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Harter Sommer-Start im Tourismus

Urlaub in Niedersachsen ist wieder zwangloser möglich. Doch die Corona-Konsequenzen machen dem Fremdenverkehr nach wie vor mächtig zu schaffen.

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Urlauber sind willkommener denn je: Die Coronakrise macht der Tourismusbranche in Niedersachsen immer noch schwer zu schaffen. Symbolfoto: dpa

Urlauber sind willkommener denn je: Die Coronakrise macht der Tourismusbranche in Niedersachsen immer noch schwer zu schaffen. Symbolfoto: dpa

Niedersachsens Tourismusbranche spürt zum Start der Sommerferien weiter die schweren Folgen der Corona-Krise und rechnet frühestens 2021 mit einer durchgreifenden Erholung. Umso wichtiger sei es, dass bedrohte Betriebe im Gast- und Reisegewerbe nun rasch die neuen Überbrückungshilfen beantragen können, heißt es beim Dachverband der Industrie- und Handelskammern (IHKN).

In der aktuellen Saisonumfrage zeigen sich trotz des Endes der meisten Einschränkungen gravierende Auswirkungen der Viruskrise. Laut der Untersuchung, die der IHKN Ende Juni abschloss, glauben mehr als drei Viertel (knapp 77 Prozent) aller Betriebe, dass erst im Laufe des kommenden Jahres eine normale Geschäftslage zurückkehren kann - sofern es keine weiteren größeren Covid-19-Ausbrüche gibt. Nur 11,6 Prozent können sich dies für die zweite Jahreshälfte 2020 vorstellen. Und 9 Prozent glauben, dass es nie mehr so sein wird wie vor Corona.

"Für etliche Unternehmen, die auf den Tourismus angewiesen sind, ist das Jahr so gut wie abgeschrieben."Kerstin Kontny, Tourismus- und Verkehrsexpertin der IHK Emden

Über die Hälfte der befragten Unternehmen (etwa 52 Prozent) erwartet 2020 einen Umsatzrückgang um mehr als 50 Prozent. Bei den Gastronomen sind es rund 57, bei Beherbergungsbetrieben 51 Prozent. Noch häufiger sprechen Reisebüros und -veranstalter von drastischen Abnahmen. Nur Betreiber von Campingplätzen, die relativ früh wieder öffnen durften, sehen die Situation optimistischer: 10 Prozent richten sich auf hohe Erlöseinbußen ein, während 13 Prozent keine große Veränderung sehen.

«Für etliche Unternehmen, die auf den Tourismus angewiesen sind, ist das Jahr so gut wie abgeschrieben», sagte Kerstin Kontny, Tourismus- und Verkehrsexpertin der IHK Emden. «Ein Großteil kann derzeit nicht normal arbeiten. Und viele haben immer noch das doppelte Problem, dass Reisen abgesagt wurden und gleichzeitig Neubuchungen fehlen. Die weitere Entwicklung der Nachfrage sowie die künftige Finanzierung nahmen in der Einschätzung der Risiken zuletzt am stärksten zu.

"Die Stimmung ist eine Mischung aus Entschlossenheit und Sorge vor einem zweiten Lockdown."Arno Ulrichs, Tourismus- und Verkehrsexperte

«Auf den Inseln und im Harz belebt sich das Geschäft zwar durchaus», sagte Kontnys Kollege Arno Ulrichs. «An der Küste sind die Betriebe froh, dass wieder fast alles zu 100 Prozent möglich ist. Aber es ist nicht so wie im Vorjahr.» Die Fahrpläne der Fähren seien noch ausgedünnt, der Tagestourismus eingeschränkt. «Die Stimmung ist eine Mischung aus Entschlossenheit und Sorge vor einem zweiten Lockdown. Außerhalb der touristischen Hotspots ist die Situation zudem deutlich schwieriger.»

Befragt nach den momentan drängendsten Problemen, nannten vier von fünf Unternehmen des Gastgewerbes (81 Prozent) Stornierungen der Kunden, 75 Prozent eine sinkende Nachfrage und 61 Prozent weniger Investitionsmittel. Bei 43 Prozent stand im Befragungszeitraum bis Ende Juni der Betrieb ganz still - beim Reisegewerbe im engeren Sinne sogar zu 79 Prozent. In 1 Prozent der Fälle kam es zu Insolvenzen.

Hoffnung auf finanzielle Hilfen bis Ende Juli

Die Politik müsse die angekündigten Zusatzhilfen für mittelständische Firmen jetzt möglichst schnell umsetzen, forderte Ulrichs. Auch die 120 Millionen Euro, die aus dem jüngsten Nachtragshaushalt des Landes für den Fremdenverkehr bestimmt sind, sollten umgehend fließen können. «Ich erwarte, dass spätestes in der nächsten Woche Anträge entgegengenommen werden können und alle Richtlinien veröffentlicht sind. Ende Juli sollten die ersten Hilfen dann ausgezahlt werden können - viel länger darf es nicht dauern, sonst ist es zu spät.»

IHKN-Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt betonte, auch die mit dem Tourismus und Gastgewerbe eng verbundene Veranstaltungs- sowie die Schaustellerbranche müssten effizientere Unterstützung erhalten. Er appellierte an die öffentliche Hand, auch bei Überbrückungsdarlehen über eine vollständige Übernahme von Bürgschaften nachzudenken - ähnlich wie bei den ersten Hilfsprogrammen im Frühjahr. Viele Banken würden sich sonst zu sehr zurückhalten, nötige Kredite zu bewilligen.

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