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Meyer-Werft: 660 Arbeitsplätze sollen weg

Die spektakulären Ozeanriesen der Meyer-Werft haben wegen Corona keine Konjunktur. Über den Umgang mit der Krise wird seit Monaten fruchtlos gestritten. Nun drückt die Leitung ihr Modell durch.

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Der Unternehmen leidet unter der geringen Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen. Foto: dpa/Schuldt

Der Unternehmen leidet unter der geringen Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen. Foto: dpa/Schuldt

Gegen den Protest des Betriebsrates steuert Deutschlands größter Schiffbaubetrieb, die Meyer-Werft an der Ems, den Abbau von 660 Stellen an. Das bekräftigten Geschäftsführer Tim Meyer und Personalchefin Anna Blumenberg am Montag für den Kreuzfahrtschiffbauer in Papenburg. Gleichzeitig bekundeten vor den Werfttoren mehr als Tausend Mitarbeiter ihren Unmut über den drohenden Verlust der Arbeit. Betriebsratschef Nico Bloem forderte Verhandlungen über eine Lösung ohne betriebsbedingte Kündigungen.

"Am Ende des Tages sind wir uns sehr wohl bewusst, dass es Einschnitte geben wird", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Aber dafür wollen wir auch etwas haben." Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wollte nachmittags in Papenburg mit den Meyer-Betriebsräten und -Vertrauensleuten reden.

In der Belegschaft, die nach Blumenbergs Angaben noch 3900 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zählt, herrscht große Unruhe. Wegen des Stillstands der Kreuzfahrtbranche steckt die Werft in der Krise. Zwischen Geschäftsführung einerseits und Bloem und der IG Metall andererseits gibt es aber seit Monaten keine Verständigung über den Umgang mit den Problemen.

Mitarbeiter stimmen für Abbau von 660 Jobs

"Wir kommen nicht zueinander. Der Betriebsrat und die IG Metall in Leer erkennen den Ernst der Lage nicht", sagte Meyer der dpa. "Wir haben jetzt 40 Prozent weniger Arbeit." Ohne Betriebsrat ließ die Werftleitung am Samstag bei einer Online-Versammlung die Belegschaft über den Jobabbau abstimmen. Es ging um 660 oder 1000 zu streichende Arbeitsplätze. Nach Firmenangaben gab es eine überwältigende Zustimmung für den Verlust von nur 660 Jobs.

Allerdings soll dann jeder verbliebene Mitarbeiter einen Beitrag von 200 unbezahlten Arbeitsstunden im Jahr leisten. Dazu werde die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf 39 Stunden aufgestockt, sagte Personalchefin Blumenberg. Mit den Zusatzstunden könne die Werft kostenneutral den Arbeitsanteil senken, der sonst an Fremdfirmen vergeben werden müsse.

IG Metall: "Wahl zwischen Pest und Cholera"

Bloem und der IG-Metall-Bevollmächtigte für Leer/Papenburg, Thomas Gelder, kritisierten die Abstimmung. "Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera», sagte Gelder. Eine solche Abfrage ohne den Betriebsrat widerspreche dem Betriebsverfassungsgesetz. «Wir lassen uns nicht spalten», sagte Bloem. Ein Firmensprecher sprach von einer Infoveranstaltung, auf der ein Meinungsbild erhoben worden sei. "Jetzt haben wir feststellen können, dass wir hohen Zuspruch für unseren Vorschlag bekommen", sagte Meyer indes.

Zum weiteren Verfahren sagte Blumenberg, dass es noch eine betriebsinterne Verhandlungsrunde geben solle. Wenn es dabei keine Einigung gebe, werde die Werft bei Arbeitsgericht die Einsetzung einer Einigungsstelle beantragen. Dies solle «in den nächsten Wochen» geschehen. Solche Einigungsstellen haben einen unabhängigen Vorsitzenden, meist einen Arbeitsrichter. Sie entscheiden darüber, wie ein Unternehmern seinen Betrieb sozialverträglich umstellt.

Auch wenn nach langem Corona-Stillstand die ersten Kreuzfahrtschiffe wieder auf Fahrt gehen, wird es in den kommenden Jahren kaum Nachfrage nach neuen bunten Traumschiffen geben. Den Bestand an Aufträgen arbeitet die Meyer-Werft verlangsamt bis 2025 ab. Sie will 1,2 Milliarden Euro sparen und 40 Prozent Arbeitskapazität abbauen. Auch andere deutsche Werften müssen wegen Auftragsmangels in der Corona-Krise Stellen abbauen.

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