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Graepel will indischen Markt erobern

Der Löninger Lochblechhersteller hat einen Produktionsstandort im nordindischen Chandigarh aufgebaut.

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Weitgehend abgeschlossen: Im Sommer soll am neuen Standort  mit der Produktion von Lüftungsgittern begonnen werden. Foto: Graepel

Weitgehend abgeschlossen: Im Sommer soll am neuen Standort  mit der Produktion von Lüftungsgittern begonnen werden. Foto: Graepel

Den indischen Markt erobern will der Löninger Lochblechhersteller Graepel. Im Norden, in Chandigarh, in der europäischsten aller indischen Städte, sind die Arbeiten am neuen Produktionsstandort bereits weitgehend abgeschlossen. „Die Maschinen stehen, alle Genehmigungen liegen vor, nach dem zweimonatigen Stillstand der Baustelle durch Corona ist im Herbst der Produktionsbeginn“, erläutert Vorstandsmitglied Carlo Graepel die rund vier Millionen Euro teure Investition. Bereits vor sechs Jahren seien die ersten Gespräche geführt worden, nachdem neue Strategien und Märkte untersucht worden seien, an welchem Standort  expandiert werden sollte.

Indien sei dabei unter Berücksichtigung wichtiger Kriterien als zukunftsträchtigster Markt sowohl was den Absatz als auch die Rechtssicherheit in der größten Demokratie der Welt betrifft, herausgefiltert worden. Auch die langen Lieferzeiten, die langwierigen Zollabwicklungen und die Kosten hätten für einen eigenen Standort gesprochen.

Europäische Herstellung: 140.000 Traktoren jährlich

Die Dimensionen des Marktes auf dem indischen Subkontinent mit mehr als einer Milliarde Menschen verdeutlicht allein die Größe der Traktoren-Produktion. Dort benötigen 850.000 Traktoren im Jahr Lüftungsgitter. Dabei handelt es sich um indische Hersteller vor allem der Marke Solis, die auch nach Europa exportiert wird.

Wie groß der mögliche Absatz ist, zeigt der Vergleich mit Europa, wo 140.000 Traktoren jährlich hergestellt werden und zu Deutschland, wo es 28.000 Einheiten sind. In Indien stark vertreten sind auch John Deere mit 100.000 Traktoren und der deutsche Mähdrescher-Hersteller Claas, beide seit vielen Jahren Graepel-Kunden.

Vielversprechender Auftakt

Weitere Absatzbereiche für das Know-how, viel Luft durch möglichst feines Blech zu bringen, sieht Graepel bei dem englischen Baumaschinen-Hersteller JCB, im Bereich von Lüftungsgittern, E-Bussen und Klima-Anlagen. Deutschen Unternehmen eile auch in Indien ein guter Ruf voraus, was Qualität „Made in Germany“ angehe. Daher sei auch in Indien von Anfang an der deutsche Qualitätsstandard die Grundlage der Produktion, die von Stefan Krahl, dem bisher am Standort Seehausen für die Qualität Verantwortlichen, als Geschäftsführer geleitet wird. Der Auftakt ist vielversprechend für die bisher in Indien nicht genutzte Sechskant-Lochung: Es seien bereits mit einheimischen und internationalen Unternehmen in Indien Projekte im Wert von 2,5 Millionen Euro  für dieses Jahr vereinbart worden.

Botschaften unterstützen das Projekt

Mittelfristiges Umsatzziel mit den auf Dauer rund 100 Beschäftigten sei zehn Millionen Euro. Machbar sei aufgrund des großen Marktes und des Potenzials langfristig eine ähnliche Größenordnung wie in Löningen. In Indien werde von Anfang an die komplette Wertschöpfungskette vom eingekauften Blech bis zum fertigen Produkt aufgebaut, da wegen der Transportkosten und des europäischen Lohnniveaus die Lieferung von Halbfertigwaren keinen Sinn ergebe, so das Vorstandsmitglied. Tatkräftig unterstützt werde das Projekt, das Teil der Mittelstands-Initiative des indischen Premierministers Modi ist, auch von den jeweiligen Botschaften in Berlin und Neu-Delhi. 

Die Wahl sei auf die 260 Kilometer von Delhi entfernt gelegene Stadt Chandigarh wegen der Nähe zu den Produzenten, der sauberen und sicheren Umgebung, des Klimas und des guten Gesundheitswesens als wichtige Faktoren gefallen, erläutert Graepel.

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