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Homeoffice: Erfahrungen aus erster Welle helfen

Unternehmen und Verwaltungen im Oldenburger Münsterland stellen sich auf neue Regelungen ein. Die Möglichkeiten bestehen oftmals, Mitarbeiter können häufig freiwillig entscheiden.

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Foto: dpa/Strauch

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Mit den weiteren Verschärfungen von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie gibt es auch neue Regeln im Bereich Home-Office. Die neue Verordnung bereitet Johannes Wilke, Vorstand der Friesoyther Spadaka, kein Kopfzerbrechen. „Wir haben da kein Problem mit“, sagt der Bankchef. „Wir haben in der ersten Welle positive Erfahrungen gemacht, das funktioniert hervorragend und darauf können wir aufbauen.“

Aktuell seien 24 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice, insbesondere aus nachgelagerten Bereichen, aber auch aus der Beratung. Dabei aber wird es nicht bleiben. „Ich bin überzeugt davon, dass die Quote weiter steigen wird“, sagt Wilke. Die Bank stellt ihren Mitarbeitern im Homeoffice technische Ausrüstung vom Rechner bis zur Maus zur Verfügung.

Die Verbindung zur Bank erfolgt über VPN-Tunnel: „Man kann damit arbeiten, als wäre man in der Bank.“ Bei großen Vorhaben wie etwa einer Baufinanzierung sei den Kunden jedoch der direkte Kontakt wichtig. Dann werde natürlich streng auf Abstand und Hygiene geachtet.

In Linderns Gemeindeverwaltung sind nach Angaben von Bürgermeister Karsten Hage die technischen Möglichkeiten geschaffen worden. Jeder Mitarbeiter könne diese Möglichkeit zum Beispiel bei Kinderbetreuungsproblemen nutzen. Hage selbst nutze es gelegentlich.

Als kleine Verwaltung mit 14 Mitarbeitern sei die Situation nicht mit größeren Einheiten vergleichbar. In Lindern habe jeder Mitarbeiter ein eigenes Büro, so Hage. Als Besonderheit habe sich ein „Talk-in“ an einem Fenster im Erdgeschoss entwickelt. „Da werden mit Sicherheitsabstand und Maske am offenen Fenster wichtige Dinge geklärt“, erzählt der Bürgermeister.

440 Kreismitarbeiter arbeiten von zu Hause

Anders gestaltet sich dies bei der Kreisverwaltung, hier ist die Nutzung der Büros im Kreishaus grundsätzlich nur mit einer Person erlaubt. „Damit steigt der Anteil der Mitarbeiter, die diese Möglichkeit in Anspruch nehmen, stetig“, erklärt Sprecher Frank Beumker. Genutzt werde dies allerdings in der Regel nicht im vollen Umfang der individuellen Arbeitszeit, sondern oftmals an einem oder mehreren Tagen in der Woche.

„Insgesamt können zurzeit etwa 440 Mitarbeiter von Zuhause im Cloud-Arbeitsplatz arbeiten“, so Beumker weiter. Alle Zugriffe erfolgen ebenfalls über gesicherte VPN-Verbindungen, auch bei der Nutzung von Privatgeräten, so dass der Datenschutz berücksichtigt werde. Zudem sei mit den Mitarbeitern eine Vereinbarung zum datenschutzrechtlichen Arbeiten für die Arbeit von Zuhause geschlossen worden.

Im Homeoffice gehen Informationen teilweise verloren

Gegen eine Homeoffice- Pflicht ist Carsten Groneick von der Firma Perso-Plankontor aus Lastrup. „Homeoffice mag sinnvoll sein, aber nicht für jeden“, sagt er am Telefon. Er sitzt dabei im Auto. Groneick leitet die Geschäftsstellen in Lastrup, Cloppenburg und Hannover. Vermittelt werden vor allem Pflegekräfte und Erzieher, alles Jobs, die von Zuhause aus nicht zu erledigen sind.

Er selbst gibt zu, nur ungern in den eigenen vier Wänden arbeiten zu wollen. „Bei uns ist Homeoffice nicht die Regel, denn es gehen dadurch viele Informationen sowohl unter den Kollegen als auch beim Kunden verloren.“ Hinzu kommt: Groneick, der zwei kleine Kinder hat, erlebt die Schwierigkeiten, Arbeit und Beruf unter einen Hut zu bekommen, aus nächster Nähe.

