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Kossen prangert in Lohner Predigt Ausbeutung an

Der katholische Geistliche setzt den Kampf für menschenwürdige Arbeits- und Lebensverhältnisse fort. Mit scharfen Worten - besonders zu Ostern. Denn das Fest bedeute "Freiheit".

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Einsatz für Menschenwürde: Peter Kossen. Foto: dpa/Gentsch

Einsatz für Menschenwürde: Peter Kossen. Foto: dpa/Gentsch

Es war im August 2012, als Peter Kossen mit seinen Predigten gegen Ausbeutung und den Missbrauch von Werkverträgen in der Fleischindustrie begann. Der Ort: Die Kirche St. Gertrud in Lohne. Seither ist Kossen, bis 2016 Stellvertreter des Vechtaer Offizials und nun Pfarrer im westfälischen Lengerich, das bundesweit bekannte Gesicht des Kampfes gegen jegliche „moderne Sklaverei“ geworden.

Am Mittwochabend hielt Kossen wieder eine Predigt in St. Gertrud, in der Reihe der Fastenpredigten. Sie sind in diesem Jahr dem Thema "Klagenswertes" gewidmet. Da fällt jedem sofort Corona ein – und es war die Pandemie, die 2020 erneut die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen von osteuropäischen Werkvertragsarbeitern in Fleischfabriken offenlegte. Die Politik reagierte endlich. Seit dem 1. Januar sind Werkverträge in der Branche verboten – und Leiharbeit weitgehend ab Donnerstag.

"Da musste erst Corona kommen (...). Rumänen und Bulgaren leben und arbeiten schon lange als modernde Sklaven mitten unter uns", sagte Kossen in der Predigt am Mittwoch. Und er prangerte an: In anderen Branchen werde "weiter ganz legal ausgebeutet" – bei Paketdiensten, den Lkw-Fahrern, auf dem Bau, in den Ausstall-Kolonnen, in der 24-Stunden-Pflege alter Menschen oder in der Gemüseernte. Irgendwann sei "auch der Stärkste (...) physisch und psychisch am Ende". Und: "Durch die Arbeitszeiten sind die Betroffenen über Jahre hin nicht in der Lage, Sprachkurse oder Integrationskurse wahrzunehmen." Es seien "Parallelwelten" entstanden.

"Arbeitsmigranten hausen – zum Teil mit Kindern – in verschimmelten und überbelegten Bruchbuden oder auf Campingplätzen wie in Kokemühle bei Visbek."Peter Kossen

Ein Übriges tue "die auf Abschottung angelegte Unterbringung", sagte Kossen. Er richtete den Blick auch auf die hiesige Region: "Arbeitsmigranten hausen – zum Teil mit Kindern – in verschimmelten und überbelegten Bruchbuden oder auf Campingplätzen wie in Kokemühle bei Visbek."

Und auch die Fleischindustrie ist weiter im Fokus. Kossen sagte, dass mit dem Arbeitsschutzkontrollgesetz zwar eine reguläre Beschäftigung vorgeschrieben sei und es ein faires Vorgehen sei, wenn Arbeitnehmer durch einen Betriebsübergang ihre erworbenen Rechte bewahren. In der Geflügelfleischindustrie habe man jedoch weitgehend die Arbeiter und Arbeiterinnen gezwungen, "bei ihren bisherigen Sklaventreibern zu kündigen und sich ganz neu zu bewerben beim Konzern – mit Probezeit und allen Unsicherheiten".

Kossen sagte in Anlehnung an das zweite Buch der Bibel (Exodus), das vom Auszug des Volks Israel aus Ägypten erzählt: "Gott steht auf der Seite der Sklavinnen und Sklaven, damals und heute. Dann wollen auch wir genau dort stehen!" Und: "Ostern bedeutet Freiheit."

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