Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Landvolk überreicht Erntekrone an Landkreis

Erneut gab es ein sehr schwieriges Jahr für die Bauern vor Ort. Nun geht auch noch die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest um.

Artikel teilen:
Halten die Tradition aufrecht: (von links) Dr. Johannes Wilking, Bernard Macke (verdeckt), Felix Heil und Landrat Herbert Winkel mit der Erntekrone. Foto: Tzimurtas

Halten die Tradition aufrecht: (von links) Dr. Johannes Wilking, Bernard Macke (verdeckt), Felix Heil und Landrat Herbert Winkel mit der Erntekrone. Foto: Tzimurtas

Fleiß und Sorgfalt – sie stecken in einer Erntekrone. Ein etwa 60 Kilogramm schweres Prachtexemplar aus Ähren von Weizen, Roggen und Triticale hängt seit Donnerstag im Foyer des Vechtaer Kreishauses – anlässlich des Erntedankfestes am 4. Oktober. Damit setzen das Kreislandvolk Vechta (KLV) und die Kreisverwaltung ein 2015 eingeführtes Ritual fort, bei dem zugleich die Gelegenheit zum Austausch von Positionen genutzt wird. Auch ein Fazit zum Jahresverlauf gehört dazu, samt Erntebilanz.

Jedes Jahr übernimmt ein anderer Ortsverband des Landvolks das Binden der Erntekrone. Diesmal waren die Holdorfer an der Reihe, vertreten durch den ersten Vorsitzenden Felix Heil sowie den Vorstandsmitgliedern Bernard Macke und Hanna Moormann. Einen ganzen Abend hätten zehn Personen an der Erntekrone gearbeitet, die 1,20 Meter hoch und ebenso breit ist, sagte Heil. Und Macke berichtete, es seien 500 Quadratmeter Getreide für das Gebinde geerntet worden.

„Für uns als Ortsverband war es eine Ehre, die Erntekrone dieses Jahr binden zu dürfen.“Felix Heil, Vorsitzender des Holdorfer Landvolks

Heil sagte: „Für uns als Ortsverband war es eine Ehre, die Erntekrone dieses Jahr binden zu dürfen.“ Wichtig sei auch gewesen, im Gespräch mit dem Landrat zu sagen, „was uns in Holdorf gerade bewegt“. Und zwar: Wenn in extrem trockenen Jahren auch noch das Wasser durch die Entnahme durch das Wasserwerk im Boden fehle, dann sei das „extrem schwierig“.

Landrat Herbert Winkel sah „schon eine Tradition“ im Aufhängen der Erntekrone im Kreishaus, was die Verbundenheit zwischen der Landwirtschaft und dem Landkreis zeige. Winkel dankte den Landvolkvertretern – zu denen auch der Kreisvorsitzende Dr. Johannes Wilking, der erste stellvertretende Vorsitzende Thomas Nordhus und Beisitzer Markus Torbecke gehörten – für das Gebinde der Erntekrone.

Getreideertrag geht um 13,2 Prozent zurück

Wilking stellte die kreisweite Erntebilanz vor: Auch 2020 sei „leider wieder ein sehr schwieriges Jahr für die Landwirtschaft“ gewesen – zum dritten Mal in Folge. Wieder war es vielerorts zu trocken. Die Ergebnisse der einzelnen Getreidearten seien aber sehr unterschiedlich. Bei Weizen habe es oft eine bessere Ernte gegeben als 2019, bei Gerste und Roggen hingegen nicht.

Im Vergleich zum sechsjährigen Durchschnitt gab es beim Getreideertrag von 64,8 Dezitonnen einen Rückgang von 13,2 Prozent. Das höchste Minus lag bei der Wintergerste. Der Ertrag von 56,8 Dezitonnen pro Hektar bedeutet einen Rückgang um 20,6 Prozent. Niedersachsenweit habe der Landkreis Vechta das viertschlechteste Getreideergebnis, bezogen auf ein sechsjähriges Mittel vor den Dürrejahren 2018 und 2019.

Weihbischof bot Personal für Bauern an

Die Kartoffelernte hingegen verspreche gut zu werden, die Preise für Verarbeitungskartoffeln aber weniger. Bei der angelaufenen Maisernte sei ein besseres Gesamtergebnis als im vergangenen Jahr zu erwarten – allerdings nicht überall im Kreis. Trotz einer Verbesserung bleibe die Grünfuttererzeugung für Rinderbetriebe nach wie vor schwierig.

Beim Obst und Gemüse sei die Ernte mehr als ausreichend gewesen, die Preise für die Erzeuger gut – all das trotz der durch die Corona-Pandemie bedingten Schwierigkeiten, wie dem Fehlen von Arbeitskräften. Dies sei dank großer Solidarität aus der Bevölkerung bewältigt worden. Wilking erwähnte auch, dass der Vechtaer Offizial, Weihbischof Winfried Theising, den Einsatz von 100 der von der Kirche beschäftigten Personen angeboten habe, wovon um die 35 an Betriebe vermittelt worden seien.

"Die Verwerfungen auf dem Markt sind riesig."Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes

In großer Sorge zeigte sich Wilking angesichts des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Brandenburg, wo mittlerweile 40 infizierte Wildschweine gezählt wurden. Wilking forderte ein besseres Krisenmanagement in Brandenburg. Es dürfe kein Kompetenzgerangel mehr geben. Auch wirksame Schutzzäune seien notwendig, um die Ausbreitung der Seuche und das Übergreifen auf Hausschweinbestände zu verhindern.

Bereits jetzt seien „die Verwerfungen auf dem Markt riesig“, stellte Wilking heraus. Derzeit liege der Schlachtpreis pro Kilo Schwein bei 1,27 Euro. Zum Vergleich: Das Jahreshoch habe bei 2,02 Euro pro Kilo gelegen.

Auch Winkel fordert mehr Planbarkeit für Bauern

Landrat Winkel appellierte an die Landwirte und an die Jägerschaft, die Hygienemaßnahmen einzuhalten. Der Landkreis habe sich mit Tierseuchenübungen immer wieder auf den Fall der Fälle vorbereitet.

Wilking betonte, dass der durch die ASP bedingte Preisverfall die Lage für die Schweinehalter, insbesondere die Ferkelerzeuger, zusätzlich zu neuen Regelungen erschwere, die von der Politik beschlossen wurden. Wilking und Winkel forderten grundsätzlich mehr Planbarkeit für Landwirte von der Politik.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Landvolk überreicht Erntekrone an Landkreis - OM online