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Firmen bewerten OM als Standort mit Note "gut"

Laut einer IHK-Umfrage herrscht vor allem in Sachen Lebensqualität eine hohe Zufriedenheit. Viele Unternehmen wollen wachsen. Aber: Auch Mängel werden benannt. Die Handlungsempfehlungen sind üppig.

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Präsentierten die Umfrage: (von links) der Unternehmer Franz Wessendorf, Dr. Torsten Slink (IHK-Hauptgeschäftsführer), Björn Schaeper (IHK-Geschäftsführer Wirtschaftspolitik) und der Unternehmer Simon Tabeling. Foto: Tzimurtas

Präsentierten die Umfrage: (von links) der Unternehmer Franz Wessendorf, Dr. Torsten Slink (IHK-Hauptgeschäftsführer), Björn Schaeper (IHK-Geschäftsführer Wirtschaftspolitik) und der Unternehmer Simon Tabeling. Foto: Tzimurtas

Die Wirtschaftskraft der Landkreise Cloppenburg und Vechta gilt bundesweit als top. Das hat auch viel mit günstigen Standortfaktoren zu tun. Dazu zählen beispielsweise eine als hoch empfundene Lebensqualität oder die Nähe zu Kunden und Absatzmärkten. Das jedenfalls lässt sich aus den Ergebnissen des „Standortatlas 2022“ schließen, einer Umfrage der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) unter den hiesigen Unternehmen.

Bei der Erhebung, die sich nach Teilregionen im Oldenburger Land gliedert, ging es aber – wie bereits im Jahr 2016 – auch um diese Frage: Wo besteht noch Handlungsbedarf, damit die Wirtschaft weiter gedeihen kann?

Was die Umfrage, die zu Beginn des Jahres 2022 startete, zu Tage brachte, wurde am Freitag in Emstek im Unternehmen Wessendorf Systembeschichtungen GmbH vorgestellt. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Torsten Slink sprach von einem „schönen Vergleich“, der zwischen den Resultaten von 2016 und 2022 möglich sei, Schwerpunkte hätten sich verschoben.

Etwas bessere Bewertung im Landkreis Vechta als im Landkreis Cloppenburg

Es gab 6 Themenfelder und 31 Standortfaktoren, die abgefragt wurden. Auch Handlungsempfehlungen wurden formuliert. Eine Auswahl im Überblick:

Teilnehmerzahl: Insgesamt wurden etwa 11.000 Unternehmen im IHK-Bezirk angeschrieben, um sich an der Umfrage zu beteiligen, 2070 Fragebögen (18 Prozent) kamen ausgefüllt zurück, davon 273 aus dem Landkreis Vechta und 263 aus dem Landkreis Cloppenburg. Das sei insgesamt „ein sehr guter Rücklauf“, sagte Björn Schaeper, IHK-Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik, der für die Erhebung und Auswertung verantwortlich zeichnet.

Gesamtnote: Die Firmen vor Ort bewerten das Oldenburger Münsterland als Standort erneut mit der Schulnote „gut“. Die Bewertung fällt im Landkreis Vechta mit der Gesamtnote 2,2 (2016 war es eine 2,0) etwas besser aus als im Landkreis Cloppenburg, der (wie im Jahr 2016) eine 2,3 erhält. Auch im gesamten Oldenburger Land beträgt die Durchschnittsnote 2,3, was exakt der Wertung im Jahr 2016 entspricht.

Bindung an den Standort: Von den 536 Unternehmen im Oldenburger Münsterland, die sich an der Umfrage beteiligt haben, würden sich 85 Prozent nochmals für ihren Standort entscheiden. Im Vergleich zu 2016 ist dieser Wert für den Landkreis Cloppenburg leicht gestiegen (plus 1,6 Prozentpunkte), im Landkreis Vechta aber von 87,8 auf 84,5 Prozent gesunken.

Allgemeines Umfeld: Ganz weit oben steht die Lebensqualität als Standortfaktor in der Bewertung im Landkreis Vechta (Note 2,2) und im Landkreis Cloppenburg (Note 2,4). Die Lebensqualität ist Teil des Themengebiets „Allgemeines Umfeld“ (mit insgesamt 7 Faktoren), dessen Bedeutung in Vechta mit 2,1 („wichtig“) bewertet wird. Die Zufriedenheit wiederum erhält die Gesamt-Schulnote 2,7. In Cloppenburg ist die Bedeutung mit 2,2 beziffert, die Zufriedenheit mit der Note 2,8.

