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Landwirte profitieren von Steuersenkung

Mit Steuersenkungen will die Bundesregierung die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mildern. Der Löninger Steuerberater Johannes Fortmann erklärt, was sich für Landwirte ändert.

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Komplexes Thema: Beim Anfertigen der Steuererklärungen gibt es einige neue Regelungen zu beachten. Foto: dpa

Komplexes Thema: Beim Anfertigen der Steuererklärungen gibt es einige neue Regelungen zu beachten. Foto: dpa

Als der sozialdemokratische Ökonomieprofessor Karl Schiller Ende 1966 das Amt des Bundeswirtschaftsministers antrat, prägte er den Spruch: „Die Pferde müssen wieder saufen.“ Mit Pferden meinte Schiller die Unternehmer, die er seinerzeit zu höheren Investitionen bewegen wollte. Einen ähnlichen Versuch startet die Bundesregierung jetzt in der Corona-Krise. Das Gesetz wurde am Freitag vom Bundestag verabschiedet. Auch investierende Landwirte können davon profitieren. Und das ist vorgesehen:

Umsatzsteuer:

Für pauschalierende land- und forstwirtschaftliche Betriebe ändert sich der Steuersatz von 10,7 Prozent (%) nicht. Lediglich der Steuersatz für besondere Sägewerkserzeugnisse und Getränke wird -wie generell- auf 16 % abgesenkt. Somit hat das Gesetz eine Absenkung der Umsatzsteuer auf die laufenden Kosten und Investitionsmaßnahmen zur Folge. Die Einkäufe zum ermäßigten Steuersatz werden mit 5 % vom Lieferanten abgerechnet. Dies gilt z. B. für Futtermittel, Vieh oder Saatgut. Die Absenkung des sogenannten Regelsteuersatzes von 19 auf 16 % kommt insbesondere bei der Anschaffung von Maschinen, Geräten, Bauleistungen und Instandhaltungen zum Tragen. Beachtung ist auch den Miet- und Pachtverhältnissen zu schenken.

Entscheidend ist, wann die Lieferung oder sonstige Leistung bewirkt wurde. Werden Jungtiere   wie Ferkel, Kälber oder Küken vor dem 1. Juli geliefert, müssen sie mit sieben Prozent abgerechnet werden. Bei einer Lieferung nach dem 30. Juni 2020 verbilligt sich der Einkauf um zwei Prozentpunkte. Hier kann es unter Umständen zu einem Konflikt mit der Einkommensteuer kommen, da „volle Ställe“ den Gewinn drücken. Allerdings kommt hier die nach der EU-Zustimmung anzuwendende Gewinnglättung positiv zum Zuge. Bei der Lieferung von Landwirt zu Landwirt verbleibt es bei dem Steuersatz von 10,7 Prozent. Erste überschlägige Berechnungen zeigen, dass sich die Erzeugung von lebenden Tieren um ca. zwei Euro pro 100 Euro Umsatz vergünstigt bei konstanten Abgabepreisen des Handels.

Bei der Lieferung von Maschinen ist gleichfalls das Lieferdatum entscheidend. Die Verlängerung der Investitionsfrist im Hinblick auf den Investitionsabzugsbetrag wirkt zeitlich entlastend, da eine Anschaffung der Maschine erst im Wirtschaftsjahr 2020/21 nicht zum Verlust des Investitionsabzugsbetrages, der zum 30. Juni 2017 gebildet wurde, führt.

Bauwirtschaft:

Entscheidend ist die Abnahme des Bauwerkes. Liegt diese in der Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020, ist gegebenenfalls das gesamte Bauwerk umsatzsteuerlich mit 16 % abzurechnen. Bei Baumaßnahmen, die sich über das Jahresende hinaus erstrecken, kommt der Begriff Teilleistung ins Spiel. Sie liegt z. B. vor, wenn sich der Bauunternehmer verpflichtet hat, zu Einheitspreisen die Maurer- und Betonarbeiten sowie den Innen - und Außenputz an einem Bauwerk auszuführen.

Werden die Maurer- und Betonarbeiten gesondert abgenommen und abgerechnet, liegen Teilleistungen vor, die mit 16 % abgerechnet werden, sofern die Abnahme in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 erfolgt. Werden einheitliche Bauleistungen ausgeführt, unterliegt die gesamte Leistung dem Steuersatz von 16 %, d.h. auch für Arbeiten vor dem 30. Juni 2020.

Wird eine Miet-/Pachtzahlung monatlich oder vierteljährlich fällig, ist der geminderte Satz anzuwenden sofern dieser Zeitpunkt in das begünstigte Halbjahr fällt. Gleiches gilt für Leasingraten sowie für einen längeren Miet-/Pachtzahlungszeitraum. Sofern es sich um innerbetriebliche Pachtzahlungen handelt, ist darauf zu achten, dass die Verträge im Hinblick auf den Steuersatz geändert werden.

Einkommenssteuer:

Die Einführung der degressiven AfA (Absetzung für Abnutzungen) ist unabhängig von Betriebsgrößenmerkmalen und kann für die Anschaffung jeglicher beweglicher, neuer oder gebrauchter Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in Anspruch genommen werden. Als Beispiel soll ein Schlepper für netto 100.000 Euro (brutto 116.000 Euro) im Juli 2020 gekauft werden. Der Erwerb vor dem 1. Juli ist wegen der Verlängerung der IAB-Frist (Investitionsabzugsbetrag) nicht mehr erforderlich. Aus der Investition ergeben sich Betriebs-
ausgaben in Höhe von 83.000 Euro, d. h. gut 70 % bezogen auf die Bruttoinvestition (in Rechnung gestellte Vorsteuer 16.000 Euro, Investitionsabzugsbetrag 40.000 Euro, Sonder-Abschreibung 12.000 Euro, degressive Abschreibung 15.000 Euro).

Unbürokratisch verhält sich das Finanzamt bei Anträgen auf Herabsetzung der Vorauszahlungen im laufenden Jahr und bei zinslosen Stundungsanträgen. Diese werden auf begründeten Antrag sehr zügig bearbeitet und führen zu rasch wirksamen Liquiditätserleichterungen. Allerdings: aufgeschoben ist nicht aufgehoben!


Fakten:

  • Die Umsatzsteuersätze werden befristet vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 von 19 auf 16 und von 7 auf 5 Prozent gesenkt. Für pauschalierende Landwirte bleibt es bei 10,7 %.
  • Bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die in den Jahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt werden, können schneller abgeschrieben werden.
  • Die Reinvestitionsfristen und die Frist für die 2020 endenden Investitionsabzugsbeträge werden um ein Jahr verlängert.
  • Der Verlustrücktrag wird für die Jahre 2020 und 2021 erhöht. Unter Umständen kann bereits mit der Steuererklärung 2019 der Verlustrücktrag aus 2020 beansprucht werden.
  • Für jedes kindergeldberechtigte Kind wird ein Bonus von 300 Euro gewährt.

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