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Kein Jubel zum Jubiläum

Thema: Fleisch-Gigant Tönnies wird 50 - Das Schlachthof-Unternehmen macht viel Menschen satt. Doch zu welchem Preis? Sicher ist: Der spottbillige Preis geht auf Kosten vieler anderer.

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Wo Tönnies drin ist, steht selten Tönnies drauf. Doch wer Fleisch an deutschen Tiefkühltheken, womöglich sogar im Discounter kauft, kommt kaum um die Waren aus Rheda-Wiedenbrück herum.

Tiere töten, um sie zu verspeisen: Das ist ethisch weiterhin vertretbar. Doch die anstrengende, schmutzige und vermutlich emotional belastende Arbeit des Schlachtens wollen die meisten von uns nicht tun.

Ist es also gut, dass es Schlachthof-Giganten wie Tönnies gibt, die uns das blutige Geschäft vom Halse halten? Dafür spricht, wenn überhaupt, nur ein Grund: Der spottbillige Preis für Fleisch und Wurst.

Doch der Kampfpreis wird zu Lasten anderer erzielt: Da sind zunächst die Tiere, die häufig über weite Strecken gekarrt werden müssen, bevor sie geschlachtet werden. Dann gibt es die (Werkvertrags-)Arbeiter in Schlachtung und Zerlegung, die jahrelang mies behandelt wurden. Clemens Tönnies ist einer der ganz Großen in diesem System, das auch bekannte Ableger in Südoldenburg hat.

Doch auch für die Gesellschaft hat die Existenz von Großschlachtereien Konsequenzen: Die Herstellung von Nahrungsmitteln wird entrückt, Schlachtung und Veredelung verschwinden aus dem Alltag, der Bezug dazu geht verloren.

Und: In Rheda-Wiedenbrück lässt sich sehen, wie das enorme Wachstum von Tönnies der Stadt zwar viel Gewerbesteuer bringt. Zugleich aber sinkt durch die Anmietung von immer mehr Immobilien für die Werkvertragsarbeiter die Attraktivität weiter Teile der Stadt. Die Kosten, die der Kunde an der Kühltheke spart, entstehen einfach nur woanders.

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