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Immer mehr Landwirte stellen auf Bio um

Die steigende Nachfrage nach Öko-Produkten lässt Bauern umdenken. Auch im Oldenburger Münsterland steigt die Zahl der Bio-Betriebe - allerdings sind es weiterhin insgesamt sehr wenige vor Ort.

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Stroh und viel Platz: Schwein in der Biohaltung. Foto: dpa / von Erichsen

Stroh und viel Platz: Schwein in der Biohaltung. Foto: dpa / von Erichsen

Bio boomt. Der Markt für ökologisch produzierte Lebensmittel wächst stetig, immer mehr Landwirte stellen ihre Betriebe auf Ökolandbau und die Ökohaltung von Nutztieren um. "Die Nachfrage nach regionalen Bioprodukten ist ungebrochen. Der Umsatz mit Bioprodukten im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist im Jahr 2020 nochmals stark um 20 Prozent auf rund 15 Milliarden Euro angestiegen", sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch bei einer Videokonferenz zum Ökolandbau.

Niedersachsenweit stellten im vergangenen Jahr 138 weitere Betriebe auf Öko um, wie das Agrarministerium in Hannover aufgrund von vorläufigen statistischen Zahlen mitteilte. Damit beträgt der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Niedersachsen mit 134 574 Hektar an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche aktuell 5,2 Prozent. Bundesweit sind es 12,9 Prozent.

„Es geht immer um die Wirtschaftlichkeit auf den Betrieben.“Barbara Otte-Kinast (CDU), Niedersachsens Agrarministerin

Bis 2030 soll im Land der Anteil des Biolandbaus auf 15 Prozent ansteigen. So sieht es der "Niedersächsische Weg" vor, eine Vereinbarung zum Schutz der Artenvielfalt zwischen der Landesregierung, der Landwirtschaft und Naturschutzverbänden. Als Zwischenschritt ist bis 2025 ein Anwachsen auf zehn Prozent das Ziel.

Wenn Landwirte eine bessere wirtschaftliche Perspektive im Ökolandbau erkennen könnten, würden sie auch umstellen, sagte Otte-Kinast: „Es geht immer um die Wirtschaftlichkeit auf den Betrieben“.

Bio-Quote im Oldenburger Münsterland gering 

Im Oldenburger Münsterland ist die Bio-Quote derweil weitaus geringer als niedersachsenweit. Im Landkreis Vechta liegt sie für das Jahr 2020 bei 1,1 Prozent von insgesamt 64 069 Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Zum Vergleich: 2018 waren es 0,7 Prozent und 2019 wurden 1,2 Prozent verzeichnet. Es gibt also sogar einen leichten Rückgang.

Im Landkreis Cloppenburg sind es im Jahr 2020 insgesamt 0,8 Prozent von insgesamt 94 836 Hektar. Der Vergleich zu den Vorjahren: 2018 und 2019 lag der Anteil der Bio-Fläche bei 0,6 Prozent. Somit ist hier eine geringe Zunahme zu verzeichnen.

Zahl der Bio-Betriebe nimmt zu

Allerdings: Die Zahl der Bio-Betriebe nimmt in beiden Landkreisen zu. Die Gesamtzahl im Landkreis Vechta lag 2018 bei 22 Betrieben (von insgesamt 1106), was einem Anteil von zwei Prozent entspricht. Ein Jahr darauf waren es 24 Betriebe (von insgesamt 1091), also ein Anteil von 2,2 Prozent.

Im Landkreis Cloppenburg gab es 2018 genau 24 Bio-Betriebe, also 1,6 Prozent von 1706 landwirtschaftlichen Betrieben. Im Jahr 2019 sind es laut Statistik 30 Bio-Betriebe, das entspricht 1,8 Prozent von 1682 Betrieben.

Hohe Flächenpreise bremsen Bio vor Ort aus

Die Voraussetzungen für eine Umstellung auf Bio-Bewirtschaftung sind vor Ort aber schwieriger als in anderen Regionen Niedersachsens. Der Grund: Die hohen Flächenpreise. Bio-Landwirte müssen ihre Tiere mit Futter aus eigenem Anbau mästen.

Darauf machte Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), aufmerksam. Deshalb sei der Weser-Ems-Raum mit seiner großflächigen Intensivtierhaltung das Schlusslicht bei der Ökohaltung. An der Spitze stünden die Regionen im Nordosten.

"Ökolandbau wächst immer dann, wenn Bioware nachgefragt wird" Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen

Grieshop, die aus Bakum stammt, sagte grundsätzlich: "Ökolandbau wächst immer dann, wenn Bioware nachgefragt wird." Und da sei gerade die Corona-Zeit erkenntnisreich gewesen. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage der Verbraucher nach Bio-Lebensmitteln um 25 Prozent gestiegen, berichtete Grieshop. Sie folgerte: Die Menschen seien mehr zuhause gewesen und hatten somit mehr Möglichkeiten, selbst zu entscheiden, wie sie sich ernähren. Da sei verstärkt nach Bio gegriffen worden.

Und mit Blick auf die Bauern, sagte Grieshop: Vor allem die wirtschaftlich schwierige Situation der konventionell wirtschaftenden Landwirte lasse viele an eine Umstellung denken.
Zuletzt sei auch die Nachfrage von Betrieben mit Schweinehaltung nach einer Beratung durch das KÖN für eine Umstellung auf Öko groß gewesen, berichtete sie.

Niedersachsen startet Bundesratsinitiative, um Stallumbauten zu erleichtern

Doch: Es gebe Hürden im Baurecht und was den Immissionsschutz angeht. Otte-Kinast kündigte hierzu eine Bundesratsinitiative an, um die rechtlichen Hindernisse zu beseitigen. Das soll auch den Landwirten helfen, die nicht auf Bio, aber auf mehr Tierwohl umstellen wollen.

Von positiven Erfahrungen beim Wechsel zu Bio berichtete Johannes Blanke aus dem Heidekreis. Er sattelte angesichts des Preisdrucks von der konventionellen Milchviehhaltung zum reinen Bio-Ackerbau um.

Auch Kerstin und Stephan Klünemann haben den Wechsel hin zu Bio nicht bereut. Das Ehepaar verzichtete auf Sauenhaltung und begann 2015 mit zwei Putenställen – zunächst konventionell. 2019 kam der Anbau von Bio-Chicorée hinzu, dann richteten sie auch die Putenhaltung auf Bio aus. Kerstin Klünemann sagte: "Wir wollten raus aus dem Hamsterrad, immer mehr Masse produzieren zu müssen."

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

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