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Malte Nieberding ist der beste Zweirad-Mechatroniker Deutschlands

Der 25-Jährige ist Bundessieger beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks "Profis leisten was". Nach seiner Lehre in Osnabrück fing er im Januar im elterlichen Geschäft in Lohne an.

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Malte Nieberding überprüft die Schrauben, mit denen der Motor des E-Bikes befestigt ist. Foto: Heinzel

Malte Nieberding überprüft die Schrauben, mit denen der Motor des E-Bikes befestigt ist. Foto: Heinzel

Malte Nieberding ist über Umwege zu seinem Beruf als Zweirad-Mechatroniker gekommen und nun ist er Bundessieger 2021 beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks mit dem Titel  "Profis leisten was" (PLW). "Europas größter Berufswettbewerb“, so der Zentralverband des Deutschen Handwerks, wurde inzwischen zum 70. Mal durchgeführt. Am Freitag wäre der 25-jährige Lohner eigentlich zusammen mit den anderen Siegern in Berlin auf einer Veranstaltung geehrt worden. 

Malte Nieberding hatte sich aber gegen eine Reise in die Hauptstadt entschieden. Alleine wollte der Lohner nicht fahren. "Das macht keinen Spaß", meint der Bundessieger. "Wir wären alle hingefahren", sagt Malte Nieberdings Vater, Franz-Josef Nieberding, doch das ließ die aktuelle Pandemiesituation nicht zu.

Elektrotechnik war nicht sein Ding

Das ändert aber nichts daran, wie stolz Franz-Josef Nieberding auf seinen Sohn, der seit Januar im Lohner Familiengeschäft "Nieberding Zweirad und Sport" arbeitet, ist. Malte Nieberding ist bei "Radel Bluschke" in Osnabrück in die Lehre gegangen und erzielte 97 Prozent in seiner Abschlussprüfung. Mit diesem Ergebnis meldete er sich beim Leistungswettbewerb an und wurde erst Sieger in Kammerbezirk, dann Landessieger und nun Bundessieger.

Malte Nieberding umrahmt von seinen Urkunden als Landes- und Bundessieger des Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks. Foto: HeinzelMalte Nieberding umrahmt von seinen Urkunden als Landes- und Bundessieger des Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks. Foto: Heinzel

Zwar ist der 25-Jährige mit Fahrrädern groß geworden, aber lange Zeit sah er seine Zukunft in anderen Bereichen. Nach dem Abitur am technischen Gymnasium in Lohne zog Malte Nieberding nach Oldenburg, um Elektrotechnik zu studieren. Doch das war nicht sein Ding und er schloss ein Studium der Mathematik in Osnabrück an. In dieser Zeit fing er wieder an, im elterlichen Laden in Lohne mitzuhelfen. Samstags baute er die von den Herstellern gelieferten und vormontierten Fahrräder zusammen. "Die musst du einmal komplett durchschauen und einstellen", meint der 25-Jährige:

„Der Schreibtisch war nichts für mich. Ich wollte etwas Praktisches machen“Malte Nieberding

"Irgendwann hat sich dann herauskristallisiert, dass es Spaß macht." Von da an war es nicht mehr weit zu dem Entschluss, das Studium an den Nagel zu hängen und eine Lehre als Zweirad-Mechatroniker zu beginnen. Zudem fuhr Malte Nieberding schon immer gerne Fahrrad und sah das Rad als sein "Fortbewegungsmittel der ersten Wahl". Letztlich reifte in ihm die Erkenntnis: „Der Schreibtisch war nichts für mich. Ich wollte etwas Praktisches machen.“ Und das tat er dann auch.

Vater und Sohn arbeiten gemeinsam in der Werkstatt 

Seine Eltern hätten keinen Druck auf ihn ausgeübt, in den Familienbetrieb einzusteigen. "Das ging von mir aus", konstatiert Malte Nieberding. "Wir können ihn jetzt schon nicht mehr missen", sagt sein Vater. Zu fünft seien sie aktuell im Geschäft. Seine Frau Marion Nieberding kümmere sich um den Laden, Alexandra Runnebohm arbeite im Büro und er selbst, sein Sohn und Lars Buchholz in der Werkstatt.

Malte (links) und Franz-Josef Nieberding in der Werkstatt des Familiengeschäftes an der Brinkstraße in Lohne. Foto: HeinzelMalte (links) und Franz-Josef Nieberding in der Werkstatt des Familiengeschäftes an der Brinkstraße in Lohne. Foto: Heinzel

1997 übernahm Franz-Josef Nieberding das Lohner Traditionsgeschäft an der Brinkstraße von seinem Vorgänger Josef Honkomp. Er und Franz-Josef Nieberding kannten sich, seitdem Letzterer mit 13 Jahren im Fahrradladen ein Schulpraktikum absolvierte. Trotzdem war es ein Sprung ins kalte Wasser. Der gelernte Werkzeugmacher hatte damals eine sichere Stelle bei einem regionalen Unternehmen und war in seiner Freizeit als Radrennfahrer unterwegs. In dem Jahr, als er den Laden übernahm, wurde er in Freiburg Deutscher Meister im Querfeldeinfahren und im Münchner Olympiapark bei der Weltmeisterschaft Siebter. Von dort fuhr er zurück und begann direkt sein neues Geschäft umzubauen und zu renovieren. "Ich habe damit mein Hobby zum Beruf gemacht", stellt Franz-Josef Nieberding fest.

Und nun, 24 Jahre später, arbeiten Vater und Sohn gemeinsam in der Werkstatt von "Zweirad Nieberding". Über den Entschluss, als Zweirad-Mechatroniker den Weg ins Handwerk einzuschlagen, sagt Malte Nieberding: "Es hat sich als die richtige Wahl herausgestellt." Ihm mache die Arbeit Spaß und er arbeite mit einem "Produkt mit Zukunft". Malte Nieberdings nächstes Ziel ist der Meisterbrief. Im September 2022 möchte er in Münster damit beginnen. Dann ein halbes Jahr in Vollzeit durchpowern, um dann mit dem Meisterbrief auch über die Ausbildungsberechtigung zu verfügen. Ein wichtiger Punkt, da es in seinem Bereich – wie in vielen anderen auch – an Nachwuchs mangelt.

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