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Kreiseigenes Glasfasernetz: Jetzt haben die ersten Haushalte schnelles Internet

Die Breitbandinitiative des Landkreises Vechta hat eine wichtige Hürde gemeistert. Bis Herbst 2023 sollen alle 9000 angemeldeten Haushalte angeschlossen werden.

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Es ist soweit: Die ersten Kundinnen und Kunden sind über das Glasfasernetz des Landkreises Vechta mit Turbogeschwindigkeit im Internet unterwegs.    Foto: dpa/Gollnow

Es ist soweit: Die ersten Kundinnen und Kunden sind über das Glasfasernetz des Landkreises Vechta mit Turbogeschwindigkeit im Internet unterwegs.    Foto: dpa/Gollnow

Gemeinde Holdorf, Randbereich der Ortschaft Fladderlohausen: Gemeinhin dreht sich die Welt hier etwas langsamer. Daran änderte sich auch durch den Startschuss des kreisweiten Breitbandnetzes im Herbst vergangenen Jahres an eben dieser Stelle relativ wenig. Denn: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, denen schnelles Internet versprochen wurde, waren real auch weiterhin nur mit Schneckengeschwindigkeit unterwegs. Das hat sich jetzt aber offenbar gewandelt. Und auch anderswo im Landkreis Vechta sollen bald Anschlüsse freigeschaltet werden.

Zurück nach Fladderlohausen und Umgebung: In der Gemeinde Holdorf seien mittlerweile 230 Gebäude – darunter zwei Schulen – an das neue Breitbandnetz angeschlossen worden, sagt Landrat Tobias Gerdesmeyer bei einem Vor-Ort-Termin gegenüber OM-Online. Nicht nur das: Die Daten fließen nach seinen Angaben auch – bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s). Das entspricht 1000 Megabit (Mbit/s). „Sie sind kreisweit die Ersten“, fügt er an. Dabei klingt neben Stolz über die Leistungen der meisten Baufirmen und des Eigenbetriebs „Breitbandinitiative Landkreis Vechta“ auch ein bisschen Erleichterung heraus.

Zwischenzeitlich war der Unmut groß

Denn: „Ja, es hat gestockt bis zur Freischaltung der ersten Hausanschlüsse“, nimmt Gerdesmeyer kein Blatt vor den Mund. Für die jüngsten Verzögerungen sei allerdings nicht der Landkreis verantwortlich, ergänzt der Geschäftsführer der Breitbandinitiative, Markus Fischer. Baulich sei gute Vorarbeit geleistet worden. Vielmehr hätten „interne Abläufe“ beim Netzbetreiber Vodafone dafür gesorgt, dass das Prozedere etwas länger dauerte als geplant.

Sie bringen das Internet in die Haushalte Fladderlohausens: Landrat Tobias Gerdesmeyer (links), Markus Fischer, Geschäftsführer der Breitbandinitiative, und ein sogenannter Kabelverzweiger.   Foto: BergSie bringen das Internet in die Haushalte Fladderlohausens: Landrat Tobias Gerdesmeyer (links), Markus Fischer, Geschäftsführer der Breitbandinitiative, und ein sogenannter Kabelverzweiger.   Foto: Berg

Rückblende: Ende Oktober vergangenen Jahres ging bei Fladderlohausen der erste sogenannte „PoP“ (Point of Presence, auch Hauptverteiler genannt) des kreiseigenen Netzes in Betrieb. Diese unscheinbaren Technikgebäude in Garagengröße gelten als Herzstück jeder Glasfaserverkabelung. Dort werden die Lichtwellensignale der Hauptleitung an kleinere Kabelverzweiger und letztlich zu den Hausanschlüssen weitergeleitet. Fladderlohausen sollte alsbald davon profitieren, doch zunächst tat sich wenig, das sorgte bei den Menschen vor Ort für Unmut.

