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Friseur-Innung fürchtet sich vor einem erneuten Lockdown

Die Vechtaer Branchenvertreter erwägen sogar eine Klage. Sie und auch ihre Cloppenburger Kollegen haben Angst vor der Zukunft. Und sehen die Schwarzarbeit boomen.

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Symbolfoto: dpa

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3G war machbar; 2G sei es ebenfalls. Doch noch mehr Vorschriften seien für sie nicht umsetzbar, schreiben jetzt die Mitglieder der Friseur-Innung im Landkreis Vechta. Mehr noch: Sollte tatsächlich ein erneuter Lockdown drohen, werde die Innung Vechta mithilfe der Kreishandwerkerschaft Vechta "den Weg der Klage gehen". Denn: "Weitere Kontaktbeschränkungen oder ein eventueller Lockdown würde viele Betriebe in den Ruin treiben", heißt es in einer Mail.

Seit Beginn der Pandemie hätten die Friseure "massive Einschränkungen" hinnehmen müssen. Die Auflagen und die Kosten, diese umzusetzen, seien stetig gestiegen. Die Kundenzahl indes habe reduziert werden müssen. Und das, obwohl nachgewiesen sei, dass das Friseurhandwerk kein Pandemietreiber sei. Zahlen der Gewerkschaft BGW belegten, "dass trotz der Behandlung von täglich über 200.000 Kunden in der Friseurbranche sich die
nachgewiesenen Infektionszahlen im gesamten Pandemiezeitraum auf 40 beschränken".

Keine Lockerungen im Sommer: Friseure beklagen Ungleichbehandlung

Ähnlich argumentiert Irina Leinweber, Obermeisterin der Friseur-Innung der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, die die Position ihrer Vechtaer Kolleginnen und Kollegen unterstützt. Angesichts der scharfen Hygienebedingungen, die sich in den handwerklichen Betrieben "längst gut eingespielt haben", seien die Ansteckungsgefahren im Friseursalon extrem gering. Auch die Kundschaft habe sich auf die herrschende Situation "gut eingestellt". Diese "weiß, was es bei einem Friseurbesuch zu beachten gilt". Alle bisher geltenden Vorschriften würden von den Friseuren und ihren Kunden beachtet. "Ganz bestimmt sind unsere Betriebe keine Pandemietreiber."

Andere Branchen hätten sich im Sommer über Lockerungen freuen dürfen, hätten wieder mehr Geld verdienen können. Nicht so die Friseure. Für sie seien die Auflagen strenger geblieben. Unverhältnismäßig und völlig "daneben" sei noch dazu, dass Friseure, was die Corona-Regeln betreffe, mit der Prostitution auf eine Stufe gestellt werden.

Hilfe vom Staat empfinden Salonbetreiber als unzureichend

Unzureichend sei auch die Hilfe vom Staat. Berufliche Besonderheiten und Betriebsstrukturen seien bei Anträgen nicht berücksichtigt worden. Viele Unternehmen seien daher "durchs Raster" gefallen. Angemessene Entschädigungen, die "groß versprochen wurden", habe es nicht gegeben. Viele Betriebe hätten daher ihre Rücklagen aufbrauchen müssen, manche Inhaberin und mancher Inhaber habe sogar auf seine private Altersvorsorge zurückgegriffen, um den Salon halten zu können.

"Wir werden es nicht mehr hinnehmen, dass wir durch die Fehler unserer Politiker zu Pandemietreibern abgestempelt werden. Es ist nicht unser Verschulden, dass andere Bereiche der Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen nicht konsequent kontrolliert oder geschlossen werden können oder sollen", schreibt die Friseur-Innung Vechta. Sie hoffe nun auf ihren Landesverband und mit ihm auf Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Die Landespolitik müsse einen Lockdown für Friseure verhindern. 

Denn: Sollten noch strengere Hygienevorschriften eingeführt werden, den Betrieben gar ein weiterer Lockdown drohen, dann "bin ich persönlich davon überzeugt, dass unsere Dienstleistungen in Schwarzarbeit erledigt werden, Betriebe insolvent werden. Das aber kann doch niemand wollen", findet auch Irina Leinweber.

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