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Fleischlose Zeit endet: Lastruper eröffnen Metzgerei im Stadtkern

Sarah und Mirko Dhem setzen mit ihrer Handwerksmarke "Kalieber" auf Tiere mit Auslauf und Rasse. Ab sofort gibt's Buntes Bentheimer und Galloway "to go". Darf's auch mal Zebu-Rind sein?

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Fleisch gefilmt: Mirko Dhem (Mitte) erklärt das Sortiment. Foto: Kreke

Fleisch gefilmt: Mirko Dhem (Mitte) erklärt das Sortiment. Foto: Kreke

Der Metzger ist zurück in der Innenstadt. Nicht irgendein Metzger: Die Lücke im zentralen Angebot schließen seit gestern Sarah und Mirko Dhem mit ihrem „Stadtwerk“, der ersten Filiale des Fleischunternehmens „Kalieber“ aus Lastrup. Ihr Rezept: Das gesamte Sortiment ist handwerklich im eigenen Betrieb hergestellt und wird mit eigenen Rezepturen veredelt.

Ins alte Reisebüro zieht kühle Theke ein

Gestern durchschnitt das in dritter Generation geführte Familienunternehmen das rote Band und beendete damit die fleischlose Zeit in der Cloppenburger Innenstadt. Seit der Schließung der Schlachtereien Berndt und Witte gab's Schwein und Rind nur rundum im Supermarkt. Der neue Laden ist in einem ehemaligen Reisebüro am Zugang zur Fußgängerzone (Ecke Alte-Stadttor-Passage und Bgm.-­Heukamp-Parkplatz) dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Großväter von Vermieter und Pächter waren Freunde

Für die 41-jährige Chefin schließt sich damit ein Kreis. Denn: Hermann Witte, der Großvater des Eigentümers Marc Ostendorf, und ihr eigener Großvater Heinrich Schulte waren einst enge Freunde – beide vom Fach und auch berufspolitisch verbunden. Dass die Enkelgeneration sich jetzt wiedertrifft und zu neuen Geschäftspartnern wird, haben die Dhems auch einem Tippgeber zu verdanken.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort fragte die Chefin den Inneneinrichter und Dekorateur Bernd Künneke: „Du kennst doch Mann und Maus in Cloppenburg. Weißt Du einen freien Laden?“ Nur zwei Tage später besichtigte das Lastruper Paar die vorgeschlagenen Räume und sagte zu. Den Umbau stemmten die Dhems und der Eigentümer gemeinsam. Ein neuer Fettabscheider erfüllt die Umweltauflagen, die schwarz gefliesten Wände sind nicht nur hygienisch, sondern ein Stück Design.

Drei Generationen vereint: Sarah und Mirko Dhem (Mitte) mit den Eltern Werner und Brunhilde (links) und ihren Kindern. Foto: KrekeDrei Generationen vereint: Sarah und Mirko Dhem (Mitte) mit den Eltern Werner und Brunhilde (links) und ihren Kindern. Foto: Kreke

In der (gebrauchten) Theke, die ein befreundeter Tischler aufgemöbelt hat, liegt die Kernkompetenz von „Kalieber“, geschnitten und im Stück: Galloway, Buntes Bentheimer Schwein, gereiftes Angus-Rind und hin und wieder ein tierisches Extra. Gerade ist ein Limousin-Rind extra für die „Kalieber“-Theke zerlegt worden. Hin und wieder reichern Wasserbüffel aus Herbergen und Zebu aus Bühren die Speisekarte an. Der Anspruch: „Wir kennen von jedem Tier den Stall oder die Weide“, sagt Dhem. Und die Haltungsbedingungen: Schweine sind im Aktivstall nicht zusammengepfercht, sondern können die „Räume“ wechseln, sich einen ruhigen Schlafplatz suchen und haben sogar ein „Spielzimmer“. „Man merkt‘s am Fleisch, dass sich die Tiere bewegen konnten“, unterstreicht die Fleischermeisterin.

„Da braucht man nicht so viel, weil‘s einfach Geschmack hat und satt macht.“Sarah Dhem, Chefin von "Kalieber"

Die Rezepturen für Aufschnitt und Grill hat Mirco Dhem, der gelernte Koch im Team, entwickelt und probiert. Zum Beispiel, der gekräuterte Kamm aus Bentheimer Nacken. „Da braucht man nicht so viel, weil‘s einfach Geschmack hat und satt macht“, meint die Chefin. Die Tradition ihres Großvaters hat immer noch einen Platz in der Theke: Die handgelegte Zungenwurst (im Gegensatz zur gewürfelten und gemixten) lieferte schon der Großvater und Gründer von „Schultes Oldenburger Wurstwaren“. Vater Werner Schulte behielt die aufwändige Produktion bei, bis die dritte Generation die Führung und die Rezepte übernahm.

Draußen leuchtet das rote „f“ der Fleischer-Fachbetriebe wieder. Dhem ist in die Landesinnung Nord zurückgekehrt, um „Flagge“ zu zeigen. Ihr Credo: Ein modern geführter Fleischwarenbetrieb kann mit handwerklichem Standard qualitativ hochwertig produzieren – mit ausgebildetem Fachpersonal.

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