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Ludger Stolle schließt sein Elektrofachgeschäft

Ab dem kommenden Jahr bleiben die Türen bei SP: Stolle in Goldenstedt geschlossen. Der 64-Jährige wechselt in den Ruhestand.

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War viele Jahre für seine Kundinnen und Kunden da: Ludger Stolle schließt sein Elektrofachgeschäft in Goldenstedt zum Jahresende. Foto: C. Meyer

War viele Jahre für seine Kundinnen und Kunden da: Ludger Stolle schließt sein Elektrofachgeschäft in Goldenstedt zum Jahresende. Foto: C. Meyer

Ludger Stolle hört zum Jahresende auf. "Ich möchte in den Ruhestand", nennt der 64-Jährige die naheliegende Begründung. Damit schließt das Elektrofachgeschäft SP: Stolle an der Hauptstraße in Goldenstedt nach mehr als 35 Jahren.

Was danach mit den Räumlichkeiten passiere, wisse Ludger Stolle nicht. Das sei auch Sache des Vermieters. Einen Nachfolger für das Geschäft gefunden habe er allerdings nicht, obwohl er sich vor ein paar Jahren durchaus darum bemüht habe, sagt der gelernte Radio- und Fernsehtechniker. Diese Berufsbezeichnung gibt es schon lange nicht mehr. Stolle spricht vom "aussterbenden Beruf". Heutzutage gibt es die Ausbildung zum Informationselektroniker. Seinen letzten Auszubildenden hatte Stolle Anfang der 2000er Jahre, erinnert er sich. Seit 2008 war er als Soloselbstständiger tätig.

In den 1980er und 1990er Jahren war viel zu tun

1972 hat Ludger Stolle eine Ausbildung zum Elektriker gemacht, erzählt er. Danach folgte die Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Wieso, daran kann er sich nicht wirklich erinnern. "Das hat sich so ergeben", sagt er. 1984 hat er die Meisterschule besucht und sich schließlich im Juni 1985 selbstständig gemacht. Zuvor war in dem Geschäft eine Art Tante-Emma-Laden, erinnert sich Stolle.

In den 1980er und 1990er Jahren war die Hochzeit in seiner Branche, erzählt der Goldenstedter. "Es war immer gut zu tun." Er habe viel mit Satellitentechnik gearbeitet, die alten Röhrenfernsehgeräte wurden sogar noch zur Reparatur gebracht. Die Menschen kauften ihre Unterhaltungselektronik im Fachgeschäft vor Ort. Zu diesen Zeiten habe er mehrere Gesellen und Auszubildende beschäftigt, schildert Stolle.

Mit dem Aufkommen des Internets änderte sich das. Die Kaufkraft ließ nach, die Menschen ließen weniger reparieren, berichtet er. Zwar habe er sich um die Installation der neuen Internetanschlüsse in den Haushalten bemüht, doch zurück zu alter Stärke fand sein Geschäft nicht mehr. Die Menschen kauften ihre Geräte nicht mehr ausschließlich im Fachgeschäft vor Ort. Irgendwann war Ludger Stolle in seinem Laden komplett auf sich allein gestellt.

Ludger Stolle gibt die Geräte nicht so schnell auf

Seinen Job hat er aber immer gerne ausgeübt – auch wenn die Freizeit darunter gelitten hat. Den Außer-Haus-Service habe er in den Mittagspausen oder nach Feierabend erledigt, erzählt Ludger Stolle. Besonders gefalle ihm das Technische an seinem Beruf. Alte oder kaputte Geräte gebe er nicht so schnell auf. Es reize ihn, diese auseinanderzubauen, nach dem Fehler zu suchen und gegebenenfalls zu reparieren. Heutzutage sei es aber eher die ältere Kundschaft, die sich noch um die Reparatur ihrer Unterhaltungselektronik bemüht. Überdies habe Ludger Stolle festgestellt, dass gerade neuere Fernseher immer öfter nicht mehr zu reparieren seien, weil es gar keine Ersatzteile mehr gebe.

Tüftelt gerne: Ludger Stolle gibt alte Geräte nicht so schnell auf. Da öffnet er auch mal einen VHS-Rekorder und bemüht sich um die Reparatur. Foto: C. MeyerTüftelt gerne: Ludger Stolle gibt alte Geräte nicht so schnell auf. Da öffnet er auch mal einen VHS-Rekorder und bemüht sich um die Reparatur. Foto: C. Meyer

Auf den Ruhestand blickt er mit Vorfreude. Darauf habe er sich lange genug vorbereitet, sagt er, wenn man ihn fragt, ob er nicht auch Wehmut verspüre. Er sei froh, nicht mehr sechs Tage die Woche im Geschäft stehen zu müssen, sagt er und lacht. Er freut sich auf die Freizeit, die er insbesondere mit seiner Familie verbringen möchte. "Jetzt kann man öfter in die USA reisen", sagt Ludger Stolle und lächelt. Seine Tochter wohnt mit ihrer Familie in Florida. In den vergangenen Jahre habe er die Betriebsferien für die Besuche genutzt. Der Sohn wohnt in Berlin. In Zukunft möchte er mehr Kontakt zu seinen Kindern haben, sagt Stolle.

Räumungsverkauf ab dem kommenden Wochenende

Außerdem hat er künftig mehr Zeit für die Theatergruppe Goldenstedt. In den vergangenen Jahren war er auch dort "für das Technische zuständig", erzählt er. Unter anderem habe er Fotos und Videos gemacht. Die letzte Aufführung der Saison habe er immer aufgezeichnet. Den Film haben die Schauspielerinnen und Schauspieler im Anschluss als Erinnerung bekommen. Er wollte auch immer mal selbst spielen, gibt er zu. Nun gibt es die Gelegenheit. Im kommenden Jahr ist Ludger Stolle auch als Darsteller auf der Bühne zu sehen.

Am kommenden Wochenende beginnt der Räumungsverkauf im Geschäft an der Hauptstraße. Ludger Stolle möchte dabei auch die Gelegenheit nutzen, den Kundinnen und Kunden, die bis zum Schluss zu ihm kamen, für ihre Treue zu danken. Ab dem kommenden Jahr können sie sich an das Geschäft EP: Mittag in Visbek wenden, sagt Ludger Stolle. Falls es beispielsweise um Garantiefälle geht. Der Vorhang in Goldenstedt fällt dann am 31. Dezember 2021.

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