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Himbeeren - Made in Langförden

Rund um Langförden liegt das größte zusammenhängende Beerenobstanbaugebiet Deutschlands. Mittendrin zu finden ist die Versuchsstation der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

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Der geschützte Anbau von Himbeeren ist längst Standard, wissen Stationsleiter Felix Koschnick (links) und Beratungsring-Vorstandsmitglied Augustinus Moormann. Foto: Kühn

Der geschützte Anbau von Himbeeren ist längst Standard, wissen Stationsleiter Felix Koschnick (links) und Beratungsring-Vorstandsmitglied Augustinus Moormann. Foto: Kühn

Himbeeren aus heimischem Anbau sind derzeit ein gefragtes Gut. "Der Verbraucher wünscht Ware aus Deutschland", erklärt Christoph Hövelkamp, Geschäftsführer des Erzeugergroßmarktes Langförden-Oldenburg. Der Vermarkter von Beerenfrüchten und Gemüse aus dem Oldenburger Münsterland profitiert vom Trend zum deutschen Produkt.

Hövelkamp ist mit der Qualität der Himbeeren in dieser Saison "sehr zufrieden". Und: Die gute Qualität führe auch zu guten Preisen: Etwa zwei Euro muss derzeit im Handel für die 125-Gramm-Schale bezahlt werden. Die meisten der von Hövelkamp vermarkteten Himbeeren wachsen in Gewächshäusern und im Folientunnel. "Fast 90 Prozent stammen aus dem geschützten Anbau", sagt Hövelkamp. Nur noch ein geringer Teil der Himbeerpflanzen werde unter freiem Himmel kultiviert.

Die Erntezeit der Himbeeren im geschützten Anbau läuft auf Hochtouren – in kostenintensiver Handarbeit, ergänzt Felix Koschnick von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Laut Koschnick gilt die Himbeere unter den Erzeugern wegen ihrer guten Verkaufspreise, aber auch der hohen Erntekosten "als die Auster unter den Beerenfrüchten". Der Diplom-Agraringenieur ist Leiter der Versuchsstation Beerenobst in Langförden, einer Abteilung des Obstbauzentrums Jork.

Der Standort der Versuchsstation ist mit Langförden gut gewählt, liegt er doch inmitten des größten zusammenhängenden Beerenobstanbaugebietes Deutschlands. Der "Titel" gründet vor allem auf den großen Anbauflächen der Leitkultur in der Region, der Erdbeere.

Anbau unter Glas oder Folien schützt vor Schädlingen

Der Anbau von Himbeeren hat sich in der Region längst vom Freiland in den witterungsunabhängigen geschützten Anbau verlagert. Lebensmittelhandel und Verbraucher verlangen gesicherte Mengen und gute Qualitäten, erklärt Koschnick. Im Anbau unter Glas oder unter Folie gäbe es zudem weniger Schädlinge, was auch den Einsatz von Pflanzenschutzmittel – Koschnick nennt diese "Pflanzenmedizin" – erheblich reduziere. Auch Wetterunbilden wie Starkregen kann die empfindlichen Früchte nicht beschädigen.

Jetzt ist Erntezeit: Himbeeren aus dem geschützten Anbau haben einige Wochen Vorsprung vor denen, die unter freiem Himmel wachsen. Foto: PixabayJetzt ist Erntezeit: Himbeeren aus dem geschützten Anbau haben einige Wochen Vorsprung vor denen, die unter freiem Himmel wachsen. Foto: Pixabay

In der Versuchsstation Langförden werden momentan auf rund vier Hektar Fläche Versuche zu Sorten, Pflanzenschutz und Kulturtechnik durchgeführt. Derzeit sind unter anderen 52 Erdbeersorten und 23 Himbeersorten in der Prüfung. Auch "Exoten" und "Nischenprodukte" wie Kiwibeeren (Minikiwis), "die gut anlaufen", so Koschnick, und die Kamtschatkabeere, auch bekannt als sibirische Blaubeere, werden in Langförden auf ihre Eignung für den Anbau in Norddeutschland geprüft.

"Wir Beerenanbauer vor Ort profitieren unmittelbar von den Erkenntnissen der Versuchsstation."Augustinus Moormann, Beratungsring des Alten Landes

Als Nischenprodukte sieht auch Augustinus Moormann vom Vorstand des "Obstbauberatungsringes des Alten Landes e.V." Kiwi- und Kamtschatkabeeren. Rund 1.000 Mitglieder hat die Organisation, die wie eine Klammer zwischen der Wissenschaft und der landwirtschaftlichen Praxis wirkt. "Wir Beerenanbauer vor Ort profitieren unmittelbar von den Erkenntnissen der Versuchsstation", sagt der Erdbeeranbauer aus Deindrup.

Generell seien die Sortenempfehlungen ein wichtiges Element für die wirtschaftliche Arbeit in den Erwerbsbetrieben. Deshalb laufen einige großflächige Versuche auch direkt auf den Flächen von Beeren anbauenden Betrieben in der Region. Längst spielen zudem die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität eine sehr wichtige Rolle. In diesem Kontext sei die Überprüfung des Ressourceneinsatzes auf den Feldern äußerst wichtig. Die Sortenversuche der Station würden wertvolle Hinweise liefern.

2019 wurden in Niedersachsen 346 Tonnen Himbeeren geerntet

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ernteten in Niedersachsen im vergangenen Jahr 65 Betriebe auf 90 Hektar Anbaufläche rund 346 Tonnen Himbeeren, darunter waren sieben Öko-Betriebe mit einer Ernte von 3,5 Tonnen. Die Strauchbeerenarten mit den größten Erntemengen in Deutschland im Jahr 2019 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Kulturheidelbeeren (14.800 Tonnen). Der Selbstversorgungsgrad liegt trotz dieser großen Menge an Blaubeeren aber nur bei rund einem Fünftel der vermarkteten Gesamtmenge, sagt Koschnick. Ziel müsse es sein, mehr Beeren in Deutschland zu produzieren, was ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens wäre.

Der heimische Beerenobstanbau soll also an Bedeutung zunehmen. Auch deshalb wird die Versuchsstation in Langförden bald vergrößert. Der alte Verwaltungsbau an der Spredaer Straße soll aufgegeben, ein neuer bei den Versuchsflächen an der Repker Straße errichtet werden. 25 Arbeitsplätze sollen eingerichtet werden. Vorausgesetzt "das Geld dafür ist da", könnte das "Kompetenzzentrum Beerenobstanbau" laut Koschnick schon im Jahr 2021 bezogen werden.

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