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Kleine Kräuter aus Emstek sind große Geschmacksbomben

3 junge Männer haben ein Unternehmen gegründet, um mit "Microgreens" aus der Region die Küchen zu erobern. Einige Gastronomen haben sie schon überzeugt.

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Grüne Aussicht: Dimitri Reimann hat zusammen mit  Konstantin Fogel und Eduard Krop das Start-up "Richtig Frisches Kraut" gegründet. Foto: Thomas Vorwerk

Grüne Aussicht: Dimitri Reimann hat zusammen mit  Konstantin Fogel und Eduard Krop das Start-up "Richtig Frisches Kraut" gegründet. Foto: Thomas Vorwerk

Wenige Zentimeter hochgewachsen, leuchtend grün und voller Geschmack: So präsentiert sich die Ernte von "Richtig Frisches Kraut", wenn Dimitri Reimann, Konstantin Fogel und Eduard Krop das Messer ansetzen. Aus den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen haben sie ihre Marke abgeleitet und damit das Konzept auf den Punkt gebracht. Die Radieschen, die am Freitag geerntet werden, finden sich am nächsten Tag auf ausgewählten Wochenmärkten in Vechta und Oldenburg wieder.

Dabei setzen die jungen Herren auf "Microgreens". "Micro" beschreibt  die Größe der Pflänzchen zur Erntezeit; mit "Greens" wird die Gesamtheit an Gemüsepflanzen, Kultur- und Wildkräutern genannt, die für diese spezielle Anbautechnik verwendet werden können. Ins Deutsche übersetzt geht es also um Gemüse- und Kräuterkeimlinge, die als Baby-Pflänzchen geerntet und frisch verzehrt werden können.

Haltbar sind die Kräuter mindestens eine Woche. So lange dauert es beim Senf auch, bis er erntereif ist. Die anderen Pflanzen benötigen 12 bis 14 Tage. Dann wird es auch höchste Zeit, denn wenn man zu lange wartet, verändert sich der Geschmack wieder deutlich.

Radieschen. Kennt man. Eine leuchtend rote Knolle. Schmeckt im Salat oder auch auf dem Brot. In dem ehemaligen Lager einer Kfz-Werkstatt, die das Trio in Emstek angemietet hat, ist die Pflanze aber bereits nach wenigen Tagen erntereif und die eigentliche Frucht ist noch nicht ansatzweise zu sehen. Der Geschmack ist allerdings im Grün bereits voll ausgeprägt und entwickelt nach Sekunden die bekannte Schärfe im Mund.

Als Rucksacktouristen bewusste Ernährung kennengelernt

"Wir sind Ende 2019 damit als Nebenprojekt gestartet und arbeiten auch heute noch alle in unseren ursprünglichen Berufen", sagt Dimitri Reimann. Mit Lebensmitteln hatten er und die beiden Mitstreiter bislang wenig zu tun. Sie sind in der Kunststoffbranche beziehungsweise im Einkauf für den Fahrzeugbau tätig. Dennoch haben die drei einiges gemeinsam. Sie haben in etwa das gleiche Alter und kennen sich aus Sandkastenzeiten. Sie waren – unabhängig voneinander – als Rucksacktouristen im Ausland unterwegs und haben auf dieser Reise eine bewusste Ernährung kennengelernt oder aber wie Reimann in Australien auf einer Farm gearbeitet.  

Sonneblumen, Erbsen und Radieschen (von links) können roh verzehrt werden. Foto: Thomas VorwerkSonneblumen, Erbsen und Radieschen (von links) können roh verzehrt werden. Foto: Thomas Vorwerk

Daraus ist – auf Umwegen – die Idee für ein eigenes Start-up entstanden. "Regionale Lebensmittel liegen im Trend und auch Nachhaltigkeit ist ein Thema", sagt Reimann. Im näheren Umfeld hat man mit Gastronomen zusammengearbeitet und sich einen kleinen Kundenstamm aufgebaut. Corona allerdings hat auch die Arbeit der Köche betroffen und damit Auswirkungen auf das Geschäft der Emsteker.  

Das Jungunternehmen ist hochflexibel und kann sich relativ schnell auf eine veränderte Nachfrage einstellen. Hatten sie zunächst nur den Vorraum des Mietobjektes genutzt, um dort Erfahrungen zu sammeln, welches Saatgut auf welchem Medium bei welcher Temperatur am besten gedeiht, sind sie – nach einem enormen Putzeinsatz – in die größere Garage umgezogen. "Das passt. Apple ist schließlich auch in einer Garage angefangen", scherzt Reimann.

Supermärkte sind bereits aufmerksam geworden

Wie weit dieser Vergleich zulässig ist, muss die Zeit zeigen. Auf jeden Fall hat "Richtig Frisches Kraut" schon Aufmerksamkeit erregt. Es gibt bereits Supermärkte, die Radieschen, Erbsen und Sonnenblumen als sogenannte "Microgreens" in ihr Sortiment aufnehmen wollen. "Dann müsste aber vermutlich wenigstens einer von uns in Vollzeit arbeiten."

Die Herren verwenden Bio-Ware, auch wenn sie selber nicht zertifiziert sind und entsprechend kein Siegel führen dürfen. Die Abläufe genügen aber schon jetzt höheren Standards, versichern die Jungunternehmer. Handschuhe und Mundschutz sind selbstverständlich. Die Tische sind aus hygienischem Edelstahl. Verpackt wird in Pappschalen, allerdings mit einem Plastikdeckel. "Da haben wir noch keine bessere Lösung gefunden, denn der Kunde will die Ware sehen." 

Vielseitig in der Küche einsetzbar

An der Vielseitigkeit ihrer Produkte lassen die Männer keinen Zweifel. Von ihren Kunden wissen sie, dass die kleinen Pflanzen im Sushi zum Einsatz kommen, aber auch als Pesto. "Ein Koch hat mit Microgreens gefüllte Champignons auf der Speisekarte." Auch Mais wird angebaut und als kleine Pflanze geerntet. "Der schmeckt sehr süß und ich könnte ihn mir gut zum Dessert vorstellen."

Die Gastronomie soll weiterhin ein Standbein sein. Um auch die Hobby-Köche mit Rucola, Senf und Brokkoli zu erreichen, wollen die Jungunternehmer ihre Präsenz auf Wochenmärkten verstärken und auch Hofläden als Abnehmer gewinnen. Die Produktion lässt sich am aktuellen Standort relativ schnell skalieren  und auch wenn die Pflanzen stets klein bleiben, Dimitri Reimann, Konstantin Fogel und Eduard Krop haben nichts dagegen, wenn das Unternehmen richtig groß wird. 

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