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Gastro-Szene: Stimmung ist "niederschmetternd"

Viele Mitarbeiter aus der Gastronomie wechseln im Shutdown die Branche, um den finanziellen Engpass zu kompensieren, sagt DeHoGa-Geschäftsführerin Hildegard Kuhlen im Interview.

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Geschlossene Gastronomie und kein Ende in Sicht: Die Stimmung in der Branche hat einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht.Symbolfoto: dpa

Geschlossene Gastronomie und kein Ende in Sicht: Die Stimmung in der Branche hat einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht.Symbolfoto: dpa

Geschlossene Restaurants, leere Hotels und kein Ende in Sicht: Man muss kein Insider sein, um sich die Stimmungslage in der Gastronomie vorstellen zu können...

Die Stimmungslage in der Gastronomie ist in der Tat niederschmetternd. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind natürlich katastrophal. Das Schlimmste ist, dass es keine wirkliche Perspektive gibt, wann es wieder „normal“ wird. In der Branche glaubt niemand, dass Mitte Februar das Geschäft wieder losgehen kann.

Sie sprechen von katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Gastroszene. Was heißt das konkret? Werden es viele tatsächlich nicht schaffen, erwarten Sie einen massiven Einbruch?

Das statistische Bundesamt hat gerade die Umsätze in der Branche für das Jahr 2020 veröffentlicht. Danach ist im November 2020 der Gastgewerbeumsatz preisbereinigt um 67,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken (-66,4 %). Die Hotels und sonstigen Beherbergungsunternehmen setzten preisbereinigt 82,2 Prozent weniger um, in der Gastronomie fiel der Umsatz gegenüber November 2019 um 60,1 Prozent. Innerhalb der Gastronomie lag der preisbereinigte Umsatz der Caterer im November 2020 um 45,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Die Zahlen für den Dezember dürften noch schlechter sein. Für das Gesamtjahr 2020 prognostiziert das Statistische Bundesamt für das Gastgewerbe einen Umsatzrückgang von rund 38 Prozent (nominal: -36%) gegenüber 2019. Bis einschließlich November lag das Minus bei knapp 36 Prozent Das sind durchschnittliche Zahlen. Viele Betriebe sind noch härter betroffen. Es gibt ja Betriebe, die haben in 2020 seit dem ersten Lockdown so gut wie gar keinen Umsatz gemacht. Denken Sie mal an die vielen Saalbetriebe in der Region oder auch an die Diskotheken und generell an die Bereiche der Gastronomie, die ihr Geld mit Veranstaltungen und Getränkeumsatz machen. Wer keine Rücklagen hatte, bleibt auf der Strecke. Laut einer Umfrage des DeHoGa sehen sich 71,3 % der gastgewerblichen Betriebe in ihrer Existenz gefährdet. Es ist in der Tat zu befürchten, dass Viele den Betrieb schließen werden.

Hildegard Kuhlen. Foto: ArchivHildegard Kuhlen. Foto: Archiv

Vermutlich ist die frühe Schließung und späte Öffnung in der Gastronomie für die Betroffenen nur schwer nachzuvollziehen, weil gerade in dem Bereich sehr schnell und konsequent alle Corona-Hygienevorschriften umgesetzt wurden. Zeigen die Wirte, Hoteliers und Restaurantbetreiber noch Verständnis für die Anordnungen der Regierung?

Das ist schwer zu beantworten. Es verhält sich in der Gastronomie genauso wie im sonstigen Leben. Die einen haben Verständnis und sehen die Notwendigkeiten, die anderen sehen das anders. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass in der Gastronomie die Hygiene -und Verhaltensregeln wesentlich besser eingehalten werden, als im privaten Bereich.

Stichwort: Novemberhilfe/Dezemberhilfe. 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahr, gleichzeitige Einsparung bei den Kosten aufgrund von Kurzarbeit bei den Mitarbeiter(-innen), weniger Energiekosten, keine Aushilfen und kein Wareneinkauf. Viele Menschen bewerten diese Unterstützung mehr als großzügig. Eine falsche Einschätzung?

Die Ersparnis durch die Kurzarbeit wird bei der November- und Dezemberhilfe angerechnet. Dennoch ist die Branche mit dieser Unterstützung grundsätzlich zufrieden. Wir sehen darin auch eine Art Kompensation für die Einschränkungen, die die Branche wegen des Shutdowns im Frühjahr und durch den Neustart mit den Abstandsregelungen und den Kapazitätsbeschränkungen hatte. Reich wird dadurch jedoch niemand. Die Hilfen machen es überhaupt nur möglich, diese Phase wirtschaftlich zu überstehen. Ansonsten gäbe es noch mehr Pleiten. Bitte bedenken Sie auch, dass die Gastronomie ohne jedes Verschulden in diese missliche Lage geraten ist.

Wie sieht denn eigentlich die Unterstützung ab Januar aus?

Ab Januar gibt es die sogenannte Überbrückungshilfe III. Da wird dann nicht der Umsatz aus dem entsprechenden Monat im Vorjahr herangezogen, sondern es geht um die Erstattung der Fixkosten, soweit man einen Umsatzeinbruch von wenigstens 30% nachweisen kann.

Sind die Gelder inzwischen bei den Betrieben angekommen? Schließlich laufen die Fixkosten wie Miete ja schonungslos weiter.

Teilweise. Inzwischen haben aber die meisten Betriebe Abschlagszahlungen erhalten.

Wäre eine Teil-Öffnung mit einer Reduzierung der Gästezahl eine Alternative für die Branche?

Das ist schwierig. Meistens lässt sich mit halbvollen Betrieben kein Geld verdienen. Allerdings wäre viele unserer Mitglieder froh, wenn sie überhaupt einmal wieder Gäste haben könnten.

Vermutlich warten die Mitarbeiter auch nicht alle darauf, nach dem Shutdown wieder zurückzukehren, sondern müssen sich umorientieren...

Genau das ist ein weiteres großes Problem. Für viele Gastronomen wird es schwer werden, in voller Stärke wieder zu öffnen, weil die Mitarbeiter fehlen. Viele haben sich während der zweiten Kurzarbeit-Phase umorientiert, um den finanziellen Engpass zu kompensieren. Zum Beispiel beim Gartenbau oder in Supermärkten. Das macht deutlich, dass nicht nur die Betriebe selbst, sondern auch die vielen Mitarbeiter direkt von der Schließung der Gastronomie betroffen sind.

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