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Landwirtschaft: Die Preise purzeln von Woche zu Woche

Am Markt für Schweinefleisch ist die Lage derzeit desaströs. Laut Marktexperte Dr. Albert Hortmann-Scholten müssen sich die Bauern auf schwierige Zeiten einrichten.

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Nachfrage sinkt: Schweinefleisch ist trotz sinkender Produktion ausreichend vorhanden. Foto: dpa/Thissen

Nachfrage sinkt: Schweinefleisch ist trotz sinkender Produktion ausreichend vorhanden. Foto: dpa/Thissen

Mit den Schweinepreisen geht es seit Wochen nur in eine Richtung: abwärts. Am Mittwoch gab die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) erneut einen vorläufigen Tiefstand bekannt. Der Kilopreis fiel auf 1,60 Euro. Gegenüber der Vorwoche sind das zehn Cent weniger. Das ist der niedrigste Stand seit April 2019.

„Die Lage am Fleischmarkt ist desaströs.“Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG)

Damals hatten die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China die Exporte erheblich angekurbelt und den Schweinefleischpreis zeitweise auf über zwei Euro klettern lassen. Doch durch die Coronakrise geriet das Geschäft ins Stocken.  Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Lage am Fleischmarkt sei desaströs, schreibt die VEZG. Das Angebot reiche aber für die reduzierte Nachfrage allemal aus, sodass Verluste bei allen Artikeln zu Buche schlugen. Doch selbst zu diesen Preisen falle der Absatz äußerst schwer.

Die Talfahrt ist offenbar noch nicht zu Ende. Teilweise würden jetzt weitere Preis-Zugeständnisse gemacht, um die Ware überhaupt verkaufen zu können, berichten die Marktexperten. Und weil der Export dümpelt, bleibt derzeit nur die Einlagerung in Kühlhäuser. „Auch diese füllen sich nach und nach, sodass für die kommende Woche weitere Schwächen prognostiziert werden müssen“, schreibt die VEZG. Sie hat außerdem die Preisempfehlung für Schlachtsauen ausgesetzt. Die Marktpreisspanne sei momentan so groß, dass kein mittlerer Sauenpreis festgestellt werden könne, heißt es zur Begründung.

Der Einbruch hat Folgen. Die deutsche Schweinefleischerzeugung wird nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen voraussichtlich auch im laufenden Jahr zurückgehen. Die ökonomischen Rahmenbedingungen verschlechterten sich aktuell zunehmend. Der heimische Fleischkonsum sei seit Jahren rückläufig und beträgt aktuell 59,5 Kilo pro Kopf und Jahr.  Zum Vergleich: In Portugal und Spanien verputzt jeder Einwohner statistisch  mehr als 80 Kilogramm Fleisch.

Schwächelnde Ausfuhr nach Asien hat nicht nur etwas mit Corona zu tun

Die schwächelnde Ausfuhr nach Asien hat offenbar aber nicht nur mit Corona zu tun. Im Gegensatz zu den Europäern können die amerikanischen Schweinefleischexporteure über eine Rekordnachfrage jubeln.  Das Geschäft boomt wie nie - trotz der Pandemie. Nach Angaben der amerikanischen Exportorganisation für Fleisch (USMEF) nahmen die Lieferungen in die Volksrepublik einschließlich Hongkong gegenüber den ersten beiden eher schwachen Monaten 2019 um 260 Prozent auf 195.850 Tonnen zu. Der Umsatz der US-Anbieter schnellte dabei um mehr als das Dreifache auf umgerechnet 452 Millionen Euro nach oben.

Erstmals ist China noch vor Mexiko wichtigster US-Schweinefleischkunde. Neben dem großen Bedarf sorgten zuletzt auch ein verbesserter Marktzugang und Zollsenkungen für das Absatzplus. Beide Länder hatten zuvor ein entsprechendes Handelsabkommen abgeschlossen. Das preiswerte US-Schweinefleisch wurde so gegenüber der EU-Ware wettbewerbsfähig gemacht.

Virus wütet in den US-Schlachthöfen

Ironie der Geschichte: Während der Export floriert, wird in den USA inzwischen das Fleisch knapp. Denn die Corona-Pandemie wütet auch in den Schlachthöfen. Die Schnellimbisskette Wendy’s habe in vielen Filialen schon die Hamburger von der Karte nehmen müssen, heißt es in Presseberichten. Der Engpass gefährde nicht nur die beliebte Grillsaison. Mitten in der Wirtschaftskrise drohen den Verbrauchern auch saftige Preiserhöhungen. Die Branche leide  unter dem Zusammentreffen zweier ganz spezieller Probleme: Während die private Nachfrage aufgrund der Schließung der Gaststätten um bis zu 50 Prozent gestiegen ist, sind die Schlachtzahlen von Rindern und Schweinen nach Erhebungen des US-Agrarministeriums in der letzten Aprilwoche um 35 Prozent eingebrochen.

Für die heimischen Erzeuger ist das immerhin ein Hoffnungsschimmer. Sollte die US-Konkurrenz mangels Mengen beim Export schwächeln, könnten die Nachfrage nach deutschem Schweinefleisch und damit die Erlöse wieder ansteigen.

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