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Für Vechtas Kreislandvolkvorsitzenden Johannes Wilking "sieht der Mais blendend aus"

Die Wintergerste ist im Kreis Vechta überwiegend abgeerntet. Von Gewicht und Qualität sind die Bauern aber eher enttäuscht. Dennoch: Von den guten Niederschlägen hat nicht nur der Mais profitiert.

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Nach 3 Dürrejahren rechnen die Landwirte in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Getreideernte. Foto: dpa / Michael

Nach 3 Dürrejahren rechnen die Landwirte in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Getreideernte. Foto: dpa / Michael

Die Wintergerstenbestände sind überwiegend geerntet, viele Felder bereits leer. Mit dem allgemeinen Beginn der Ernteperiode rechnen die Pflanzenbaufachleute der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen allerdings erst bei Einsetzen trockener Witterungsbedingungen. Da durch Trockenheit geschädigte Bestände dieses Jahr die Ausnahme waren, reift das Getreide relativ gleichmäßig ab.

Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkes Vechta, zeigt sich angesichts der Wetterunbilden der vergangenen Jahre "zufrieden" mit den sich abzeichnenden Mengen und Qualitäten. Seien die Landwirte von 2018 bis 2020 nicht vom Wetter verwöhnt gewesen, seien die Niederschläge in diesem Jahr fast immer zur "rechten Zeit gefallen", um das Wachstum der Pflanzen zu fördern. Besonders „der Mais sieht blendend aus“. Die Ernte 2021 finde bislang unter recht normalen Umständen statt und nicht so wie "im Jahr 2017, wo es sehr, sehr nass" gewesen sei. Seinerzeit habe man die Wintergerste mit Maschinen eingebracht, die Kettenantrieb gehabt hätten, "sonst wären sie auf den Feldern eingesunken".

Nach Angaben des Niedersächsischen Landvolks ist die Anbaufläche für Gerste von gut 155.000 Hektar im Jahr 2020 auf rund 150. 000 Hektar gesunken. Das entspreche dem Trend in Deutschland, wo die Anbaufläche von 1,31 Millionen Hektar auf 1,27 Millionen Hektar sank. Durchschnittlich wurden 2020 in Deutschland 67 Dezitonnen pro Hektar geerntet. In Niedersachsen lag dieser Wert mit 69,5 zuletzt etwas höher.

Vechtas Kreislandvolkvorsitzender Dr. Johannes Wilking. Foto: KühnVechtas Kreislandvolkvorsitzender Dr. Johannes Wilking. Foto: Kühn

"Für unsere Region brachte neben dem späten Wachstumsbeginn das kühle Wetter auch Vorteile. So war der Infektionsdruck bei den Pflanzen sehr niedrig. Dementsprechend brauchte es auch geringere Pflanzenschutzmaßnahmen in diesem Jahr", weiß Wilking.

Von den Getreiden seien allerdings Standfestigkeit und Halmstabilität gefordert, sagt Carsten Rieckmann, Leiter des Sachgebietes Mähdruschfrüchte bei der Kammer. Aufgrund der Niederschläge zeigten sich in einigen Beständen deutliche Lagerstellen. Halme knicken bodennah um. Hiervon seien nicht nur die Gerstenflächen, sondern auch weitere Getreidearten betroffen.

Getreideanhänger ist voll, wiegt aber weniger als erwartet

Rieckmann befürchtet: Sollte die recht unbeständige Witterung länger anhalten, könnte sich das insbesondere auch auf die Qualitäten negativ auswirken. Das bestätigt auch Wilking für die Lage im Landkreis. Nach dem Abschluss der Gerstenernte überwiege "ein wenig die Enttäuschung. Der Anhänger ist voll, wiegt aber weniger als erwartet. Das sogenannte Hektolitergewicht ist deutlich geringer ausgefallen als gedacht. Das bedeutet, dass die Qualität des Getreides geringer ist. Dafür haben wir in der Regel mehr Gerste als in den vergangenen Jahren geerntet."

In Weizen- und Triticalebeständen wurden nesterweise Pflanzen mit hellen Ähren gefunden. Laut Dr. Hendrik Hanekamp, Leiter des Sachgebiets Mykologie beim Pflanzenschutzamt der Kammer, ist dieses Symptom der sogenannten Taubährigkeit vielfach auf einen über den Boden übertragbaren pilzlichen Erreger zurückzuführen. Das Wurzelwerk der betroffenen Pflanzen ist stark geschädigt, wodurch die Wasserversorgung gestört ist; Ähre und Pflanze sterben letztlich ab.

"Das wechselhafte Wetter macht die Ernte komplizierter", erklärt Wilking. "Schließlich müssen Korn und Stroh für die Weiterverarbeitung reif und möglichst trocken sein. Das ist dieses Jahr etwas herausfordernder. Wie sich die weitere Ernte und die Qualität bei Weizen, Roggen, Triticale und Raps entwickeln, deren Ernten derzeit anlaufen", werde sich erst noch zeigen.

Profitieren von der insgesamt guten Wasserversorgung der Böden in diesem Frühsommer konnten Sommerweizen, -gerste und -hafer sowie die Leguminosen. Die Bestände präsentieren sich laut Kammer derzeit überall ebenfalls durchweg gut und lassen entsprechend hohe Ertragserwartungen zu.

Die Rapsanbauer erhalten in diesem Jahr hohe Preise

Die Rapsfläche hat sich niedersachsenweit 2021 gegenüber dem Vorjahr auf etwa 85.000 Hektar erhöht und die Pflanzen versprechen ebenfalls gute Leistungen. Die Preise für den Raps haben stark angezogenen. "Die gesunkene Zahl an Bauern, die in diesem Jahr im Kreis Vechta Raps angepflanzt haben, werden nach den Schwankungen der vergangenen Jahre jetzt belohnt", sagt Wilking, "denn die Preise sind hoch".

Die guten Notierungen in diesem Jahr haben laut Kammer viele Landwirte veranlasst, bereits entsprechende Vorkontrakte für die kommende Ernte 2022 abzuschließen. Die Kammer spricht bereits von einer "Renaissance" im Rapsanbau.

"Grundsätzlich", so Wilking, mache er sich wegen des großen Flächendrucks Sorgen um seinen Stand. Aktuell würden "deutschlandweit pro Tag 58 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche versiegelt. Das ist mehr als ein Vechtaer Durchschnittsbetrieb Fläche hat." Wie bei weiter ungebremstem Flächenverbrauch die Ziele des Niedersächsischen Weges erreicht werden sollen, der vorsehe, den Nettoverbrauch auf Null zu bringen, "ist mir noch ein Rätsel".

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