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Junglandwirte starten Bioprojekt in Löningen

Auf dem Hof am Kolk können nicht nur Feriengäste Urlaub machen. Ein junges Quartett betreibt dort jetzt Gemüsebau und Viehzucht. Dabei ist alles nach streng ökologischen Kriterien ausgerichtet.

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Gemüse, Eier und Fleisch: Paul Mülich (von links), Sina Endres, Lisa Born und Moritz Füchtenbusch packen Abokisten mit ihren Produkten. Foto: Meyer

Gemüse, Eier und Fleisch: Paul Mülich (von links), Sina Endres, Lisa Born und Moritz Füchtenbusch packen Abokisten mit ihren Produkten. Foto: Meyer

Sie sind Städter, die das Landleben lieben: Vier junge Bauern haben im vergangenen Jahr den Biohof am Kolk gegründet. In Löningen-Angelbeck wollen sie vorleben, wie die Landwirtschaft der Zukunft aussehen könnte. Aus ihrer Sicht wird es eine ökologische sein.

Das Quartett hat sich während des Studiums in Kassel-Witzenhausen kennengelernt. Die dortige Fakultät für ökologische Agrarwissenschaften gilt als Brutstätte für innovative Konzepte. Abgesehen von Lisa Born, die zuvor eine landwirtschaftliche Lehre gemacht hatte, kannten alle das Leben auf einem Bauernhof nur aus Büchern. Nach dem Abschluss sammelten sie deshalb erst einmal praktische Erfahrungen auf Biobetrieben. Dann suchten sie gemeinsam nach einem geeigneten Platz, um ihr eigenes Projekt zu starten. 

Der Hof am Kolk ist vor allem als Ferienhof bekannt. Besitzer Wilhelm Meyer hatte ihn vergangenes Jahr in eine Stiftung überführt. Vor einigen Wochen starb der Angelbecker völlig überraschend. „Das hat uns sehr getroffen“, sagt Sina Endres. „Von seiner Unterstützung haben wir in vielfacher Weise profitiert.“ So habe Meyer auch beim Aufbau des großen Gewächshauses geholfen. Es ist eines von drei Standbeinen des Biohofes, der als Gemeinschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt wird.

Gemüse wird saisonal angeboten

Experte für den Gemüseanbau ist Moritz Füchtenbusch. Er stammt wie Sina Endres aus Hannover. Rund 40 verschiedene Kulturen, vom Asia Salat bis zur Zucchini, zieht er jetzt im Laufe des Jahres groß. Weil er dabei auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichtet, muss der bärtige Mittdreißiger regelmäßig zum Hacker greifen. "Ökologische Landwirtschaft ist besonders arbeitsaufwändig", bestätigt er lächelnd. Mit der Qualität seiner Produkte ist er aber sehr zufrieden. Das Angebot ist saisonal bedingt unterschiedlich. Kommen im Frühjahr Radieschen und Spinat in den Verkauf, können sich die Kunden im Winter auf frischen Grünkohl freuen. Erhältlich ist das Gemüse ab Mai über Abokisten. Sie können direkt vom Hof geholt werden. "Wir möchten im Umkreis aber auch Abholstationen einrichten. Dabei sind wir auf die Unterstützung von Privat- oder Geschäftsleuten angewiesen, die uns eine kühle Ecke zur Verfügung stellen", erklärt Sina Endres.

Saisonales Angebot: Moritz Füchtenbusch zieht 40 verschiedene Gemüse- und Salatsorten auf. Das Unkraut jätet er per Hand. Foto: Meyer Saisonales Angebot: Moritz Füchtenbusch zieht 40 verschiedene Gemüse- und Salatsorten auf. Das Unkraut jätet er per Hand. Foto: Meyer

Die Erzeugnisse sollen ausschließlich regional vermarktet werden. Außerdem möchten die Junglandwirte möglichst autark werden. "Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, die die natürlichen Ressourcen des Betriebes nutzt", erklärt Paul Mülich. Um den wichtigen Dünger für den Pflanzenbau zu erhalten, muss der Hof deshalb auch Vieh halten. "Das gehört für uns dazu", sagt der Gießener.

Mutterkühe und Zweinutzungshühner

Mit den Tieren arbeitet hauptsächlich Lisa Born. In ihrer Heimatstadt Düsseldorf hätte sie dafür in den Zoo gehen müssen. Noch steht die Mutterkuhherde im Stall. Sobald die Weidezäune hergerichtet sind, dürfen die rotbraunen Limousinrinder in die Freiheit. Mindestens 7 Monate im Jahr sollen sie draußen grasen dürfen. So sehen es die Richtlinien des Bioland-Verbandes vor, dem sich der Hof angeschlossen hat. Geschlachtet wird in Essen-Herbergen. Der Transportweg bleibt also kurz. Wie beim Gemüse schnürt der Hof anschließend gut sortierte Fleischpakete. Sie können vorbestellt werden. "Nächster Schlachttag ist der 14. April", sagt Born. 

Eiersuche: Die Nester sind auf der Rückseite des Hühnermobils untergebracht. Foto: MeyerEiersuche: Die Nester sind auf der Rückseite des Hühnermobils untergebracht. Foto: Meyer

Gehalten werden außerdem 300 Freiland-Legehennen und deren Brudertiere. "Hahn und Huhn gehören zusammen", findet Lisa Born. Sie setzt auf "Zweinutzungshühner", die sowohl Eier legen als auch ordentlich Fleisch ansetzen. Zurzeit gilt wegen der Vogelpest eine Stallpflicht. Den Auslauf haben die Biobauern deshalb mit Planen abgedeckt. Die Eiersuche ist leicht. Sina Endres klappt einfach die Rückwand des Hühnermobils hoch. Dahinter befinden sich die Nester. Sauer seien die Hühner nicht, wenn sie ihnen die Eier wegnehme, sagt die junge Bäuerin. "Sie legen einfach neue." 

Außerschulischer Lernstandort geplant

Biolandwirtschaft führt im Oldenburger Münsterland derzeit noch ein Schattendasein. Ihre bäuerlichen Nachbarn haben die Vier bereits kennengelernt. Das Verhältnis sei gut, berichtet Sina Endres. Von einer Spaltung der Branche in "Ökos" und "Konventionelle" halten die Neueinsteiger ohnehin nichts. Zumal es viele Gemeinsamkeiten gebe. "Konventionelle Landwirte wirtschaften in Teilbereichen oft bereits ökologisch, ohne dass sie es selbst so nennen würden", weiß Paul Mülich. Zur Umstellung der Landwirtschaft auf kleinere, auf den heimischen Markt orientierte Einheiten, sieht er vor allem wegen des Klimawandels keine Alternative. Von heute auf morgen sei dies aber nicht zu erreichen. Die Vier wollen ihren Hof deshalb auch als Bildungsstandort positionieren. Das Angebot ist an Schulklassen, Familien und andere Gruppen adressiert. Bei den Ferienurlaubern kommt es bereits gut an. 

Nicht alles lief von Beginn an rund. "Wir lernen jeden Tag dazu", sagt Sina Endres. Zweifel gebe es aber keine. Alle vier glauben an den Erfolg ihres Konzepts. Sie haben sich den Standort bewusst ausgesucht. Jetzt gelte es, in der Region Fuß zu fassen und bekannter zu werden. 

  • Info: Der Biohof am Kolk lädt für den 16. April, 14 Uhr, zu einem Infotreffen ein. Dabei soll es auch um das Abo-Angebot und um die Einrichtung von Abholstationen gehen. Die Adresse: Glänhauk 22 in Löningen (www.biohofamkolk.de).

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