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Lederwaren Voßmann in der Fußgängerzone Cloppenburg schließt

Derzeit läuft ein Räumungsverkauf. Inhaberehepaar Veronika und Werner Voßmann schließt sein Fachgeschäft allein aus gesundheitlichen Gründen. Wie die Räume weiter genutzt werden, ist nicht bekannt.

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Veronika und Werner Voßmann: Mehr als 30 Jahre haben sie in ihrem Fachgeschäft in der Cloppenburger Fußgängerzone gearbeitet. Nun werden sie es aus gesundheitlichen Gründen schließen.  Foto: Kühn

Veronika und Werner Voßmann: Mehr als 30 Jahre haben sie in ihrem Fachgeschäft in der Cloppenburger Fußgängerzone gearbeitet. Nun werden sie es aus gesundheitlichen Gründen schließen.  Foto: Kühn

Seit dem Jahr 1989 steht der Name Lederwaren Voßmann für hochwertige Produkte - vom Koffer über Taschen bis hin zum Portemonnaie. Nun veranstalten die Inhaber Werner und Veronika Voßmann einen Räumungsverkauf. Zum 31. Dezember hat das Inhaberpaar den Mietvertrag gekündigt, dann wird Lederwaren Voßmann in Cloppenburg Geschichte sein.

Der jetzige, 140 Quadratmeter große Laden in der Fußgängerzone wurde 1990 bezogen. Untergebracht im Haus Debring, einem der letzten historischen Gebäude an der Lange Straße, war das Lederwarenfachgeschäft immer ein Hingucker, die vor der Tür platzierten Warenstände luden die Passanten zum Stöbern ein. Wie die frei werdenden Räume künftig genutzt werden, ist der Familie Voßmann nicht bekannt. Auch weiterführende Recherchen der Redaktion führten zu keiner Erkenntnis.

"Wir schließen nicht wegen Corona oder weil der Laden sich wirtschaftlich nicht mehr trägt. Grund ist allein die Gesundheit."Werner Voßmann

Werner Voßmann gibt sein Geschäft allein aus gesundheitlichen Gründen auf: „Schweren Herzens, denn wir hätten gerne noch weitergemacht“, erklärt der 59-Jährige. „Wir schließen nicht wegen Corona oder weil der Laden sich wirtschaftlich nicht mehr trägt. Grund ist allein die Gesundheit, denn nach einem Herzinfarkt vor einem Jahr fallen mir die 60-Stunden-Wochen, die das Ladengeschäft fordert, immer schwerer.“ Dass ihn die endgültige Schließung traurig stimmt, ist Voßmann anzumerken: „Uns wird ganz viel in unserem Leben fehlen. Ich liebe meine Arbeit. Ich habe immer gesagt, dass andere zur Arbeit gehen müssen, ich aber zur Arbeit gehen darf. Ich war nie widerwillig im Laden.“

Voßmann betont, dass sich die Arbeit im Fachgeschäft „immer gelohnt hat“. Der Markt für seine Warensortimente sei in Cloppenburg vorhanden. „Gerade weil“, so ergänzt Veronika Voßmann, „die Kunden auch aus dem Umland und selbst von weiter her zu uns kommen.“

Im Laufe der Zeit hat sich das Fachgeschäft eine große Stammkundschaft aufgebaut

Im Laufe der Zeit habe man sich eine treue Stammkundschaft aufbauen können. „Jetzt, in der Zeit des Räumungsverkaufs, wo viele uns bekannte Kunden noch einmal vorbeischauen, merkt man erst, dass es wirklich sehr, sehr viele sind“, sagt Veronika Voßmann. Oft wuchs sich das Beratungsgespräch zum Produkt zu einem „Schnack“ aus. „Gerade mit unseren älteren Kunden haben wir uns immer gerne auch über Privates unterhalten, das kam im Gespräch ganz automatisch“, blickt die 58-Jährige etwas wehmütig auf über 3 Jahrzehnte Lederwaren Voßmann zurück.

Werner Voßmann hat für das florierende Geschäft keinen Nachfolger gefunden. „Die langen Öffnungszeiten schrecken junge Leute. Und der Einstieg Branchenfremder ist schwierig, da man für den Verkauf von Lederwaren Fachkenntnis mitbringen muss“, weiß der gelernte Raumausstatter. Ihm und seiner Frau ist bewusst, dass mit der Schließung des Ladens die Cloppenburger Innenstadt erneut ein Stückchen an Attraktivität verliert. „Aber wir müssen uns auch klar machen: Ein kleineres Fachgeschäft steht und fällt mit dem Inhaber. Und für uns ist jetzt Schluss.“

Markantes Ladengeschäft: Bei Lederwaren Voßmann läuft derzeit ein Räumungsverkauf. Foto: KühnMarkantes Ladengeschäft: Bei Lederwaren Voßmann läuft derzeit ein Räumungsverkauf. Foto: Kühn

War denn keine Weitergabe des Geschäfts möglich? Voßmann verneint: Die altgedienten Verkaufskräfte im Geschäft haben sich bereits oder werden sich beruflich neu orientieren, und Sohn Markus, der in Vechta seit dem vergangenen Jahr in der Großen Straße das Fachgeschäft Leder Koch führt, „wollte keinen zweiten Laden übernehmen. Gerade ich kann das verstehen, wenn er sagt, dass er lieber nur ein Geschäft - und das vernünftig - leiten möchte.“

Ist denn jetzt so richtig Schluss? Nein, sagen die beiden Inhaber, die für ihre Arbeit fast täglich aus ihrem Wohnort Garrel nach Cloppenburg einpendelten. Ganz mit der Arbeit aufzuhören, dafür seien sie dann doch noch zu jung. Zunächst einmal habe man mehr Zeit für den großen Garten, Renovierungsarbeiten im und am Haus. Auch der „Rehasport“ werde nicht zu kurz kommen, hat sich Werner Voßmann vorgenommen.

Eheleute Voßmann werden weiter in der Branche arbeiten - im Geschäft ihres Sohnes

Garten, Reparaturen und Sport, das kann doch nicht alles sein? Sohn Markus habe schon angeboten, dass sie beide als branchenerfahrene Verkäufer gerne bei ihm im Geschäft arbeiten könnten, erzählt Werner Voßmann. „Einfach rumsitzen, das geht nicht. Aber wenn arbeiten, dann maximal einen halben Tag“, schmunzelt er. Gattin Veronika pflichtet ihrem Mann bei, „so von heute auf morgen nichts mehr machen? Nein. Das kann auch ich nicht, ich muss was zu tun haben. Mir würden vor allem die Gespräche mit den Kunden sehr fehlen.“

Trotz aller Zukunftspläne: Noch stehen beide wie eh und je in ihrem Fachgeschäft und bestreiten den Räumungsverkauf. Die in diesem Rahmen gewährten Preisermäßigungen sehen sie dann auch als Dank an ihre langjährig treue Kundschaft.

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