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Große Angst bei 500 Mitarbeitern: Will ZF das Werk EI in Diepholz verkaufen?

Auf einer Betriebsversammlung am Freitagmorgen (26. März) wurde ein möglicher Verkauf der Produktlinie Schaltsysteme zum Thema. ZF-Sprecher Tausch: Es werden derzeit keine Verkaufsgespräche geführt.

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Rund um den Dümmer hat Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen noch 5 Werke. In Damme wird das Werk 2023 geschlossen, jetzt soll der Konzern Verkaufsabsichten für das "EI"-Werk in Diepholz hegen. Foto: ZF 

Rund um den Dümmer hat Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen noch 5 Werke. In Damme wird das Werk 2023 geschlossen, jetzt soll der Konzern Verkaufsabsichten für das "EI"-Werk in Diepholz hegen. Foto: ZF 

Noch in der vergangenen Woche hatte der Leiter der weltweiten Aktivitäten der Division Fahrwerktechnik des ZF-Konzerns, Dr. Peter Holdmann, quasi eine Bestandsgarantie für die Werke des Automobilzulieferers rund um den Dümmer gegeben. Jetzt haben die Arbeitnehmer im Diepholzer Werk "EI - Electronic Interfaces", in dem 500 Menschen beschäftigt sind, Angst um ihre Jobs. Auf einer Betriebsversammlung am Freitagmorgen (26. März) war laut der Aussage von Teilnehmenden die Rede von einem "Verkauf" dieses Werkes, in dem Schaltsysteme hergestellt werden. Die Vertreter der IG Metall sprechen von einem "faulen Ei", dass der Konzern den Kollegen ins Osternest gelegt habe.

Holdmann hatte zuletzt angegeben, dass der Standort Damme im Jahr 2023 aufgegeben wird, weil dort der Mietvertrag für die Produktion gekündigt wird. Für Diepholz, hier gibt es mit dem C-Werk und dem Werk "EI" zwei Standorte – hatte er eine Neuausrichtung auf den Standard "Industrie 4.0" versprochen. Die dortige digitale Offensive in allen Bereichen der Produktion wollte er auch als "Blaupause" für die Umrüstung der Werke im Gesamtkonzern verstanden wissen.

"ZF überprüft regelmäßig seine Geschäftsfelder und Produktlinien."Florian Tausch, Sprecher der ZF-Division Fahrwerktechnik

Der Sprecher der in Dielingen beheimateten Zentrale der ZF-Division Fahrwerktechnik, Florian Tausch, meinte mit Blick auf das "EI"-Werk auf Anfrage von OM online: "ZF überprüft regelmäßig seine Geschäftsfelder und Produktlinien unter dem Aspekt, wie gut sie zur strategischen Ausrichtung des Konzerns passen", so der Sprecher. Es gehe dabei um die Frage, die sich jedes Unternehmen stelle: Ob sich Produkte "mittel- und langfristig profitabel und zukunftssicher entwickeln können". Das sei erforderlich "um die Herausforderungen des industriellen Wandels in den nächsten Jahren erfolgreich zu meistern. Manche Geschäftsfelder können zur Umsetzung dieser Strategie mehr, andere weniger beitragen".

Für die in Diepholz beheimatete ZF-Produktlinie "EI" habe eine erste Prüfung die Frage aufgeworfen, ob denn diese Sparte "nicht bei einem anderen Eigentümer besser aufgehoben wäre". Um das festzustellen, habe ZF "einen marktüblichen Prozess" aufgesetzt, um festzustellen, ob es möglicherweise "geeignete Interessenten" gibt. Tausch stellte klar, dass es "nicht um den Verkauf des Werkes, die Schließung in Diepholz" gehe. Im Fokus stehe die Produktlinie. Der gesamte Prozess befinde sich in einem sehr frühen Stadium, es sei "nichts spruchreif" und "schon gar nichts entschieden".

Tausch wies auf die Beschäftigungssicherung im Rahmen der Tarifverträge Transformation hin. Danach können bis Ende des Jahres 2022 im Rahmen der mit den Arbeitnehmervertretungen vereinbarten "Rettungsgasse" keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden. "Normalerweise hätte ZF solche Informationen, wie sie jetzt an die Öffentlichkeit gekommen sind, ausschließlich in einem internen Prozess diskutiert", so Tausch. Arbeitgeber und Arbeitnehmer würden gemeinsam die neuen "Zielbilder entwickeln". Die strategische Neuausrichtung des Konzerns erfolge in "intensiven Gesprächen der beiden Seiten". 

Gewerkschaftsvertreter sind über Aussagen in Betriebsversammlung "entsetzt"

Gewerkschaftsvertreter äußerten sich "entsetzt". Die Ankündigung in der Versammlung  entspreche "nicht der vereinbarten Zielbildfindung für alle Werke rund um den Dümmer". Noch 2017 sei zugesichert worden, die Beschäftigtenzahlen dauerhaft abzusichern, dafür verzichteten die Mitarbeiter seither in jedem Monat auf 2 Prozent ihres Gehaltes. Im Gegenzug sollten neue Technologien rund um den Dümmer finanziert und angesiedelt werden können. Wie die Arbeitnehmerseite nun reagiert, steht nach Aussage von Gewerkschaftsvertretern noch nicht fest. Bislang kenne man lediglich die Aussagen von ZF in der Versammlung.

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