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Gleich zwei globale Krisen treffen Automobilzulieferer Boge hart

Erst bricht der Fahrzeugabsatz ein, dann die Corona-Pandemie aus: 2019 war schon kein gutes Jahr für das Unternehmen, 2020 wird wohl noch schlechter.

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Gute Miene, schlechte Aussichten: Boge-Chef Dr. Torsten Bremer rechnet mit einer weiter sinkenden Nachfrage. Foto: Boge

Gute Miene, schlechte Aussichten: Boge-Chef Dr. Torsten Bremer rechnet mit einer weiter sinkenden Nachfrage. Foto: Boge

Es läuft nicht rund beim weltweit tätigen Automobilzulieferer Boge mit Zentrale in Damme: Erstmals seit 2009 ist der Umsatz im Vorjahresvergleich rückläufig, wie das Unternehmen gestern am Hauptsitz mitteilte. Demnach wurden im Geschäftsjahr 2019 Erlöse in Höhe von etwa 795 Millionen Euro erwirtschaftet – 4,9 Prozent weniger als noch 2018.

Der Ausblick in die kommenden Jahre ist düster

Und nicht nur das: Hoffnung auf bessere Zeiten gibt es offenbar aktuell nicht. „2020 wird noch dramatischer. Auch für 2021 und 2022 werden wir unsere Erwartungen nach unten korrigieren müssen“, sagte Boge-Chef Dr. Torsten Bremer om-online.

Die Gründe liegen auf der Hand: Boge – Spezialist für Schwingungstechnik und Kunststoffmodule – ist von gleich zwei globalen Krisen hart getroffen worden. Zunächst brach seit 2018 infolge sinkender Nachfrage der Automobilabsatz nachhaltig ein. Ursachen seien sowohl „die Diskussionen um alternative Antriebssysteme“ und die daraus resultierenden „Unsicherheiten“ gewesen, aber auch „die Handelskonflikte zwischen China und den USA“, erklärte Bremer.

Aktuell bekommt das Unternehmen – wie viele andere auch – die Auswirkungen der Corona-Pandemie massiv zu spüren: Viele Automobilfabriken stehen still. Somit hätten weltweit auch alle eigenen Werke – mit Ausnahme der chinesischen Standorte – zuletzt kaum noch Lieferabrufe zu vermelden, hieß es.

„Wir brauchen einen schnellen Hochlauf und keinen langsamen Anlauf“Boge-Chef Dr. Torsten Bremer

Das alles wirkt sich auch auf das Werk am Stammsitz in Damme aus. Dort allein sind fast 1000 der insgesamt etwa 4000 Mitarbeiter beschäftigt. In weiten Teilen herrscht Kurzarbeit. Besonders hoch war der Anteil der davon Betroffenen Anfang April. „Rund um Ostern waren mehr als 75 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit“, so Bremer. Derzeit sinke der Anteil. Dennoch gibt er sich keinen Illusionen hin: „Wir werden auch in den nächsten Monaten noch Kurzarbeit haben.“

Denn: Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet Bremer mit einem weiteren deutlichen Nachfrageeinbruch auf dem gesamten globalen Markt. „Diese Rahmenbedingungen werden sich natürlich auch auf unser Geschäft auswirken“, führte er aus. Aktuell würden einschlägige Analysten den zu erwartenden Produktionsrückgang auf etwa 20 Prozent beziffern. Auch für 2021 und 2022 sei die Erwartungshaltung „gedämpft“, weil sich die Wirtschaft nur langsam erholen werde und Kaufkraftverluste bei den Konsumenten hinzukämen.

Es gibt auch Positives zu berichten

Gleichwohl gibt es auch gute Nachrichten bei Boge: Im Osnabrücker Wissenschaftspark, direkt am Hochschulcampus, wurde ein sogenanntes Innovation Center gegründet. Hier sollen Ideen für neue und wettbewerbsfähige Produkte und Systemlösungen entwickelt werden – auch jenseits des Automotive-Marktes – etwa für den Eisenbahnverkehr oder die Landwirtschaft. „Es muss schließlich ein Morgen geben“, begründete Bremer die Investitionen.

Wie und in welchem Umfang es derweil in Damme weitergeht, wird auch davon abhängen, wann die Automobilproduktion wieder anläuft. „Wir brauchen einen schnellen Hochlauf und keinen langsamen Anlauf“, forderte der Boge-Chef.

Betriebsbedingte Kündigungen für das Stammpersonal in den deutschen Werken – neben Damme auch Bonn und Simmern – sind derweil gegenwärtig nicht möglich. Das ist Bestandteil eines 2019 beschlossenen Tarifvertrags zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung.


Fakten:

  • Die Boge Rubber & Plastics Group ist ein global tätiger Automobilzulieferer.
  • Das Unternehmen mit der Zentrale in Damme ist an elf Standorten präsent, drei in Deutschland, drei in China sowie jeweils einer in Frankreich, Brasilien, Mexiko, den USA und der Slowakei.
  • Eigentümer von Boge ist die chinesische Zhuzhou Times New Material Technology Co., Ltd. (TMT).

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