehr Ungeimpfte zur Impfung bringen, wenn "wir diesen Mist endlich einmal hinter uns lassen wollen". Von fünf Erwachsenen in Niedersachsen seien vier geimpft. Das sei zu wenig. Es sei überfällig, nicht die Geimpften einzuschränken. Niedersachsen wird deshalb die 2G-Regelung in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens zur Pflicht machen, ebenso wie die 3G-Regel nun in den Unternehmen gelten werde.

Das Land Niedesachsen erhöht die finanziellen Mittel für die berufliche Aus- und Weiterbildung

Weil sieht das Handwerk generell als "Stabilitätsanker". Die Wirtschaftsmacht von nebenan halte in Niedersachsen mehr als 500.000 Arbeitsplätze und über 50.000 Ausbildungsplätze vor. "Sie sind der Mittelstand", lobte Weil, der "Klimaschutz ohne Handwerk" als "nicht denkbar" ansieht. Dass es Fachkräftemangel gebe, man mehr Jugendliche für eine Ausbildung gewinnen müsse, sehe auch die Landesregierung. So werde das Land seine Unterstützung für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung im nächsten Doppelhaushalt des Landes um insgesamt 1,2 Millionen Euro erhöhen. Auch die Meister- und Gründerprämie werde erhalten bleiben. "An unserem guten Willen soll es nicht mangeln."

Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, Dr. Michael Hoffschröer, gemeinsam mit dem stellvertretenden Kreishandwerksmeister Fritz Strop und Geschäftsführer Dennis Makselon vor Ort, kritisierte die neuen Landesmittel als "Tropfen auf einen heißen Stein". Nacke machte in der weiteren Diskussion deutlich, dass insbesondere die Förderung des Landes für die Beruflichen Bildungszentren der Handwerkerschaften "höher sein könnte". Bislang seien im investiven Bereich besonders die Betriebe gefragt.

Das Oldenburger Handwerk kritisiert die stiefmütterliche Behandlung der Berufsschulen

Auch die stiefmütterliche Behandlung der Berufsschulen wurde kritisiert. Es fehlten an vielen Stellen Lehrer in den fachberuflichen Fächern. Hier verwies Weil jedoch darauf, dass das Land "dasselbe Problem wie Sie hat: Es gibt diese Leute nicht mehr. Es herrscht Mangel".

Wichtig ist den Handwerkern überdies die Sprachbildung ihrer Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. An mangelnden Deutschkenntnissen würden viele praktisch taugliche Auszubildende scheitern. Die Fragen in den theoretischen Prüfungen müssten vereinfacht werden. Weil ließ offen, ob das Land die Sprachförderung forcieren wird.

Aus der Runde wurde zudem gefordert, mehr Flüchtlingen Aufenthaltsstatus zu gewähren. Die Betriebe würden für viel Geld viele junge Menschen ausbilden, die dann nach dem Ende dieser Ausbildung abgeschoben würden. Diese Fachkräfte den Betrieben zu entziehen, sei ein Unding. Weil sieht das ähnlich und versprach, sich für gesetzliche Änderungen einzusetzen.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Ministerpräsident Stephan Weil hört die Nöte des Handwerks - OM online