„Nach langem Vorlauf geht es jetzt richtig voran.“Landrat Tobias Gerdesmeyer zum Baufortschritt des kreiseigenen Glasfasernetzes

Die Verzögerungen in der Gemeinde Holdorf reihten sich an den holprigen Start des Megaprojekts an, bei dem es infolge komplizierter Förderanträge, Schwierigkeiten bei der korrekten Ermittlung der weißen Flecken sowie des aufwendigen Vergaberechts öffentlicher Leistungen und später auch beim Tiefbau immer wieder zu Problemen und Zeitverzug kam.

Gleichwohl: 9000 Haushalte zwischen Visbek und Vörden schlossen Verträge für die erste oder zweite Ausbaustufe des kreiseigenen Glasfasernetzes ab. Die Gesamtinvestitionen dafür belaufen sich auf 112 Millionen Euro. 58 Millionen Euro davon tragen Bund und Land.

Mit dem ersten Datenfluss in Fladderlohausen wurde nun eine weitere große Hürde genommen. Die Ortschaft liegt im sogenannten Baulos 1, das in etwa die Gemeinde Holdorf umfasst. Hier sind nach Auskunft der Breitbandinitiative nur noch Restarbeiten zu erledigen, die bis Ende April dauern sollen. Geschuftet wird derweil auch andernorts. In 9 von insgesamt 10 Baulosen wurden die Bauaufträge vergeben, in den Baulosen 3 bis 6 laufen den Angaben zufolge die Tiefbauarbeiten, in den Baulosen 7 und 8 wurde „die Materialbestellung ausgelöst“, wie es im Fachjargon heißt.

3. Ausbaustufe umfasst 2500 weitere Haushalte

Die nächsten Bürgerinnen und Bürger, die das High-Speed-Datennetz nutzen können, leben nach Fischers Angaben in den Baulosen 3 (Teile von Neuenkirchen-Vörden, Steinfeld, Dinklage und Lohne) sowie 4 (Teile von Bakum, Vechta und Lohne). Im Baulos 3 sollen die ersten Bereiche demnach Mitte Mai fertiggestellt und an Vodafone übergeben werden. Dort müssten die Kundenanschlüsse dann noch aktiviert werden. Gleiches sei im Juli auch im Baulos 4 geplant. „Wenn nichts dazwischen kommt“, schränkt Fischer ein. Denn aktuell gebe es etwa Lieferprobleme bei einigen Kleinteilen, die in Russland und der Ukraine hergestellt werden.

Wie auch immer: „Nach langem Vorlauf geht es jetzt richtig voran“, resümiert Landrat Gerdesmeyer. Daher werde auch an dem ehrgeizigen Ziel der Fertigstellung des Gesamtnetzes im September 2023 festgehalten.

9.000 Haushalte sollen bis September 2023 an das Breitbandnetz des Landkreises Vechta angeschlossen werden. Foto: dpaAnspach9.000 Haushalte sollen bis September 2023 an das Breitbandnetz des Landkreises Vechta angeschlossen werden. Foto: dpa/Anspach

Wirklich Schluss ist dann allerdings nicht: Denn geplant ist noch eine dritte Ausbaustufe. Hintergrund: Bislang galten nur Gebiete als öffentlich förderwürdig, in denen kein privates Unternehmen eine Datengeschwindigkeit von mehr als 30 Mbit/s anbietet. 2021 trat jedoch eine neue Förderrichtlinie des Bundes in Kraft, die den öffentlichen Netzausbau auch in Regionen mit weniger als 100 Mbit/s unterstützt.

Nach der bisherigen Datenlage werden 2500 zusätzliche Adressen als förderfähig eingestuft. Allerdings sei diese Datenlage noch nicht verlässlich, erklärt Fischer. Gleichwohl sei zwischenzeitlich ein Förderantrag beim Bund eingereicht worden. Wenn alles optimal verlaufe, könnte im Frühjahr 2023 mit den Arbeiten begonnen und ein Jahr später die ersten Anschlüsse freigeschaltet werden.

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