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Im Arbeitskampf: ZFler hupen ihren Chefs was

Zirka 3.500 Beschäftigte in den ZF-Werken am Dümmer fürchten um ihren Arbeitsplatz. Gegen den drohenden Stellenabbau protestierten sie am Donnerstag.

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Auf Abstand demonstrierten die Teilnehmer der Kundgebung in Diepholz zunächst auf dem Marktplatz für den Erhalt der Arbeitsplätze in den ZF-Werken am Dümmer. Foto: Lammert

Auf Abstand demonstrierten die Teilnehmer der Kundgebung in Diepholz zunächst auf dem Marktplatz für den Erhalt der Arbeitsplätze in den ZF-Werken am Dümmer. Foto: Lammert

Ein lautes Hupkonzert in der Diepholzer Innenstadt und vor dem Werksgelände des ZF-Konzerns in der Stadt: Beschäftigte von allen fünf Standorten des Automobilzulieferers rund um den Dümmer haben am Donnerstag mit einer von der IG Metall und den ZF-Betriebsräten unter strengen Corona-Auflagen organisierten Kundgebung gegen den geplanten Stellenabbau in den Werken rund um den Dümmer und gegen die Ende 2023 von der Konzernleitung beschlossene Schließung des Spurstangenwerks in Damme demonstriert.

Die Kundgebung begann auf dem Diepholzer Marktplatz und endete mit einem Autokorso, der unter anderem am ZF-Werksgelände in Diepholz vorbeiführte. Parallel fanden dazu an anderen ZF-Standorten wie etwa in Friedrichshafen Protestaktionen gegen die Streichung von Arbeitsplätzen statt.

Management will weltweit 15.000 Stellen streichen

Der Automobilzulieferer will 15.000 Stellen weltweit abbauen, 7.500 davon in seinen deutschen Werken. Die Betriebsräte des Multidivisionsstandortes Dümmer fürchten, dass in ihren Werken mehrere 100 der insgesamt 3.500 Jobs wegfallen sollen.

Zu denen, die das nicht kampflos hinnehmen wollen, gehören unter anderem Christian Schmidtke aus Damme und David Riesner aus Mühlen. Letzterer sagte, es sei wichtig, ein Zeichen zu setzen, bevor die endgültigen Entscheidungen fallen. Noch lasse sich nicht abschätzen, wie sich die Corona-Pandemie und die Krise der Automobilindustrie tatsächlich auf ZF und die Arbeitsplätze auswirken werden.

Christian Schmidtke forderte, die von der Konzernleitung behauptete Notwendigkeit des Sparens müsse hinterfragt werden. Er hoffe, mit solchen Aktionen werde der Druck auf die Arbeitgeberseite so groß, dass sie sich nun klar und deutlich äußert, wie die Zukunft aussehen soll. "Unser oberstes Ziel ist es, die Beschäftigung zu sichern."

"Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen."Damian Piegsa, Betriebsratsvorsitzender in Damme

"Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen", erklärte Damian Piegsa, Vorsitzender des Betriebsrates des Dammer Spurstangenwerks am Rande der Veranstaltung. Und die Dammer kämpften um ihr Werk. Ergo: "Die Dammer kämpfen doppelt."

Die Betriebsräte ringen weiter um eine bis 2025 geltende Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, um die Zukunftssicherungen der Standorte, den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen sowie die unbefristete Übernahme von Auszubildenden nach dem Abschluss der Lehre, von Leiharbeitern und Befristeten.

Produktionsstandort Damme soll erhalten bleiben

Mit Blick auf das Werk in Damme erklärte Friedrich Hartmann, der Bevollmächtigte der IG Metall Nienburg-Stadthagen und Cheforganisator der Kundgebung, die Gewerkschaft und die Betriebsräte wollten mit dem Management weiter über den Erhalt des Standortes reden. Mit Blick auf den Gesamtkonzern forderte er, alle Entscheidungen früherer Jahre wie etwa die Verlagerung der Produktion ins Ausland müssten nun auf den Prüfstand.

Jürgen Bunge, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates am ZF-Multidivisionsstandort Dümmer, erklärte, bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres habe es Einbrüche bei ZF gegeben. Schon damals habe das Unternehmen befristete Arbeitsverträge nicht verlängert und die Arbeitszeiten vor allem im Verwaltungsbereich reduziert. Wegen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen sei es jetzt notwendig, die vereinbarte Kurzarbeit fortzusetzen, um so die Arbeitsplätze zu sichern.

Es soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben

Dazu sollen auch die Angebote an ältere Beschäftige beitragen, in die Altersteilzeit einzutreten. Ebenso biete das Unternehmen den vorzeitigen Eintritt in die Rente an. All das soll bewirken, dass betriebsbedingte Kündigungen in den Werken rund um den Dümmer nicht notwendig werden. 

Jürgen Bunge richtete klare Forderungen an das ZF-Management. Vor allem möchten die Arbeitnehmervertreter wissen, mit der Herstellung welcher Produkte die Zukunft der Werke rund um den Dümmer gesichert werden soll. Die IG-Metaller unterstrichen die Forderungen mit Beifall und dem Einsatz von Trillerpfeifen.

In dem Zusammenhang erinnerte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Werkes in Dielingen, Stefan Brandt, an Zusagen aus 2016. Danach sollten innovative Produkte am Dümmer entwickelt und dort produziert werden. So stehe es in dem vor vier Jahren zwischen Arbeitnehmervertretern und der Konzernleitung vereinbarten Vertrag zur Beschäftigungssicherung bis 2022.

Kampfbereit: Der Dammer Christian Schmidtke gehörte zu den Demonstranten auf dem Marktpltz in Diepholz. Foto: LammertKampfbereit: Der Dammer Christian Schmidtke gehörte zu den Demonstranten auf dem Marktpltz in Diepholz. Foto: Lammert

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