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Mechthild Heil erklärt die Landwirtschaft

Mechthild Heil betreibt auf ihrem Hof in Fladderlohausen einen Lernstandort. Für den Verein Agrela sucht sie mit dem Landvolk nun Hofbetreiber, die ihrem Beispiel folgen wollen.

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Sie liebt ihren Beruf: Landwirtin Mechthild Heil aus Fladderlohausen. Foto: Böckmann

Sie liebt ihren Beruf: Landwirtin Mechthild Heil aus Fladderlohausen. Foto: Böckmann

Wie viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Mechthild Heil in den vergangenen 30 Jahren über ihren Hof in Fladderlohausen geführt hat? Wie vielen Kindergärten, Schulen und Studenten sie Einblicke in das Leben auf dem Bauernhof gegeben hat? Mechthild Heil weiß es nicht. Aber es waren viele, sehr viele.

Ab 1990 lud die Landwirtin Kinder im Rahmen der Ferien(s)passaktion der Gemeinde Holdorf auf den heimatlichen Betrieb an der Lappenstadt. Später kooperierte sie mit dem Förderverein Regionale Umweltbildung Agrarwirtschaft (Ruba). Seit Ende 2008 ist der Hof Lernstandort der vornehmlich im Südkreis tätigen Arbeitsgemeinschaft Regionales Lernen Agrarwirtschaft (Agrela); zwischen April und den Sommerferien führte und führt sie an 40 bis 50 Aktionstagen jeweils rund 20 Personen über den Bauernhof.

Was die Gäste dort erwartet? Vor allem ein direkter Einblick in die reale Agrarwirtschaft. Wie arbeiten die Menschen auf einem Hof? Wie funktioniert ein Kuhstall? Wie sieht ein Milchvorgang aus? Was ist der Unterschied zwischen konventioneller oder ökologischer Landwirtschaft? Wie werden die Tiere geschoren?

Mit Leib und Seele Landwirtin: Mechthild Heil aus Fladderlohausen. Foto: BöckmannMit Leib und Seele Landwirtin: Mechthild Heil aus Fladderlohausen. Foto: Böckmann

Abgestimmt auf die jeweiligen Besucher, ob Kindergärten, ob Grundschüler oder Gymnasiasten, ob Studenten – Mechthild Heil versuchte und versucht mit Herzblut, Leidenschaft und natürlich fachlicher Expertise in ein paar Stunden zu erklären, wie Landwirtschaft funktioniert.

Organisation der Aktionstage nimmt viel Zeit in Anspruch

"Die Arbeit macht mir super viel Spaß, die Gäste sind begeistert. Es gibt ganz viele positive Rückmeldungen von Schülern und Lehrern", sagt Mechthild Heil und erinnert sich gerne an tolle Erlebnisse zurück. Wenn Kindergartenkinder Kühe umarmen. Wenn Grundschüler ihre ausgefüllten Hofalben präsentieren. Wenn ein Kind, das vorher noch nie auf einem Bauernhof war, fragt, wann es wieder kommen darf. Und viele andere Erinnerungen mehr.

Doch nach 30 Jahren möchte Mechthild Heil, die auch Agrela-Vorsitzende ist, nun etwas kürzertreten. Die Vor- und Nachbereitung der Aktionstage frisst viel Zeit. Insgesamt bleibe wohl ein ganzer Arbeitstag liegen, schätzt die 54-Jährige. Deshalb spricht Mechthild Heil nun diesen Wunsch an ihre Berufskollegen aus: Sie sucht andere Landwirte, die Lust haben, Hoferkunden, Projekttage oder Exkursionen durchzuführen.

Angst vor diesen Aktionen müsse niemand haben, betont Mechthild Heil. Sie biete natürlich ihre Hilfe an. Unterstützung gibt es auch vom Landvolk Vechta. Der Verband berät bei der Buchhaltung und Korrespondenz, bei der administrativen und öffentlichen Arbeit, bei Gesprächen mit Förderern und Sponsoren, beim Netzwerken. "Wir sind eine starke Region, die professionell aufgestellt ist", sagt Landvolk-Pressereferent Christoph Friederich. Angesichts der wachsenden Strukturen in der Landwirtschaft, der vielfältigen Aufgaben und Verantwortung der Branche sei es jedoch wichtig, dass Wissen darüber schon frühzeitig zu vermitteln.

"Kinder vom Land wachsen zunehmend wie Stadtkinder auf."Mechthild Heil

Das Wissen über einen Bauernhof, über die Arbeit der Landwirte und die betrieblichen Abläufe hat jedoch in den vergangenen Jahren nachgelassen, sagen Friedrich und Heil unisono. Es gebe immer weniger Menschen, die wissen, was überhaupt Gülle ist. Die Mais nicht von Weizen unterscheiden können. Die bestimmte Tiere nicht kennen. Die Landwirtin findet: "Kinder aus dem Land wachsen zunehmend wie Stadtkinder auf." Sie meint dies gar nicht als Vorwurf, sondern als Feststellung. Denn es gibt immer weniger landwirtschaftliche Betriebe, weniger Menschen mit Bezug zur Agrarwirtschaft. Dies alles sei schon eine Herausforderung.


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Lernstandorte wie der von Familie Heil oder wie der von Jürgen Göttke-Krogmann in Kroge sollen helfen, zentrale Fragen zu beantworten. Wie etwa diese: Wo kommen eigentlich die Lebensmittel her? Wissen über die Landwirtschaft zu vermitteln, das ist eine Aufgabe, die sich Heil auch für die Zukunft auf die Fahne geschrieben hat. Auch, wenn sie etwas kürzertritt.  

"Ich liebe meinen Beruf. Ich liebe es, mit Begeisterung zu zeigen, den Funken für die Landwirtschaft überspringen zu lassen", sagt Mechthild Heil und erhält dafür ein zustimmendes nicken von Landvolk-Referent Friederich. Der sagt: Die Arbeit von Landwirten wie Heil sei "unheimlich wichtig". Dafür erhielt die Lorserin auch die silberne Ehrennadel, die höchste Auszeichnung des Verbandes. Auch, weil sie seit 30 Jahren unzählige Kinder, Schüler und Studenten über ihren Hof führt.

  • Info: Höfe, die Interesse haben, Lernort zu werden, schreiben eine E-Mail an heike.rode@klv-vechta.de.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft Regionales Lernen Agrarwirtschaft (Agrela) ist die Förderung der regionalen schulischen und außerschulischen Umweltbildung mit dem Schwerpunkt Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft. Der Verein will Angebote zum regionalen Lernen mit agrarwirtschaftlichen Inhalten erarbeiten. Damit sollen schulische und außerschulische Lehr- und Lernvorhaben unterstützt werden, die das Erleben und Erfahren der für die Region typischen Agrarwirtschaft ermöglichen, regionale Identifizierungsprozesse unterstützen und umweltgerechtes Handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern.

Die Familie Heil bewirtschaftet auf 125 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Angebaut werden Gerste, Roggen, Mais und Ackergras. Auf dem Hof werden 120 Milchkühe mit deren weiblichen Kälbern und etwa 1800 Mastschweine gehalten.

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