Seine Frau betreibt gerade Homeoffice. Dafür müssten auch die technischen Voraussetzungen stimmen, denn die zu verschickenden Datenmengen würden immer größer. Doch gerade beim wichtigen Glasfaserausbau schwächelt der Landkreis aus Sicht des Cloppenburgers seit Jahren. „Es sind überall jede Menge Leerrohre verlegt worden und das war es dann oftmals auch schon“. Solange das Netz zum Flaschenhals werde, brauche man über flächendeckendes Homeoffice gar nicht nachzudenken, ist Groneick überzeugt.

„Da wo es ging, haben wir schon mit dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres Homeoffice möglich gemacht“Jürgen Feld vom Landmaschinenhersteller Grimme

Jürgen Feld, zuständig für das Marketing beim Landmaschinenhersteller Grimme in Damme, kam  gerade aus einer Sitzung des Corona-Krisenstabes des Unternehmens. Auch angesichts der neuen Beschlüsse in Berlin sei Grimme mit Blick auf die aktualisierten Homeoffice-Anforderungen sehr gut aufgestellt. Grimme beschäftigt in Damme und Rieste im Kernunternehmen sowie den Tochterfirmen rund 1500 Mitarbeiter. Etwa 350 Arbeitsplätze außerhalb der Produktion seien Homeoffice-fähig, sagt Feld.

Jürgen Feld. Foto: Roland KühnJürgen Feld. Foto: Roland Kühn

„Da wo es ging, haben wir schon mit dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres Homeoffice möglich gemacht“, erklärt er. Man habe technisch aufgerüstet und weitere Softwarelizenzen erworben, um die Arbeit im Heimbüro möglich zu machen. Wie in seiner Marketingabteilung habe man die Strukturen funktional verändert, die noch vor Ort im Unternehmen arbeitende Personenzahl angepasst. „Wir arbeiten eigentlich schon seit Wochen verordnungskonform“, sagt Feld.

Was der Krisenstab aber immer wieder neu erfährt, sind die Fälle, in denen ein Mitarbeiter kein Homeoffice wünscht oder es gar nicht möglich ist, erläutert Feld. „Manchmal ist die technische Infrastruktur zu Hause schlicht nicht ausreichend. Nicht überall liegen Gigabit-Internetanschlüsse. Für das Homeoffice eines Konstrukteurs ist das aber entscheidend. Es gibt auch Fälle, in denen die familiäre oder Wohnsituation ein konzentriertes Arbeiten nicht zulassen. Da müssen wir dann im Krisenstab Lösungen für den Mitarbeiter finden, was bisher aber auch immer gelungen ist.“

Sascha Heil, Geschäftsführer der Krapp Eisen GmbH & Co. KG in Lohne bezeichnet die neuen Beschlüsse als „für uns ohne weiterführende Auswirkung“. Ein Großteil der Mitarbeiter des Großhandelsunternehmens, rund zwei Drittel des kaufmännischen Innen- und Außendienstes, befinde sich bereits seit Anfang der Corona-Pandemie 2020 im Home-Office. Die im Büro verbliebenen Mitarbeiter seien in den Gebäuden der Standorte Lohne und Dinklage so verteilt, „dass Abstandsregelungen unproblematisch eingehalten werden können“.

In allen Gebäuden herrsche Maskenpflicht, sofern jemand nicht allein am Arbeitsplatz sei. Medizinische Masken würden seit Beginn der Pandemie von Krapp gestellt, betont Heil. Pausen würden grundsätzlich allein gemacht.

Mitarbeiter wollen bewusst im Büro bleiben

„Wir haben unser Home-Office-Angebot für diejenigen, die es noch nicht nutzen, erneuert“, meint Heil. Bisher „war aber noch keine Resonanz zu verspüren“. Das allerdings sei wenig überraschend, da die Mitarbeiter, die bisher weiter im Büro gearbeitet hätten, sehr „bewusst im Büro sein wollen. Sei es auf Grund ihrer Tätigkeit oder aber auch wegen der Arbeitssituation zu Hause“.

Krapp habe seinen Mitarbeitern zugesagt, dass sie „auch nach der Pandemie auf Wunsch im Home-Office arbeiten können – dieses auch flexibel und tageweise, nach eigenem Ermessen in Abstimmung innerhalb der Abteilung“.

Heil: „Was uns im Augenblick mehr bewegt als die Homeoffice-Frage ist die Situation unserer Monteure und Techniker.“ Diese verbrächten ihre Tage auf den Baustellen, seien auch über Nacht weg. Hier fehle aufgrund des Lockdowns jegliche Ablenkung, so etwa die Möglichkeit, „einfach mal Essen zu gehen und abzuschalten“.

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