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Führt das Lohner Gründerprogramm zu einer Wiederbelebung der Innenstadt?

Ein Stoffladen, ein Hörakustiker und eine Schneiderei wollen sich in der Innenstadt niederlassen. Gefördert werden sie durch die Stadt. Doch immer noch gibt es rund 20 Leerstände.

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Werden gefördert: Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet (rechts) und Wirtschaftsförderin Anne Nußwaldt (links) gratulierten den Gründern (von links): Christian Miersch & Nicole Kühling, Simone Töpfel sowie Julia Tschikin. Foto: Hense/Stadt Lohne

Werden gefördert: Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet (rechts) und Wirtschaftsförderin Anne Nußwaldt (links) gratulierten den Gründern (von links): Christian Miersch & Nicole Kühling, Simone Töpfel sowie Julia Tschikin. Foto: Hense/Stadt Lohne

Der Leerstand in der Lohner Innenstadt könnte in den nächsten Monaten weniger werden: Im Rahmen des Gründerprogramms "Neue Läden. Neues Leben." werden sich drei neue Geschäfte in der Innenstadt ansiedeln. Ein Stoffladen, ein Hörakustiker und eine Schneiderei wollen dem Ladensterben trotzen. Gefördert werden sie von der Stadt Lohne.

Bereits seit 7 Jahren hat Simone Töpfel an der Bakumer Straße ein kleines Geschäft für Stoffe und Kurzwaren, gebunden an einen Online-Shop namens "Die Zauberfee". Töpfel ist vielen Lohnern laut eigenen Angaben unbekannt. Das wolle sie nun ändern. Sie habe schon länger darüber nachgedacht, ob sie ihren Laden nicht vergrößern solle. "Ohne das Förderprogramm hätte ich meinen Laden sicherlich nicht vergrößert", sagt sie. Das finanzielle Risiko sei einfach so groß. Über das Förderprogramm erhält Töpfel insgesamt 10.000 Euro.

Töpfel erklärt, dass sie dazu beitragen möchte, die Innenstadt von Lohne wiederzubeleben. "Es kann sich nicht jeder zurücklehnen und sagen, die anderen machen das schon", sagt die 54-Jährige. Sie plant, ihr Geschäft in der Innenstadt zum Herbstanfang 2022 zu eröffnen. Die genaue Adresse der Immobilie wolle sie noch nicht verraten, da der Mietvertrag nicht unterschrieben sei. Töpfels Ladenvergrößerung führt auch dazu, dass sie nun erstmals Mitarbeiter einstellen möchte.

Anfang Juni soll am Neuen Markt ein Hörakustustiker eröffnen

Töpfel betont, dass sie zwar mit der Ladenvergrößerung ein relativ großes Risiko eingehe, aber auf diesen Schritt mutig und optimistisch schaue. Die Innenstadt biete für sie den Vorteil, dass ihr Laden von Laufkundschaft profitieren könnte.

Mit 5000 Euro wird eine weitere Neugründung in der Innenstadt gefördert. Wie auch die anderen Gründer haben sich die Vechtaer Hörakustiker-Meister Nicole Kühling und Christian Miersch Ende März für eine Förderung bei der Stadt Lohne beworben. Am 4. Juni wollen sie nun im ehemalige Ladenlokal des Friseurs Cut & Style am Neuen Markt 1 ihr Geschäft eröffnen.

Hier soll am 4. Juni ein neues Geschäft eröffnen: Am Neuen Markt 1 wird es bald einen Hörakustiker geben. Foto: J. ScholzHier soll am 4. Juni ein neues Geschäft eröffnen: Am Neuen Markt 1 wird es bald einen Hörakustiker geben. Foto: J. Scholz

Die Hörakustiker haben bereits in Vechta und Goldenstedt je eine Filiale. Der Bedarf von Hörgeräten sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. "Wir befinden uns also in einem wachsenden Markt und sind uns sicher, dass Lohne ein erfolgreicher Standort für uns wird", wird Christian Miersch in einer Mitteilung der Stadt Lohne zitiert.

Das Stoffgeschäft "Reste Truhe" an der Lindenstraße schließt am 30. Juni

Bereits in Lohne vertreten ist Julia Tschikin mit ihrem Geschäft "Schneiderei Julia". Anfang Januar hat sie die Schneiderei Lorenz in der Küstermeyerstraße übernommen. Zuvor betrieb sie eine Änderungsschneiderei in Steinfeld. In den vergangenen Jahren lief das Geschäft nicht mehr so gut, weshalb sie in Lohne noch einmal neu anfangen möchte. "Der Vorteil ist, dass ich einige Kunden der alten Schneiderei übernehmen konnte", sagt Tschikin. Um etwa Anschaffungskosten für neue Maschinen besser abfedern zu können, habe sie sich beim Gründerprogramm beworben. Tschikin bekommt einen Zuschuss von 3500 Euro.

Die Frage ist: Braucht Lohne diese Art von Geschäften überhaupt? Anne Nußwaldt, zuständig für die Wirtschaftsförderung bei Stadt, sagt: Ja. Vor allem der neue Stoffladen sei ein Gewinn, da zum 30. Juni die "Reste Truhe" an der Lindenstraße schließe. Auch die anderen Geschäfte seien wichtig für die Innenstadt.

Laut Nußwaldt habe die Innenstadt vor allem mit einem Imageproblem zu kämpfen. Viele Lohner meinen: Die Innenstadt sei tot. Die Stadtverwaltung versichert: Das stimmt nicht. Es gibt laut Nußwaldt aktuell rund 20 Leerstände. Dem gegenüber stehen im zentralen Bereich 61 Händler, 96 Dienstleister und 26 Gastronomen. "Die Angebote, die da sind, sind gut", betont Nußwaldt.

Lohne will sich mit seinem schlechten Image der Innenstadt nicht zufrieden geben

Aus ihrer Sicht ist das Gründerprogramm ein voller Erfolg. So viele Gespräche mit Interessenten wie in den vergangenen 1,5 Jahren habe sie in ihrer ganzen Zeit in Lohne nicht geführt. "Wir geben uns mit dem schlechten Image nicht zufrieden", sagt Nußwaldt. Auf die Frage, was die Stadt tut, um dem Imageproblem entgegenzutreten, verweist Nußwaldt auf das Gründerprogramm. Die Stadt sei aktiv und stehe im Vergleich zu anderen Städten gut da. Langfristig müsse sich das Denken der Lohner über ihre Innenstadt verändern. "Dass die Innenstadt schlecht ist, das stimmt nicht", sagt sie.

Bisher wurden durch das Gründerprogramm 14 Vorhaben gefördert. Von diesen wurden laut der Stadt Lohne 8 bereits umgesetzt. Als Beispiele nennt die Stadt etwa das Kleine Kaufhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen. Weitere Projekte sollen in den kommenden Monaten realisiert werden. Dazu zählt auch die neue Eisdiele "La Piazza" in der Fußgängerzone von Familie Morais (Marktstraße 23).

Das Gründerprogramm ist jüngst in die 2. Bewerbungsrunde 2022 gegangen. Bis zum 15. Juni (Mittwoch) können sich Start-ups oder erfahrene Unternehmer, die eine Geschäftsidee in der Innenstadt umsetzen möchten, bewerben. Zusätzlich bietet die Stadt kostenlose Workshops an. Der nächste findet am Mittwoch (25. Mai) zwischen 18 und 20.30 Uhr statt. Es geht um die Themen Finanzen, Steuern und Rechtsform. Anmeldungen sind bei Anne Nußwaldt unter Telefon 04442/8861301 oder per Mail an anne.nusswaldt@lohne.de möglich.

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