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"Mein größter politischer Fehler": Ex-EWE-Chef vor Gericht

Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko als Werbeträger? Von so einem Coup träumte der Ex-Chef des Versorgers EWE. Das hat ihn nun auf die Anklagebank gebracht. Klitschko kam nie bis Oldenburg.

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Matthias Brückmann, der frühere Vorstandsvorsitzende des Energieanbieters EWE AG, bei einem Verhandlungstermin im Landgericht Oldenburg. Foto: dpa/Assanimoghaddam

Matthias Brückmann, der frühere Vorstandsvorsitzende des Energieanbieters EWE AG, bei einem Verhandlungstermin im Landgericht Oldenburg. Foto: dpa/Assanimoghaddam

Wladimir Klitschko habe ihm gleich beim ersten Treffen das Du angeboten - das berichtete der Ex-EWE-Vorstandschef Matthias Brückmann am Mittwoch im Landgericht Oldenburg. Auf Bitten eines Freundes habe er den Ex-Boxweltmeister im Frühjahr 2016 in einem Hamburger Hotel abgeholt und zum Fußball chauffiert. So begann die Geschichte einer Großspende von 253 000 Euro des norddeutschen Energieversorgers für eine wohltätige Stiftung des jüngeren Klitschko-Bruders. Sie kostete Brückmann (59) den Job bei EWE und hat ihn fünf Jahre nach dem Rauswurf auf die Anklagebank gebracht.

Als Untreue in einem besonders schweren Fall wertet die Staatsanwaltschaft die Tat. Verantworten müssen sich Brückmann und ein noch aktives EWE-Vorstandsmitglied, von dem die zweite Unterschrift unter die Spende kam. Sie hätten gehandelt «im Wissen, dass ihr Vorgehen gegen die Konzernrichtlinie Spenden verstieß», sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt. Gegen Brückmann gibt es noch weitere Untreue-Vorwürfe: Er soll zweimal private Gäste auf Firmenkosten nach Oldenburg eingeladen haben (Az. - 2 KLs 99/19).

Zu Klitschkos 40. Geburtstag flog Brückmann nach Kiew

Zu Klitschkos 40. Geburtstag flog Brückmann nach Kiew. Bei einem Galaabend wurde Geld für dessen Stiftung gesammelt. "Ich fühlte mich sehr geehrt", sagte Brückmann. Er sei "wirklich tief beeindruckt" gewesen von Klitschkos Einsatz für Kinder in der Ukraine. Und als zum Ende des Abend nicht mehr viel zum Ziel von drei Millionen US-Dollar (gut 2,6 Mio Euro) fehlte, sprang der EWE-Chef in die Bresche.

"Ja, ich habe die Spende zugesagt", sagte Brückmann. "Das war mein größter politischer Fehler" in bis dahin 15 Jahren Arbeit als Vorstand in Aktiengesellschaften. Denn daheim kamen ihm Zweifel, ob er seine Vorstandskollegen vom Sinn der Spende überzeugen könne. Deshalb sollte daraus eine Sponsoring-Aktion werden: mit Klitschko als Werbeträger für EWE, mit einem Besuch des weltberühmten Boxers einschließlich Eintrag ins Goldene Buch und einem Auftritt beim Basketballteam EWE Baskets Oldenburg. Aber schließlich zahlten Brückmann und sein Kollege im Oktober 2016 das Geld doch als Spende.

Im Februar 2017 wurde Brückmann entlassen

Ob er allein so viel spenden durfte? Dazu blieb Brückmann in seiner Einlassung vage und kritisierte "intransparente Regeln" bei EWE. Stattdessen berichtete er von Intrigen im Aufsichtsrat und von Hetze der Presse. Das ließ sich so verstehen, als habe der reformfreudige Manager in dem eher bedächtigen Unternehmen im Besitz der norddeutschen Städte und Landkreise angeeckt. Es sei viel passiert, "im Nachhinein betrachtet vielleicht zu viel", sagte Brückmann.

Im Februar 2017 wurde Brückmann wegen der Klitschko-Spende und anderer Verfehlungen entlassen. Am Landgericht Oldenburg prozessiert er seit 2018 mit seinem Ex-Arbeitgeber um entgangenes Gehalt und seine Altersversorgung. Die verhängnisvolle Spende wurde zur Hälfte zurückgezahlt.

Der zweite Angeklagte wies den Vorwurf der Untreue zurück. Er habe unterschrieben, weil er davon ausgegangen sei, dass sein Chef und Kollege Brückmann alles korrekt vorbereitet habe. "Ich bin stets davon ausgegangen, dass Herr Wladimir Klitschko der EWE für Werbezwecke zur Verfügung steht." Das Landgericht hat den Prozess bis in den März hinein terminiert.

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