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Hof Lüsse liefert die "Fleischkiste"

Der Schweine- und Bullenmäster verkauft sein Fleisch online unter "leckernatur". Die nach Biostandard produzierte Ware ist günstiger als zertifizierte Bioware.

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Mäster Sebastian Lüsse bietet seinen Schweinen viel Platz und Stroh in den Ställen. Foto: Kühn

Mäster Sebastian Lüsse bietet seinen Schweinen viel Platz und Stroh in den Ställen. Foto: Kühn

Sebastian Lüsse hat eine klare Vision: Fleisch zu erzeugen, das in seiner Qualität dem Biostandard gleich kommt. "Nur wenn die Tiere auf dem Hof ohne Stress in einer an ihre natürlichen Lebensweisen angepassten Umgebung aufwachsen, erhalten wir die Fleischqualität, die wir vermarkten wollen." Gemeinsam mit seiner Frau Lisa Marie verwirklicht er auf seinem Hof in Brockum, den er im Jahr 2000 von Clemens Pohlmann übernommen hat, seine Pläne: "Qualitätsfleisch von Schwein und Rind vom Bauernhof, gentechnikfrei, nachhaltig produziert, direkt und regional vermarktet, zu einem Preis, der die Verbraucher nicht abschreckt."

Das Konzept sei zwar nicht gleich die "Strohschweine-Revolution" in der Landwirtschaft, fügt Lisa Marie Lüsse an, aber "bietet dem Kunden Verlässlichkeit". Der gebürtigen Holdorferin, von Haus aus Rechtsanwältin, ist anzumerken, dass sie für den ganzheitlichen Ansatz auf dem mehr als 300 Hektar großen Hof "brennt". Ein Großteil des Konzeptes sei "stets unter hohem finanziellem Risiko, aber immer mit viel eigener Arbeit" bereits geschafft, dennoch hat die dreifache Mutter noch einen Traum: "Die eigene Schlachtung auf dem Hof und angegliedert die handwerkliche Verarbeitung des Fleisches." Bislang werden die Tiere unter anderem bei Brandt in Lohne geschlachtet, die Fleischerei Fischer in Vechta sorgt für Veredelung.

"Das Fleisch überzeugt durch den guten Geschmack, ist nicht wässrig."Sebastian Lüsse, Schweine- und Bullenmäster

Vermarktet wird das Fleisch aus Brockum bereits länger direkt. Einige Edeka- und Rewe-Märkte in der Region werden beliefert, auch an Gastronomie, Hofläden und Großhändler gehen die Erzeugnisse des Hofes. "Kunden, die unser Fleisch kennen, haben uns auch in der Corona-Krise die Treue gehalten", freut sich Lisa Marie Lüsse. "Das Fleisch überzeugt durch den guten Geschmack, ist nicht wässrig. Die Kunden bleiben, wenn sie merken, dass etwa beim Schweinefleisch 15 bis 20 Prozent mehr in der Pfanne bleibt", fügt Sebastian Lüsse hinzu.

Jetzt sollen - ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens - über einen Onlineshop weitere Endverbraucher in der Region die Möglichkeit erhalten, sich das Fleisch mit dem Markennamen "leckernatur" ins Haus zu holen. Dazu bietet die Familie Lüsse die "Fleischkiste" an. Die gekühlte Ware – Mindestmenge fünf Kilogramm – wird online bestellt und nach Terminvereinbarung direkt an die Kundenhaustür geliefert. Es gibt auch Abholstationen, die sich auf dem Hof und bei Fischer in Vechta befinden.

Das engere Liefergebiet in einem 25-Kilometer-Radius um Brockum versorgt der Hof selbst. Man liefert auch bis nach Cloppenburg, Osnabrück oder noch weiter aus, dann allerdings mithilfe der Logistik von Fischer oder anderer Transporteure.

Die Schweine haben im Außenbereich auch eine Suhle im Stroh. Foto: KühnDie Schweine haben im Außenbereich auch eine "Suhle" im Stroh. Foto: Kühn

Und was macht das "leckernatur"-Fleisch so besonders? Der studierte Landwirt Sebastian Lüsse, aufgewachsen auf einem Hof in der Ortsmitte von Emstek, verweist auf die Haltung und Ernährung der Tiere. Die rund 3000 Strohschweine auf dem Hof, eine Kreuzung aus Duroc und deutschem Edel- und Landschwein, werden nach den Kriterien der Haltungsstufe vier – Biostandard – gehalten. Ein Schwein hat danach 100 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben, erhält Klimareize über ein Offenstallkonzept. Die rund 450 Mastbullen haben ebenfalls Strohausläufe. Hier wird die Haltungsstufe drei erfüllt.

Das Getreide für die Futterherstellung wird auf den eigenen Flächen angebaut und in der Mühle auf dem Hof zu gentechnikfreiem Futter verarbeitet. Auf den Import von Sojaschrot als Eiweißträger verzichtet die Familie und setzt auf Lupine und Ackerbohne.

Hof-Fleisch liegt preislich deutlich unter dem Biopreis

Mit seiner Art zu produzieren und der Preisgestaltung bewege er sich zwar in einer "Nische" sagt Sebastian Lüsse, aber die Nachfrage sei da, steige sogar weiter. Er leugnet nicht, dass sein Fleisch mehr kostet als solches aus konventioneller Haltung. Aber: Auf dem Hof werde Fleisch auf Bioniveau erzeugt. Da der Hof auf die kostenintensiven Zertifizierungen der Biobranche verzichte, sei es aber dennoch günstig. "Kostet das konventionell erzeugte Schnitzel an der Fleischtheke 10,90 Euro das Kilo, liegen wir bei 14,90 Euro. Zertifiziertes Biofleisch wäre erheblich teurer, da wären 24,90 Euro zu zahlen."

"Für hohes Tierwohl soll der Verbraucher nicht mehr mit hohen Preisaufschlägen bezahlen müssen", sagt Lisa Marie Lüsse. Sei der Preis akzeptabel, werde der Verbraucher auch verstärkt zu tierwohlgerecht erzeugten Waren greifen. 


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