Schlechte Note zur Attraktivität der Innenstädte

Die schlechteste Note im Bereich „Allgemeines Umfeld“ erhält der Faktor Innenstadtattraktivität. In beiden Landkreisen gab es eine 3,5. Höchste Zufriedenheit im Landkreis Vechta: Neben der Lebensqualität sind die Unternehmen mit den Straßenverbindungen (Note 2,2) sowie mit der Nähe zu den Kunden und Absatzmärkten (2,4) besonders zufrieden.

Diese Faktoren gelten laut der Erhebung auch als Stärken des Standortes. Das trifft hier zudem für das Kinderbetreuungs- und Schulangebot zu (Note 2,4).

Geringste Zufriedenheit im Landkreis Vechta: Hier nennen die Unternehmen die Höhe der Energiekosten (Note 4,2), die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge (3,8) und die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (3,7). Standortfaktoren von hoher Bedeutung, bei denen aber eine geringe Zufriedenheit herrscht, sind neben der Höhe der Energiekosten auch die Breitband- und Internetversorgung (Note 3,5) sowie die Verfügbarkeit von Fach- und Führungskräften (3,8).

Höchste Zufriedenheit im Landkreis Cloppenburg: Die Unternehmen nennen dieselben Faktoren wie im Nachbarlandkreis. Die Straßenverbindungen werden mit der Note 2,5 bewertet. Dieselbe Note erhält der Faktor „Nähe zu Kunden und Absatzmärkten“. Ebenso gilt: Diese Faktoren sind – die Lebensqualität einbezogen – die Stärken des Landkreises als Standort.

Geringste Zufriedenheit im Landkreis Cloppenburg: Auch hier werden dieselben Faktoren wie in Vechta genannt, allerdings mit leicht abweichenden Bewertungen. Die Höhe der Energiekosten erhält die Note 4,0. Die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge wird mit 4,1 benotet, die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr mit 4,2.

Faktoren, die als besonders wichtig gelten, aber bemängelt werden, sind auch hier neben den Energiekosten die Breitband- und Internetversorgung (Note 3,4) sowie die Verfügbarkeit von Fach- und Führungskräften (3,9).

Handlungsempfehlungen: „Das Oldenburger Münsterland bleibt ein attraktiver Wirtschaftsstandort“, lautete das Fazit des Emsteker Unternehmers Franz Wessendorf, Vorsitzender des IHK-Beirats Oldenburger Münsterland. Das Gremium mit 65 Mitgliedern hat gleichwohl ausführliche Handlungsempfehlungen an Politik und Verwaltung formuliert. Wessendorf, geschäftsführender Gesellschafter der Wessendorf Systembeschichtungen GmbH, kritisierte insbesondere die lange Dauer von Genehmigungsverfahren als Hindernis für die Entwicklung von Unternehmen.

Ebenso äußerte sich Simon Tabeling, geschäftsführender Gesellschafter der Hawita Gruppe GmbH (Vechta) und stellvertretender Vorsitzender des regionalen IHK-Beirats. Sie sprachen sich für feste Zeitachsen bei Genehmigungsverfahren aus.

Auch in punkto Verlässlichkeit und Kontinuität gibt es Kritik in Richtung der Verwaltungsbehörden. Tabeling sagte: Unternehmen hätten keine Angst vor Investitionen, aber die Sorge, ob sie eine Genehmigung erhalten.

Zufriedenheit mit Verwaltung ist deutlich abgesackt

Laut der Erhebung wollen sich im Landkreis Vechta 36 Prozent der Unternehmen vergrößern, im Landkreis Cloppenburg sind es 36,8 Prozent. Die Zufriedenheit mit der Verwaltung ist derweil deutlich abgesackt. In den Landkreisen Vechta und Cloppenburg gibt es dafür jeweils die Note 3,4 (2016: jeweils 2,9).

Auch eine bessere überregionale Vermarktung des Wirtschaftsstandortes fordert die Wirtschaft. Ebenso sei die Attraktivität von Innenstädten zu stärken. Ein flächendeckender Ausbau der Breitband- und Mobilfunkversorgung sowie der Straßeninfrastruktur gehört ebenso zur Liste des Handlungsbedarfs. Auch bei der Mobilität drängen die Unternehmen auf Verbesserungen.

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