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Innerhalb einer Woche alle Aufträge verloren

Unzählige Feiern und Feste sind wegen der Corona-Pandemie abgesagt: Große Sorgen bei den Veranstaltungsprofis.

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Kleiner Hoffnungsschimmer: Das Bürgerschützenfest in Vechta soll dieses Jahr am Wochenende 19. bis 21. Juni gefeiert werden. Bislang steht dieser Termin noch. Foto: Kühn

Kleiner Hoffnungsschimmer: Das Bürgerschützenfest in Vechta soll dieses Jahr am Wochenende 19. bis 21. Juni gefeiert werden. Bislang steht dieser Termin noch. Foto: Kühn

Innerhalb nur einer Woche, der vergangenen Woche, habe man „alle Aufträge verloren“, sagt Ludger Emken von der Otto Kühling GmbH in Vechta: „Bis Mitte Mai ist bei uns alles abgesagt. Wir haben kein Rasta mehr, es findet keine Pferdeauktion mehr statt und es gibt keine Schützenfeste mehr.“ Emken fasst die zurückliegenden Tage in einem Satz: „Mit einer solchen Situation sind wir noch nie konfrontiert worden.“ Der wirtschaftliche Einbruch aufgrund der Corona-Epidemie sei massiv. Wie er darauf reagiert? „So etwas lernt man nicht als Unternehmer.“ Zwar kenne er Situationen, in denen Feiern abgesagt wurden, wie etwa zu Zeiten des Golfkrieges die Karnevalsveranstaltungen, aber „jetzt fällt gerade alles aus“.

Für ihn ist jetzt Ziel, seine „Leute zu halten“, und das so lange wie möglich in geregelter Arbeit, und ohne dass Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen werden muss. „Die 60 Prozent, die es als Kurzarbeitergeld gibt, davon kann kaum eine junge Familie leben – das ist schlicht nicht zu schaffen.“

Für Emken bleiben in der jetzigen Situation nicht viele Optionen: „Die Kosten im Unternehmen müssen runter. Die Neuinvestitionen sind für dieses Jahr auf Eis gelegt. Wir prüfen, ob denn alle Lkw angemeldet bleiben müssen, ob sich dadurch nicht Kosten bei den Versicherungen sparen lassen.“ Auch die Prolongation von Krediten steht im Raum. „Da suchen wir gerade die Gespräche mit den Banken. Bei diesen aber spontan einen Termin zu bekommen, ist schwierig, denn da sitzen sie ja gerade alle.“ Ein kleiner Lichtblick seien die Lagerzelte, also auf Zeit bei Unternehmen aufgestellte Zelte. Die garantierten noch einige Einkünfte, „aber wer weiß, wie lange noch“, fragt sich Emken.

Oliver Kettler von OK Event in Neuenkirchen-Vörden bezeichnet die derzeitige Phase der Coronavirus-Krise als „ganz und gar nicht witzig“ für Zeltverleiher, Veranstalter, Caterer und alle, die mit Feiern ihre Geschäfte machen. „Hinter dem gesamten Veranstaltungssektor steckt viel mehr, als so mancher vermutet.“ Auch Gastronomie und Hotellerie gehe es an die Substanz.

Bei ihm hätte in der vergangenen Woche „alle halbe Stunde“ das Telefon geklingelt. Es habe „Absagen gehagelt“. In den kommenden acht Wochen habe er keine Arbeit mehr. Bis Mai werden keine Zelte mehr aufgebaut. Auch große private Feiern seien mittlerweile abgesagt, ebenso wie die von ihm mitorganisierte Verbrauchermesse „Drinnen und Draußen“ in seinem Heimatort, die für Mitte Mai geplant war. Noch könne er die jetzige Situation wirtschaftlich verkraften, da er weitere Standbeine neben dem Zeltverleih habe, doch würden die „Schützenfeste anfangen wegzubröckeln“, dann sehe auch er schwarz.

Noch schlimmer treffe die jetzige Phase aber die noch jungen Unternehmen am Veranstaltungsmarkt. So habe er von einem Partyservice erfahren, dass dieser in den kommenden Monaten kaum noch Aufträge hat. „Der Mann hat sich gerade selbstständig gemacht. Was soll der jetzt machen? Der kann höchstens zu seiner Bank gehen, auf weiteren, neuen Kredit hoffen. Aber bekommt er den überhaupt?“ Wenn sich die Situation nicht spätestens im Mai/Juni stabilisiere, dann dürfte durch die gesamte Branche „eine Pleitewelle rollen“.

Fallen die Veranstaltungen aus, wird auch keine Musik mehr benötigt. Die Absagen treffen deshalb auch die Profimusiker des „Free Steps Orchestra“ und ihre Techniker. Die bekannte Band um den Vechtaer Matthias Hoyer verliert gerade einen Auftritt nach dem anderen. „Von heute auf Morgen auf null“, beschreibt Hoyer die Situation. Ist man sonst in dieser Jahreszeit Stimmungsmacher auf Kohlpartys, fallen diese gerade komplett aus.

Ein Messeauftritt in Lingen oder ein Festival in Emsdetten fielen soeben dem Coronavirus zum Opfer. „Da gibt es aber noch die Option, sie weiter ins Jahr zu verschieben“, hofft Hoyer, dass die Buchung erneuert wird.

Doch auch ein verschobener ist kein sicherer Auftritt. Hoyer: „Kein Veranstalter kann zurzeit davon ausgehen, dass sich die Corona-Lage später im Jahr entspannt hat. Wir erleben gerade von Tag zu Tag Verschlechterungen, da schließt keiner einen Folgevertrag mit einer Band.“

Generell sei die Frage der Bezahlung bei Ausfall einer Veranstaltung noch nicht geklärt. Die wirtschaftliche Situation sei schwierig, sagt Hoyer. „Das Jahr ist gelaufen.“ Wie es für die Musiker der Band nach drei Monaten ohne Verdienst aussieht, mag er sich nicht ausmalen. Er hofft auf staatliche Überbrückungshilfen, denn mit den weiteren Jobs, die die Musiker hätten, könne man keine Familie ernähren. Zwar gäben einige Bandmitglieder noch Instrumentalunterricht. „Die Musikschulen sind aber auch gerade geschlossen.“ Die Anstellungsverträge sähen zudem im Fall von Unterrichtsausfall oft keine Lohnfortzahlung vor.

Gehe die Krise drei Monate weiter, stünden viele aus der Musikerzunft vor der Frage, „wie das Brot auf den Tisch kommt“.

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