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Konjunkturklimaindex im Oldenburger Land: Zahlen sind so gut wie seit Herbst 2018 nicht mehr

Die neue Quartalsumfrage der IHK Oldenburg zeigt, dass sich die wirtschaftliche Lage in der Region zunehmend entspannt. Trotz der Coronaeinbußen sehen viele Unternehmen ihre Zukunft wieder positiver.

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Stütze der Konjunktur auch im Oldenburger Land: Das Baugewerbe hat reichlich zu tun. Foto: Kühn

Stütze der Konjunktur auch im Oldenburger Land: Das Baugewerbe hat reichlich zu tun. Foto: Kühn

Die aktuelle Umfrage der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) zeigt: Die wirtschaftliche Erholung im Oldenburger Land hat im 2. Quartal deutlich an Fahrt gewonnen. Nach den jetzt vorliegenden Zahlen haben sich Auftrags- und Umsatzlage gegenüber dem Vorquartal verbessert. Erstmals seit dem Herbst 2018, so die IHK in einer Mitteilung, sind die Erwartungen von 286 befragten Unternehmen an die zukünftige Entwicklung wieder positiv. Das regionale Stimmungsbarometer, der IHK-Konjunkturklimaindex, steigt um annähernd 20 Zähler auf 116,8 Punkte (Vorquartal 97,7 Punkte) – das ist der beste Wert seit rund 2,5 Jahren. Damit toppt die Region auch den niedersächsischen Konjunkturindex, der von 96 auf 114 Punkte stieg und wieder über dem langjährigen Durchschnitt von 105 Punkten liegt.

"Besonders die von der Pandemie hart betroffenen Branchen profitieren nun davon, dass die Einschränkungen des sozialen Lebens weitgehend aufgehoben wurden", erklärt Dr. Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK, die positiven Meldungen. Das gelte insbesondere für den stationären Einzelhandel, das Gastgewerbe sowie die Dienstleister. Diese Branchen berichten über deutlich anziehende Geschäfte im 2. Quartal dieses Jahres. "Viele Menschen holen nun nach, was sie während des langen Lockdowns vermisst haben", so Hildebrandt. Auch der Export hat an Schwung gewonnen.

Grafik: IHKGrafik: IHK

Im Baugewerbe und im Großhandel sei die aktuelle Situation deutlich besser als im Vorquartal. Verbesserungen meldet laut IHK auch das Transport- und Logistikgewerbe. "Abgerundet wird das gute Stimmungsbild dadurch, dass die Unternehmen erstmals seit dem Herbst 2018 wieder optimistisch in die Zukunft blicken und für die kommenden Monate mit einer leichten Belebung rechnen", sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Unternehmen bewerten aktuelle Geschäftslage viel optimistischer als im vergangenen Quartal

Die Unternehmen im Oldenburger Land bewerten ihre aktuelle Geschäftslage weitaus positiver als noch im zurückliegenden 1. Quartal des Jahres. Rund 43 Prozent (Vorquartal: 32 Prozent) bezeichnen die aktuelle Lage als gut, etwa 45 Prozent (47 Prozent) als befriedigend sowie etwa 12 Prozent (22 Prozent) als schlecht. Zum Vergleich: In Niedersachsen bewerten 35 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, als schlecht bezeichnen diese etwa 15 Prozent.

Die Corona-Einbrüche sind noch nicht in allen Branchen aufgefangen. So bleibt der stationäre Einzelhandel wegen der pandemischen Lage weiter skeptisch und fürchtet erneute Einschränkungen für die eigenen Geschäfte. Der Großhandel, das Baugewerbe und Teile der Industrie sehen sich mit steigenden Material- und Rohstoffkosten konfrontiert und bewerten dies als Risiko für die weitere Konjunkturerholung. Gastgewerbe, Transport- und Logistikgewerbe sowie die Dienstleister sind recht zuversichtlich.

Die Ertragslage der Unternehmen bleibt noch kritisch, sagt Dr. Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK Oldenburg. Foto: FolkertsDie Ertragslage der Unternehmen bleibt noch kritisch, sagt Dr. Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK Oldenburg. Foto: Folkerts

Trotz steigender Umsätze sei die Ertragslage "in vielen Unternehmen aber noch kritisch", sagt Hildebrandt. Die Investitionsbereitschaft und auch die Beschäftigungsplanung blieben daher noch zurückhaltend. "Dennoch stimmt die Richtung, und im Jahresverlauf dürfte das Wachstum weiter zunehmen, wenn keine 4. Pandemiewelle kommen sollte".

Nachfolgend die Ergebnisse der aktuellen IHK-Umfrage:

  • Die Auftragseingänge in der Industrie haben dank einer stark gestiegenen Auslandsnachfrage einen großen Sprung nach oben gemacht. Die Exportwirtschaft rechnet auch für die nächsten Monate mit einer starken Nachfrage. Dennoch bleibt trotz steigender Umsätze die Ertragslage in vielen Sparten wegen stark gestiegener Rohstoffpreise unbefriedigend.
  • Der Bauboom in der Region hält weiter an, die Auftragsreichweiten im Baugewerbe steigen weiter. Über drei Viertel der Betriebe geben eine Reichweite von 4 oder mehr Monaten an, knapp 9 Prozent von einem Monat. Allerdings belasten steigende Preise für Baumaterialien bei über 40 Prozent der Befragten die Erträge.
  • Die Stimmung im Einzelhandel hat sich deutlich gebessert. Bewerteten im letzten Quartal noch mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer ihre gegenwärtige Geschäftslage als schlecht, sind es diesmal lediglich 13,4 Prozent. Dennoch gibt es Befürchtungen, dass sich die Inlandsnachfrage wieder abschwächen könnte, wenn die Konsumenten ihren Nachholbedarf, der durch die monatelangen Ladenschließungen entstanden ist, gedeckt haben.
  • Auch der Großhandel spürt den konjunkturellen Aufwind. Ein Drittel der Unternehmen freut sich über gute Geschäfte, nur 12 Prozent der Befragten melden eine schlechte Geschäftslage. Der Binnengroßhandel bleibt hierbei stärker als der Im- und Exportgroßhandel. Sorgen bereitet den Großhändlern die anhaltende Materialknappheit mit den damit verbundenen Preissteigerungen. Der Großhandel ist zwar etwas optimistischer, die Erwartungen bleiben aber insgesamt eher verhalten.
  • Die Stimmung im Transport- und Logistikgewerbe hat sich laut Umfrage verbessert. Sowohl das Beförderungsvolumen als auch der Umsatz entwickelten sich besser als im Vorquartal. Dennoch sieht sich die Branche weiterhin mit einem hohen bürokratischen Aufwand und dem Risiko weiter steigender Kosten, insbesondere durch höhere Maut- und Kraftstoffpreise, konfrontiert.
  • Jeder 2. Dienstleister im Oldenburger Land berichtet von guten Geschäften, weniger als 10 Prozent der Befragten melden schlechte Zahlen. Besonders gut laufen die Geschäfte beim Grundstücks- und Wohnungswesen, der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sowie der Public-Relations- und Unternehmensberatung. Chancen für die Zukunft sehen die Unternehmen im Ausbau ihrer Digitalisierungsmaßnahmen.

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