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Im Kampf gegen den Verpackungsmüll

Nach Abitur und Studium ist die Melanie Mai 2014 nach Köln gezogen, dort ist sie für das Unternehmen "Vytal" tätig. Mai ist in einer Gastronomen-Familie in Cloppenburg aufgewachsen.

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Kennt sich in der Gastronomie aus: Melanie Mai half oft im Restaurant ihrer Eltern. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit ein. Foto: Hermes

Kennt sich in der Gastronomie aus: Melanie Mai half oft im Restaurant ihrer Eltern. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit ein. Foto: Hermes

Nachhaltigkeit war für Melanie Mai schon immer ein wichtiges Thema. Während ihres Studiums beschäftigte sie sich unter anderem mit nachhaltigem Tourismus, nun arbeitet sie für ein Projekt mit einem digitalen und pfandfreien Mehrwegsystem für Essen zum Mitnehmen.

"Wir wollen so Verpackungsmüll reduzieren", erklärt die 27-Jährige, die für das Kölner Unternehmen "Vytal" tätig ist. Gastronomen können dort die wiederverwendbaren Behälter bestellen und so ihr Essen "to go" nachhaltig anbieten. Investieren müssen sie nicht, pro Ausgabe fällt dann ein Anteil an.

Für Kunden ist das Mehrweg-System kostenlos

Beim Abholen werden die Schüsseln über einen QR-Code eingescannt, abgegeben werden können sie bei allen beteiligten Unternehmen. Für Kunden ist das System kostenlos, es sei vergleichbar mit anderen Sharing-Diensten wie beispielsweise eScooter. Sie registrieren sich einmalig in der App oder kaufen eine Offlinekarte, digital werden beteiligte Geschäfte angezeigt. Auch die vermiedenen Verpackungen werden mitgezählt.

Mai selbst ist in einer Gastronomenfamilie aufgewachsen, sie half im Service des Restaurants ihrer Eltern. "Das hilft mir jetzt schon. Wir sehen uns als Partner der Gastronomie und ich kann mögliche Vorbehalte gleich ausräumen", sagt sie. Der oft befürchtete zeitliche Mehraufwand sei nicht so groß, ein Restaurant in Köln habe 98 Schüsseln in 2 Stunden herausgegeben.

Per Barcode: Jede Ausgabe wird digital erfasst.Foto: © VytalPer Barcode: Jede Ausgabe wird digital erfasst.Foto: © Vytal

Das Thema sei gerade durch die Corona-Pandemie akut geworden. Gastronomen dürfen ihr Essen zurzeit zum zweiten mal nur außer Haus anbieten. Auch das Thema Klimaschutz habe bei vielen in den vergangenen Jahren für ein Umdenken gesorgt. "Das Bewusstsein wächst", sagt Mai. Im Juli 2019 gestartet, ist das Netzwerk auf bundesweit zurzeit 560 Partner angewachsen. In Cloppenburg gibt es zwei teilnehmende Restaurants mit "Mandarin" und "Underground Kitchen", ein neues Catering-Konzept von Sven Lehnhoff.

Mai hat ihr Studium in den Niederlanden absolviert, ihr Abschlusspraktikum hat in Köln stattgefunden. Dort ist sie geblieben, ihr weiterer Weg führte sie zur Selbstständigkeit mit einer Marketingagentur für Events. Da die Corona-Pandemie auch ihre Arbeit beeinflusste, hat sie schließlich zu "Vytal" gefunden.

Die Unternehmensgründer: Sven Witthöft, Fabian Barthel und Dr. Tim Breker (von links).  Foto: © VytalDie Unternehmensgründer: Sven Witthöft, Fabian Barthel und Dr. Tim Breker (von links).  Foto: © Vytal

Anfangs sei sie noch von Restaurant zu Restaurant gegangen, um das Projekt vorzustellen, heute kommen Gastronomen auf sie zu. "Wir wollen weiter wachsen und das System etablieren", sagt Mai. Ein Anfang für das internationale Geschäft sei in Österreich gemacht worden.

Ihre persönliche Zukunft sieht sie zunächst weiter in Köln. "Das Potenzial für solche Ideen ist in Großstädten noch höher. Aber auch in Cloppenburg ist es vorhanden", sagt sie.


Fakten:

  • Die Gründer von „Vytal“ sind Dr. Tim Breker, Sven Witthöft und Dr. Fabian Barthel.
  • Das Unternehmen wurde mit dem Wissenschaftspreis 2020 der EHI Stiftung und GS1 Germany ausgezeichnet.
  • Nach eigenen Angaben gibt es bei den Mehrwegbehältern eine Rückgabequote von über 98 Prozent und eine durchschnittlichen Leihdauer von dreieinhalb Tagen.
  • Laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM), die die Daten im Auftrag des NABU erhoben hat, fielen 2017 in Deutschland 346419 Tonnen an Abfall für Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen an.
  • In Holland hergestellt aus gut recyclebarem Polypropylen, sind drei Größen verfügbar: 500ml, 750ml und 1250ml.
  • Der Hersteller garantiert eine Lebensdauer von mindestens 200 Befüllungen.
  • Über die Lebensdauer würden im Vergleich zu Einwegverpackungen bis zu 30 Kilogramm CO2 eingespart, hat Vytal berechnet und verweist als Quelle auf das Wuppertaler Institut.

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