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Kundenfrust im Lockdown

Kolumne: Aus der Nachbarschaft – Der Handel leidet aktuell stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Doch der Einzelhandel gibt sich vor Ort relativ unkreativ.

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Seit Anfang der Woche ist es amtlich. Der Lockdown wird bis nach Ostern verlängert und wahrscheinlich sogar noch verschärft. Für alle Gastronomen, Betreiber von Fitnesscentern, Kinos und vor allem für den Einzelhandel entwickelt es sich zur Katastrophe.

Als ehemaliger Inhaber eines Mode- und Bettenhauses fühle ich mit den Unternehmern mit. Bereits im letzten Frühjahr bin ich durch die toten Einzelhandelsmeilen benachbarter Städte gelaufen und habe die Geschäfte mit vollen Warenbeständen gesehen, die ihre Ware nicht verkaufen konnten. Schon damals dachte ich mir dabei: „Gott sei Dank, dass ich keinen Laden mehr habe!“ Im Frühsommer konnte der Handel noch einen Teil seiner Ware verkaufen. Sobald die Läden öffneten, nutzte ich die Gelegenheit, mir neue Mode zu kaufen.

Seit dem Sommer habe ich keinen Shoppingbummel mehr gemacht. Denn pünktlich zum Beginn der Herbstsaison schlossen die Geschäfte wieder und haben seitdem nicht wieder geöffnet. Der Handel ist auf seiner Winterware sitzen geblieben und nun wird die Frühjahrskollektion ausgeliefert und wartet in den Läden auf den Abverkauf. Dem Einzelhandel droht die dritte Saison mit einer großen Pleite. Protestaktionen einzelner Händler nützen wenig.

Die Corona-Pandemie zwingt die Politiker dazu, den Besucherandrang in den Geschäften zu stoppen, damit die Kontakte unter den Menschen verringert werden. Doch nicht nur für die Einzelhändler entwickelt sich der Lockdown zum Problem, sondern auch für alle Kunden, die sehnsuchtsvoll an den geschlossenen Geschäften vorbeilaufen und darauf warten, dass sie endlich wieder öffnen.

"Mich wundert, dass die Geschäftsinhaber nicht ein wenig kreativer mit der Krise umgehen."Georg Rosenbaum

Meine Jeans sind mittlerweile wirklich abgetragen und so manches T-Shirt geht aus der Naht. Ich brauche dringend ein paar neue Sachen. Mich wundert, dass die Geschäftsinhaber nicht ein wenig kreativer mit der Krise umgehen. Nur ganz wenige Modehändler in der Kreisstadt lassen sich etwas einfallen.

Ein Händler bietet auf seiner Website an, sein Sortiment zu zeigen, den ganzen Tag über ist ein Außenschalter an seinem Laden geöffnet und signalisiert den Kundinnen und Kunden, dass er ihnen gerne etwas verkaufen möchte. Ich würde es genauso machen!

Damals, als ich noch einen Laden hatte, konnten sich die Kunden gerne eine Auswahl mitnehmen und zu Hause anprobieren. 2, 3 Jeans, 5 T-Shirts in frischen Farben in meiner Größe, ein Paar Socken und Ünnerbüxen meiner Lieblingsmarke und mir wäre wirklich weiter geholfen!


Zur Person:

  • Georg Rosenbaum ist Kaufmann und wohnt in Bakum.
  • Gebürtig stammt er aus Oldenburg.
  • Sie erreichen den Autor per Mail an: info@ov-online.de

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