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Made in Dinklage: Ein Uhrenlabel versucht sich auf dem internationalen Markt

Ein Jahr ist es her, dass Jürgen Kruse sein eigenes nachhaltiges Uhrenlabel gegründet hat. Nun berichtet er, wie schwer es ist, ein kleines Unternehmen auf dem internationalen Markt zu etablieren.

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Der Label-Inhaber und der Uhrenexperte: Jürgen Kruse (rechts) verkauft seine recycelbaren Armbanduhren auch bei Mark Schumacher. Foto: Schumacher

Der Label-Inhaber und der Uhrenexperte: Jürgen Kruse (rechts) verkauft seine recycelbaren Armbanduhren auch bei Mark Schumacher. Foto: Schumacher

Weihnachten 2017: Auf dem Wunschzettel der Familie von Jürgen Kruse stehen Armbanduhren. Top-Marken-Produkte sollten es sein. "Bei der Uhr, die wir online kauften, fiel mir sofort der ganze Verpackungsmüll auf, der mit in dem Paket war. Schutzfolien aus Plastik, Zertifikate als Plastikkarte, Werbeaufkleber aus Plastik, Schutzbeutel aus Polyester und so weiter", berichtet Kruse. Sein Gedanke: Das muss doch irgendwie besser gehen. Nach vielen Gesprächen innerhalb der Familie und Beratungen mit späteren Geschäftspartnern gründete der Dinklager sein eigenes nachhaltiges Uhrenlabel mit den Namen "Jublue & Jugreen". 2020 ging er mit seinen Armbanduhren auf den Markt. 

Das Besondere: Die Uhren sind laut Kruse ausschließlich aus recycelbaren Produkten hergestellt. Die Batterie im Uhrwerk habe einen Quecksilbermasseanteil von 0 Prozent. Es gibt keine Schutzfolien oder Plastik. Als Verpackung dienen Birkenholzverpackungen aus nachhaltigem Anbau und Säcke aus Baumwolle. Außerdem engagierte sich das Label für ökologische Projekte und arbeitete ursprünglich mal mit der Organisation "Plant for the Planet" zusammen, die versprach, Bäume für den Umweltschutz zu pflanzen.

Kleine Marken können sich nur schwer auf dem Markt durchsetzen

Ein Jahr nach der Gründung seines Uhrenlabels weiß Kruse, wie es ist, mit einem Start-up-Unternehmen auf dem internationalen Markt Fuß  fassen zu wollen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Es ist schwer für ein Neu-Unternehmen in der Schmuck- und Armbanduhren-Branche. Und: Es ist ein hartes Geschäft mit viel Konkurrenz. 

In einer Welt, die immer mehr vom Online-Handel lebt und in der die klassische Werbung durch Influencer und soziale Medien ersetzt wird, scheint es nur noch auf das richtige Marketing anzukommen, berichtet Kruse. "Die Qualität der Produkte ist zweitrangig geworden. Wir haben mit Marketingagenturen gesprochen, die mit bekannten Uhrenmarken zusammenarbeiten. Sie haben uns gefragt, warum wir so hochwertige Uhren genommen haben. Am Anfang sei es wichtiger, alles ins Marketing zu setzen", so der Geschäftsmann. Ähnliches berichtet er auch über die kurzzeitige Kooperation mit Influencern. 

Medien decken Zweifel an der Organisation "Plant for the Planet" auf

Um eine Marke bekannt zu machen, müsse man 500.000 bis 3 Millionen Euro in das Marketing investieren, hätten die Marketingagenturen erklärt. "Die Kunden wollen Emotionen vorgespielt bekommen, und dafür müsse man eben so viel Geld investieren", so Kruse. Danach verkaufe sich die Uhr mit einem Werbebudget von 43 Euro bei den sozialen Medien. Das heißt: Man muss 43 Euro für eine Werbung bei Facebook investieren. Diese sehen dann circa 2000 Personen. Davon klicken ungefähr 30 auf den Werbeshop – dabei wird dann eine Uhr verkauft, erzählt Kruse. Diese Art von Marketing käme für den Dinklager aber nicht infrage. "So wollen wir nicht sein. Wir setzen auf hochwertige Produkte und wollen dabei noch etwas Gutes für die Umwelt tun."

Schlechte Erfahrungen musste Kruse auch in Bezug auf die Zusammenarbeit mit der Organisation "Plant for the Planet" machen, bei der er bereits in 1500 Bäume investiert hatte. Nachdem mehrere Medien aufgedeckt hatten, dass die Organisation mit zweifelhaften Versprechen und betrügerischen Methoden Spenden für zum Teil gar nicht gepflanzte Bäume sammelte, kündigte der Geschäftsmann umgehend die Zusammenarbeit. "Durch die Berichte wurden leider auch Uhren zurückgeschickt", erzählt Kruse. Nun setze er lieber auf örtliche Organisationen wie den Verein "Bünne erleben", der sich für Umweltprojekte einsetzt. Zusätzlich arbeitet er nun mit der Organisation "OrangeOcean" zusammen, die sich dafür stark macht, die Plastikverschmutzung in den Meeren zu stoppen. 

Das Dinklager Uhrenlabel probiert es konventionell

"Würde man mich fragen, ob ich es schon mal bereut habe, ins Uhrengeschäft eingestiegen zu sein, müsste ich das mit 'Ja' beantworten. Denn ich würde vieles anders machen, vielleicht sogar günstigere Produkte herstellen. Doch das wird nicht passieren", betont Kruse. Für ihn stehe nach wie vor die Qualität und besonders der Umweltgedanke an oberster Stelle. Und eins stehe für ihn fest: So schnell will er nicht aufgeben. Das Dinklager Uhrenlabel gehe seinen eigenen Weg und probiere es auch über die lokalen Händler, beispielsweise bei "Optik Uhren Schmuck – Mark Schumacher" in Dinklage oder beim "Oldenburger Jagdcenter". 

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