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Leinweber: „Als Kleiner muss man weitaus mehr kämpfen“

Die Obermeisterin äußert sich im Interview mit OM online zur Situation der Friseure. Auch in ihrem Fenster brannte eine Kerze, um gegen den Lockdown zu protestieren.

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Obermeisterin Irina Leinweber. Foto: Wimberg

Obermeisterin Irina Leinweber. Foto: Wimberg

Wie in landesweit vielen Salons brannte bis Freitagmorgen um 8 auch in ihrem Fenster eine Kerze, um gegen den Lockdown zu protestieren und zu signalisieren, „dass wir noch da sind“. Im Interview mit OM online äußert sich Irina Leinweber, Obermeisterin der Friseurinnung der Kreishandwerkerschaft, über die aktuelle Situation, über Sorgen, aber auch positive Effekte.

Für viele Kunden sind die geschlossenen Salons im wahrsten Sinne nur eine haarige Angelegenheit, für viele Friseure jedoch eine existenzielle. Wie groß sind die Sorgen im zweiten Lockdown geworden?

Sie sind zum Teil schon groß, vor allem, weil die Hilfen nicht ankommen. Die Antragstellung gestaltet sich äußerst kompliziert, wir fallen durch viele Raster, weil 75 Punkte dagegen sprechen, warum wir 75 Prozent nicht bekommen können. Die Politik hat darüber hinaus nicht bedacht, dass wir Einzelunternehmer sind und somit das Thema Kurzarbeit für uns nicht greift. Die laufenden Kosten bleiben, das Konto gleitet ins Minus und als Kleiner muss man weitaus mehr kämpfen als Großbetriebe.

Ist die Schließung von Friseursalons aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?

Nein, denn ich bin der Meinung, dass wir systemrelevant sind. Was unsere Mitglieder angeht, gehören sie nicht zu den schwarzen Schafen und halten sich akribisch an alle Hygieneauflagen und das hat sehr gut funktioniert. Dass sich durch die Schließung grundsätzlich auch ein Tor für Schwarzarbeit öffnet, ist sicher nicht wegzudiskutieren, auch das sollten die Entscheidungsträger bedenken.

Kennen Sie Unternehmen, die die Krise nicht überleben werden?

Bundesweit geht man von zehn bis 15 Prozent aus, die es nicht schaffen. Bei uns kenne ich noch niemanden, aber das bleibt abzuwarten. Und inwieweit sich nach dem Lockdown ein Preiskampf einstellt, kann auch noch nicht gesagt werden. Was mich angeht, versuche ich die Preise zu halten, aber ich kann es mir nicht leisten, günstiger zu werden. Wir sind ein personalintensives Handwerk und es wird lange dauern, bis wir dieses Minus wieder ausgeglichen haben, wenn überhaupt.

Gehen Sie von einer Öffnung ab dem 15. Februar aus?

Daran will ich natürlich sehr gerne glauben und es wäre schön, wenn wir darüber zeitnah informiert würden, um uns auf den Ansturm vorbereiten zu können, der damit sicher verbunden wäre. Zumindest vertrauen wir darauf, dass die Kunden uns die Treue halten und auf uns warten.

Wie gestalten Sie und Ihre Kollegen den Lockdown?

Wir trainieren unter anderem unsere Auszubildenden, lassen sie an Puppenköpfen üben und stellen ihnen prüfungsrelevante Aufgaben. Wir organisieren überbetriebliche Lehrgänge und bereiten sie auch gezielt auf die Zeit nach dem Lockdown vor, denn da brauchen wir jede Hand. Etwas mehr Ruhe zu haben, um unsere jungen Leute zu schulen, ist deshalb schon ein Vorteil....

Gibt es weitere positive Nebeneffekte?

Ja, die gibt es, denn aus meiner Sicht sind wir innerhalb unserer Innung stärker zusammengewachsen, haben uns zu einer lebendigen Gruppe entwickelt, die sich rege austauscht, Themen erörtert, kreativ ist und positiv nach vorne sehen will. Aus Einzelkämpfern ist eine Gemeinschaft geworden.

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