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KAB fordert: Weg vom skandalösen System in der Fleischbranche

Die Katholische Arbeitnehmerbewegung kritisiert die Zustände in den Schlachthöfen scharf. Politik, Unternehmen und Gesellschaft dürften nicht länger wegsehen.

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Symbolfoto: dpa

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Schlachthöfe als Corona-Hotspots: Auch um diese Entwicklung zu stoppen fordert der Landesverband Oldenburg der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) ein schnelles Verbot von Werkverträgen. Es sei Zeit für ein konsequentes Handeln. Die Politik müsse nun zügig umsetzen, was sie angekündigt habe. Politik, Unternehmen und Gesellschaft dürften die Probleme in den Schlachthöfen nicht länger ignorieren, schreibt die KAB. 

Das Bundeskabinett habe das Verbot von Werkverträgen in der Fleischbranche beschlossen, die Konzerne kündigten mittlerweile die Übernahme der Beschäftigten an. "Politik und Unternehmen haben den 1. Januar nächsten Jahres als Datum angekündigt", wird der Lohner Karl-Heinz Böckmann, Vorsitzender des KAB-Landesverbands Oldenburg, in der Mitteilung zitiert. "Wir werden das genau beobachten und dies - wenn nötig - weiterhin öffentlich einfordern. Werkverträge im Kerngeschäft von Unternehmen gehören so schnell es geht abgeschafft."

Undurchschaubares System

Es sei traurig, dass erst durch die aktuellen Corona-Fallzahlen  Bewegung in die Sache komme, erklärt Peter Bührmann, der Stellvertreter Böckmanns. Dabei sei das Problem nicht neu. Weil es mehr Profit verspreche, setze die Branche seit Jahren auf den massenhaften Einsatz von Werkvertragsarbeitern - ein undurchschaubares System von Arbeitsvermittlern, Arbeitsverleihern und Sub-Sub-Sub-Unternehmen.

Die KAB kritisiere diese Zustände seit Jahren. Sie habe mit anderen Verbänden, Gewerkschaften und Organisationen bereits im Jahr 2012 ein regionales Bündnis mit dem Titel "Netzwerk für Menschenwürde in der Arbeitswelt" (MidA) gegründet, welches sich immer wieder öffentlich gegen die Missstände in der Fleischindustrie einsetze. 

"Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen sind den Unternehmen offenbar herzlich egal" Peter Bührmann, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Oldenburg der KAB.

Die KAB fordert in einem Positionspapier ein "Zurück zur Stammbelegschaft". In diesem habe man schon seit 2015 viele der aktuell diskutierten Forderungen erhoben. Das Kerngeschäft der gesamten Branche - das Schlachten, Zerlegen und Verpacken - werde überwiegend in Werkvertragsunternehmen ausgegliedert, die in großer Zahl Arbeitskräfte aus osteuropäischen Ländern rekrutierten. Diese würden bewusst in Abhängigkeit zu den Unternehmen gehalten, die oft auch noch als Vermieter von Unterkünften auftreten und den Transport zum Einsatzort organisierten - alles gegen Bezahlung durch die Werkvertragsarbeiter.  

"Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen sind den Unternehmen offenbar herzlich egal", wird Bührmann in der KAB-Mail zitiert. "Die Angst entlassen und in die Heimat geschickt zu werden ist offensichtlich zu groß, als dass jemand zu sehr auf seine Rechte pocht." Ein Skandal – findet die KAB.

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