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Mein Corona-Jahr: Mit 2 blauen Augen durchgekommen

Einzelhändlerin Anika Lindner betreibt in Friesoythe einen Laden für Geschenk- und Dekoartikel. Für OM-online blickt sie nach dem Ende des harten Lockdowns im Einzelhandel auf ihr Corona-Jahr zurück.

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Endlich wieder geöffnet: Anika Lindner hat mit ihrem Laden den Lockdown mit zwei blauen Augen überstanden. Foto: Stix

Endlich wieder geöffnet: Anika Lindner hat mit ihrem Laden den Lockdown mit zwei blauen Augen überstanden. Foto: Stix

Die schönste Nachricht zum Ende des Lockdowns im Einzelhandel hatte Anika Linder von einer Kundin bekommen. "Endlich muss ich nicht mehr im Internet einkaufen", hatte ihr die Stammkundin geschrieben, als Lindner ihren Laden für Geschenk- und Dekoartikel in der Moorstraße vor einer Woche wieder aufmachen konnte.

Wenn Lindner auf ihr Corona-Jahr zurückblickt, klingt ihr Resümee wie eine Acherbahnfahrt. Dem 1. Lockdown im März/April 2020 folgte ein unerwartetes Hoch ab Mai. "Von da an liefen die ersten 6 Monate wider Erwarten sehr gut", erzählt die Händlerin. "Obwohl mir ja neben Corona ja auch die Baustelle zur Innenstadtsanierung das Leben schwer gemacht hat."

"Es ist ja nicht die schlechteste Werbung, wenn man eine Schlange vor der Tür hat."Anika Lindner, Händlerin

Die Kunden hatten sich, so Lindners Erfahrung, recht schnell mit den Corona-Einschränkungen zurechtgefunden. Als sie beispielsweise in den Sommermonaten 2 Kunden und ab Spätherbst nur noch 1 Kundin im Laden bedienen durfte, haben die anderen ohne Murren draußen gewartet. "Es ist ja nicht die schlechteste Werbung, wenn man eine Schlange vor der Tür hat", sagt Lindern lachend.

Im harten Lockdown ab Dezember war es dann mit der Schlange vor der Tür vorbei. "Da habe ich Corona so richtig zu spüren bekommen", sagt Lindner. Ihr Click & Collect-Angebot lief zwar nicht schlecht, das Ergebnis reichte aber bei Weitem nicht an das eines geöffneten Ladens heran. "Die Leute kaufen das, was sie sehen, sie kommen zum Stöbern", erzählt Lindner. "Das fiel weg, genauso wie die ganzen Geburtstagsfeiern, für die normalerweise Geschenke gekauft werden." Dazu kam es bei der Auszahlung der Corona-Hilfen zu Verzögerungen, die Lindner hart trafen. "In dieser Zeit habe ich öfter gedacht, dass ich es nicht durchhalte", gesteht sie. "Da gab es mehrere Punkte, an denen ich mental ganz unten war."

Kein Grund, vor Corona einzuknicken

Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie dann überlegt, wie der Laden vor Corona dastand – und genug Gründe gefunden, weiterzumachen: "Das Geschäft lief vor der Pandemie gut, ich habe mir Stammkunden aufgebaut und einen guten Namen gemacht", fasst Lindner das Ergebnis zusammen. Kein Grund also, vor Corona einzuknicken. "Außerdem hat mich auch der Zuspruch vieler Kunden über die sozialen Medien darin bestärkt, nicht aufzugeben." Auf größere Warenbestellungen allerdings hat die Händlerin in dieser Zeit verzichtet. "Das geht nur, wenn der Laden läuft."

Seit gut einer Woche ist das Geschäft jetzt wieder geöffnet, von Entspannung kann aber noch keine Rede sein. "Ich bin immer noch so in Halb-acht-Stellung", sagt Lindner. "Man weiß ja nicht was noch kommt, was beispielsweise mit der indischen Variante ist".

Mit dem Re-Start zufrieden

Auch deshalb hat sie bei ihren jetzt anstehenden Bestellungen für das Weihnachtsgeschäft leichtes Bauchgrimmen. "Wer weiß denn schon, ob's ein Weihnachtsgeschäft geben wird." Hinzu komme der finanzielle Druck. "Die Ware kommt Anfang Oktober", erläutert Lindner. "Bis dahin muss ich also das Geld verdient haben, um die Lieferungen zu bezahlen." Zusammen mit der Ungewissheit, was im Winter möglich sein wird, sei das dann doch ein Damoklesschwert, das über ihr und über allen Händlern hänge. Ihr Rezept dagegen: "Es hilft, positiv zu denken."

Rückblickend, sagt Lindner, hätte es auch schlimmer kommen können. "Ich bin mit 2 blauen Augen durch die Corona-Krise gekommen – einem finanziellen und einem mentalen." Von einem Knockout kann indes keine Rede sein, und mit dem Re-Start ist Lindner auch zufrieden. "Das war ein komisches Gefühl vor dem 1. Tag nach dem Lockdown, als hätte man lange nicht auf einem Fahrrad gesessen und müsse jetzt aufsteigen", erzählt sie. Aber es hat funktioniert. "Der 1. Tag war ein schöner Tag."

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