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Konzerne bieten Tarifverträge an

SPD-Politiker Rainer Spiering hatte Unternehmensvertreter nach Berlin eingeladen. Die Chance, die Mängel in der Schlachtbranche zu beseitigen, sei nie so groß gewesen, sagt er.

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Knochenjob: Mitarbeiter in der Schlacht- und Zerlegeindustrie arbeiten unter extremen Bedingungen. Foto: dpa

Knochenjob: Mitarbeiter in der Schlacht- und Zerlegeindustrie arbeiten unter extremen Bedingungen. Foto: dpa

Die Schlachtkonzerne Danish Crown (Essen) und Tönnies (Rheda-Wiedenbrück) wollen ihre derzeit noch bei Subunternehmen beschäftigten Schlachter und Zerleger mit Tarifverträgen ausstatten. Das teilte der agrar- und ernährungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Spiering, mit. Er hatte Manager beider Unternehmen zu einem Gespräch in sein Berliner Abgeordnetenbüro eingeladen.

In der vergangenen Woche hatte Spiering vergeblich versucht, mit der Geschäftsleitung des Essener Danish-Crown-Betriebs über die Arbeitsverhältnisse in der Schlachtindustrie zu sprechen. Nach einem Telefonat mit dem Konzernsprecher vor dem Werkstor verließ er Essen unverrichteter Dinge, lud aber Geschäftsführer Andreas Rode zu einem Treffen in die Hauptstadt ein. Dieses habe auch unter dem Eindruck der jüngsten Coronafälle bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gestanden, berichtet Spiering.

"Die Verträge müssen allgemeinverbindlich sein."Rainer Spiering, SPD-Bundestagsabgeordneter

Die Unternehmensvertreter hätten zunächst das Angebot gemacht, die Quoten für Werkvertragler zu reduzieren. „Darüber hätte ich mich vor drei Wochen vielleicht gefreut“, sagt Spiering. Er habe aber klargemacht, dass die Abschaffung der umstrittenen Arbeitsverhältnisse in der Schlacht- und Zerlegeindustrie für die SPD-Bundestagsfraktion nicht verhandelbar sei. „Der Zug ist abgefahren.“

Spiering ermunterte die Unternehmen „nachdrücklich“ dazu, den Beschäftigten Tarifverträge anzubieten. Diese müssten aber zuvor mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ausgehandelt werden. „Sie müssen allgemeinverbindlich sein, ansonsten wären sie sittenwidrig.“

Untergrenze müsse bei 13,50 Euro pro Stunde liegen

Ein erster Anlauf im vergangenen Jahr war aus diesem Grund gescheitert. Der Tariflohn müsse mindestens bei 13,50 Euro pro Stunde liegen. „Für mich ist das die Untergrenze“, betont der Sozialdemokrat. Einen Erfolg schreibt sich Rainer Spiering bereits gut: Nach der Berichterstattung über seinen gescheiterten Gesprächsversuch in Essen habe der Dissener Sauenzerleger Westcrown, ein Joint Venture zwischen Westfleisch (Münster) und Danish Crown, die Übernahme von 230 Werkvertragsarbeitern angekündigt.

Spiering hatte gesagt, dass es in dieser Frage vor allem bei den Dänen hake. Nun freue sich der Politiker über die Entwicklungen, zeigt sich aber zugleich auch verwundert. „Was in den vergangenen 14 Tagen in Bewegung geraten ist, ist einfach irre.“ Die Coronakrise habe die Probleme der Branche brutal offengelegt, sagt Spiering. Dass Konzernchef Clemens Tönnies, ebenso wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärten, Rumänen und Bulgaren hätten das Virus in den Schlachtbetrieb gebracht, bezeichnete er als „blanken Zynismus“.

Spiering sieht dagegen in den Arbeits- und Wohnverhältnissen die Ursachen für den Ausbruch. Dass die Missstände abgestellt werden, sei für die betroffenen Regionen existenziell wichtig. Bei der Unterbringung müsse künftig das Prinzip „Ein Mann, ein Raum“ gelten. „Jeder hat ein Recht auf Intimsphäre“, betont der ehemalige Berufsschullehrer. Der massive Coronaausbruch bei Tönnies hat auch den Landkreis Osnabrück alarmiert. Da sich in Badbergen ein Schwesterunternehmen befindet, hat der Gesundheitsdienst mit der Geschäftsführung Schutzvorkehrungen vereinbart. Das teilt ein Kreissprecher auf Anfrage mit.

Kreis will Wohnverhältnisse der Arbeiter überprüfen

So wird das Unternehmen wöchentlich die Mitarbeiter des Betriebes auf das Virus testen. Zusätzlich hat die Behörde verfügt, dass Mitarbeiter aus Rheda-Wiedenbrück, die im Landkreis Osnabrück wohnen, für 14 Tage in Quarantäne gehen.  Der Landkreis hatte bereits  verfügt, dass es keinen Personalaustausch zwischen den beiden Unternehmen geben dürfe. Das Verbot gilt zunächst bis einschließlich 29. Juni. Personal, das nach den geplanten Vergrößerungen in Badbergen aus Rheda-Wiedenbrück eingesetzt werden soll, muss zunächst eine einwöchige Quarantäne durchlaufen. Der Landkreis werde außerdem die Wohnverhältnisse der Werkvertragsarbeiter erneut überprüfen, heißt es.

Weil der Betrieb in Rheda-Wiedenbrück derzeit eingestellt ist, plant Tönnies jetzt die Erhöhung der Schlachtkapazitäten in Sögel. Bei der Tönnies-Tochter Weidemark solle zudem auch am Sonntag zerlegt werden, berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung.

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