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Imbiss macht Platz für die Burger Box

Nach 40 Jahren verlässt "Jochem's Imbiss" den Wochenmarkt in Dinklage, nicht ohne Wehmut. Künftig wird Denis Vertinskiy mit seiner "Burger Box" Essen anbieten.

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Ende einer Ära: Klaus Jochem (von links), Ansgar Westermann und Denis Vertinskiy. Letzterer tritt mit seiner Burger Box die Nachfolge von "Jochem's Imbiss" an. Der Marktmeister freut sich über den Neuzugang. Foto: Heinzel

Ende einer Ära: Klaus Jochem (von links), Ansgar Westermann und Denis Vertinskiy. Letzterer tritt mit seiner Burger Box die Nachfolge von "Jochem's Imbiss" an. Der Marktmeister freut sich über den Neuzugang. Foto: Heinzel

Eine Ära ist jetzt zu Ende gegangen. Klaus und Erika Jochem haben die Grillgabel an den Nagel gehängt. Nach 40 Jahren ist für „Jochem's Imbiss“ Schluss auf dem Dinklager Wochenmarkt. Den Platz wird nun Denis Vertinskiy mit seiner Burger Box übernehmen.

Marktmeister Ansgar Westermann freut sich über den Neuzugang und meint, „man müsse auch einmal etwas Neues ausprobieren“. Er hofft auf ein langes Engagement des Food-Truck-Unternehmers aus Bohmte.

Klaus Jochem erzählt, dass er „von Anfang an dabei war“. Damals startete er den Imbiss gemeinsam mit seinem Bruder Günther. Nach 15 Jahren machte dann der angestellte Fleischermeister alleine weiter. „Damals war der ganze Marktplatz noch richtig voll“, meint der 64-Jährige.

Jetzt öfter auf dem Wochenmarkt: Claudia und Szymon Piasecki sind eines von vier Teams der Burger Box. Jedes Team ist einem Wagen zugeteilt. In Dinklage werden sie alle abwechselnd eingesetzt. Foto: HeinzelJetzt öfter auf dem Wochenmarkt: Claudia und Szymon Piasecki sind eines von vier Teams der Burger Box. Jedes Team ist einem Wagen zugeteilt. In Dinklage werden sie alle abwechselnd eingesetzt. Foto: Heinzel

Heute ist alles etwas kleiner geworden. Zwischenzeitlich hatte Klaus Jochem fünf unterschiedlich große Imbisswagen, mit denen er auch auf den Schützen- und Volksfesten der Region vertreten war. 2015 reduzierte er das Geschäft allerdings auf einen Wagen.

2020 sollte sein letztes Jahr mit dem mobilen Imbiss werden. Er wollte sich richtig von seinen Kunden verabschieden, doch die Pandemie machte den Jochems einen Strich durch die Rechnung. „Wir konnten uns von keinem richtig verabschieden“, sagt Klaus Jochem traurig, „das ist das Schlimme an der aktuellen Situation.“

Zumindest seinen Kollegen auf dem Wochenmarkt konnte er „Tschüß“ sagen. Im Laufe der Zeit sind unter den Ausstellern Freundschaften entstanden. Man hat sich stets gegenseitig unterstützt. „Donnerstags gab es immer Currywurst/Pommes für alle“, erzählt Klaus Jochem.

„Der Reiz, so lange auf den Wochenmarkt zu kommen, waren unsere Stammkunden. Viele Dinklager kamen kurz nach Feierabend bei uns vorbei und holten sich ihre Currywurst“, berichtet Klaus Jochem. Dieser soziale Kontakt, der kleine Klönschnack an seinem Imbiss mit dem Austausch von Nachrichten und Informationen, war Klaus Jochems Antrieb, seine Motivation.

Doch ohne seine Frau Erika und Sohn Tim, die das Ganze gemeinsam mit ihm gestemmt haben, wäre es nicht gegangen. Leicht verschmitzt gesteht er, seine ganze Familie würde gerne „quatschen“. Allen sei der „Kontakt mit den Menschen“ wichtig. Und auf eines legt er zudem großen Wert: „Es muss Spaß machen“, ansonsten könne man solch ein Geschäft, das vor allem abends und an den Wochenenden stattfindet, nicht so lange machen.

Doch nun wolle der gebürtige Dammer mehr Zeit für sich und seine Frau Erika haben. Die beiden genießen jetzt ihre Radtouren rund um Dinklage. In den Tagen der Coronabeschränkungen sind sie etwa 30 Kilometer pro Tag unterwegs gewesen. Klaus Jochem ist zwar seit drei Jahren in Rente, aber erst, nachdem er nun auf dem Wochenmarkt aufgehört hatte, habe er endlich „Die Säulen der Erde“ von Ken Follet lesen können, sagt er.

Das heißt aber nicht, dass die zwei sich in den Ruhestand verabschiedet haben. Sie führen weiterhin ihren Imbiss bei einem Möbel-Discounter in Dinklage. Das bedeutet für Klaus und Erika Jochem, weiterhin morgens das Imbissgeschäft vorzubereiten und abends den Imbiss für den nächsten Tag wieder sauber zu machen.

Vertinskiy betreibt mittlerweile vier Wagen

Die Begeisterung und die Leidenschaft für diesen Beruf teilen sie sich jedenfalls mit ihrem Nachfolger auf dem Wochenmarkt. Der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann Denis Vertinskiy entschied sich vor vier Jahren, etwas Neues auszuprobieren und baute seinen eigenen Food Truck - die erste Burger Box. Das eigene Fitnessstudio leitet inzwischen seine Frau, denn Denis Vertinskiy konzentriert sich komplett auf seine Burgerwagen.

Vier Wagen betreibt er inzwischen und auf jedem ist ein festes Team eingesetzt, das auch für den Wagen verantwortlich ist. Zum Start auf dem Dinklager Wochenmarkt waren Claudia und Szymon Piasecki vor Ort und sie werden es auch am kommenden Donnerstag sein. Das Ehepaar ist ein eingespieltes Duo. Szymon kümmert sich um die Burger und Claudia um die Kunden und den Service. „Die Aufteilung ist wichtig, sonst herrscht Chaos auf dem Wagen“, meint Claudia Piasecki.

Für Denis Vertinskiy ist es ein bisschen wie nach Hause kommen. „Ich bin hinter der Kirche zur Schule gegangen“, erzählt der 35-Jährige. Zwar lebt er seit neun Jahren in Bohmte, doch hat er noch viele Freunde in Dinklage. Und seine Streetfood-Wagen sind kein unbekannter Anblick in der Stadt. So versorgte er die Besucher bei Events wie dem „Moonlightshopping“ und stand bis vor einem Jahr sogar an einem festen Standplatz bei einem Lebensmittelhändler.

„Es war einer unserer stärksten Standorte“, erzählt der Unternehmer, daher ist er auch sehr optimistisch, was seinen Erfolg auf dem Wochenmarkt anbelangt. Trotzdem ist es ist ein Experiment, denn erfahrungsgemäß sind die stärksten Zeiten für die Burger Box, an ihren jeweiligen Standorten unter der Woche, zwischen 11.30 und 13 Uhr sowie zwischen 17 und 20 Uhr. Marktmeister Ansgar Westermann meint daher, „bei Bedarf kann die Burger Box auch über das Marktende um 18 Uhr stehen bleiben und Kunden bedienen“.

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