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„Ich habe nie gedacht, dass es so gut einschlägt“

Auch Apple, Amazon und Co. waren mal Startups, also kleine Unternehmen mit Potenzial. Die gibt es auch im OM. Die Serie "Gründerszene" stellt ein paar davon vor. Heute: Michael Schiwy von Schiwyair.

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Kein Start-up ohne Garage: Wenn Michael Schiwy nicht für die Bildbearbeitung am Rechner sitzt, dann arbeitet er in der Garage, um seine Drohne und den Rest des Equipments in Schuss zu halten.  Foto: Stix

Kein Start-up ohne Garage: Wenn Michael Schiwy nicht für die Bildbearbeitung am Rechner sitzt, dann arbeitet er in der Garage, um seine Drohne und den Rest des Equipments in Schuss zu halten.  Foto: Stix

Ende 2019 hat sich Michael Schiwy mit seinem Unternehmen Schiwyair selbstständig gemacht. Unternehmen und Privatpersonen bietet er Luftbilder und -videos an, die mit einer Drohne aufgenommen werden. Anders als viele legendäre, insbesondere US-amerikanische Existenzgründer hat er sein Unternehmen allerdings nicht in einer Garage gegründet. Statt dessen spielt ein Krankenhaus eine große Rolle.

2016 war der gelernte Metallbauer nach einem Arbeitsunfall für 18 Monate außer Gefecht gesetzt. Aber weil ihm während des langen Krankenhaus- und Reha-Aufenthalts einfach langweilig war, hat er sich dort verstärkt seinem Hobby, der Drohnenfliegerei und -fotografie, gewidmet.

Rückkehr in den alten Job war nach dem Umfall ausgeschlossen

„Ich habe mir eine neue, ziemlich teure Drohne gekauft und dann angefangen, auch für andere Patienten dort Bilder zu machen“, erzählt Schiwy. Und dabei sei ihm erstmals die Idee gekommen, aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Denn eine Rückkehr in den alten Job war nach dem Unfall ausgeschlossen.

So ganz wollte der Unternehmensgründer in spe allerdings nicht auf das Netz des Angestelltendaseins verzichten. 2018 begann er eine Umschulung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, auch heute noch arbeitet er in Teilzeit bei einer Werbeagentur. „Das gibt mir Sicherheit“, betont Schiwy.

Unternehmensgründung am 1. Dezember 2019

Die Idee, eine eigene Firma zu gründen, habe ihn allerdings nie losgelassen. Und sie bekam immer wieder neue Nahrung. „Über Kontakte habe ich Ende 2017 den Auftrag bekommen, Luftbilder für BMW zu machen“, erzählt Schiwy. „Die haben mich dann noch öfter gefragt, das wurde eine richtig große Sache.“

Ende 2019 dann der Schritt, der aus einem lukrativen Hobby eine ernste Angelegenheit macht. Nachdem eine Bremer Werbeagentur durch Schiwys Facebook-Seite auf seine Bilder aufmerksam geworden war und ihm nach ersten Aufträgen eine Partnerschaft angeboten hatte, gründete der 32-Jährige am 1. Dezember 2019 sein Unternehmen Schiwyair.

„Wenn man nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, dann bekommt man das hin.“Michael Schiwy, Unternehmensgründer

Von der oft beklagten deutschen Bürokratie hat er dabei wenig mitbekommen. „Wenn man nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, dann bekommt man das hin“, sagt Schiwy. Einzig die Erteilung der Umsatzsteuernummer habe etwas länger gedauert. Deshalb musste er einige Zeit warten, bis er die ersten Rechnungen als Unternehmer an die Kunden verschicken konnte.

Über fehlende Aufträge kann der Jungunternehmer, der inzwischen von zwei Aushilfen und einem Freelancer unterstützt wird, nicht klagen. „Ich habe nie gedacht, dass es so gut einschlägt“, sagt er. Man müsse allerdings für den Erfolg auch viel tun. Kurse und Lehrgänge in der Bild- und Videobearbeitung sind für ihn ebenso unverzichtbar wie der geschickte Einsatz der sozialen Medien für die Eigenwerbung. „Es ist", so Schiwy, "ein 24-Stunden-Job.“

„Für die Kundenakquisition muss man auf Leute zugehen und auch gut reden können.“Michael Schiwy, Jungunternehmer

Auch die Ausweitung des eigenen Portfolios helfe, am Markt zu bestehen. Zur Drohnenfotografie sind inzwischen Porträt- und Passbildaufnahmen hinzugekommen, einen Teil der dafür nötigen Ausrüstung hat er vom früheren Fotostudio Plaggenborg übernommen. Und nicht zuletzt sei ein starkes Selbstbewusstsein wichtig. „Für die Kundenakquisition muss man auf Leute zugehen und auch gut reden können“, hat Schiwy festgestellt.

So ganz kommt aber auch die Geschichte des Start-up-Unternehmers Michael Schiwy nicht ohne die berühmte Garage aus. Denn in einer Garage hat er 2013 seine erste Drohne aus einem Bausatz zusammengebaut und immer weiter verfeinert. Auch heute noch ist er oft dort. Wenn er nicht für die Bildbearbeitung am Rechner sitzt, dann bastelt er an seinem Equipment oder an alten Mopeds. „Die Garage“, so Schiwy, „ist mein Wohnzimmer.“

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