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Fachkräftemangel macht auch vor Apotheken nicht halt

Vor 30 Jahren gründete Angelika Meyer die Moorapotheke in Friesoythe. Seitdem ist die Bürokratie gewachsen, der Apothekernachwuchs zurückgegangen und neue Konkurrenz im Internet entstanden.

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Zukunft gesichert: Beim 30. Jubiläum der Friesoyther Moorapotheke kann Chefin Angelika Meyer (rechts) entspannt in die Zukunft blicken: Schwiegertochter Sandra steht als Nachfolgerin bereit, Sohn Mathias kümmert sich um das Kaufmännische. Foto: Stix

Zukunft gesichert: Beim 30. Jubiläum der Friesoyther Moorapotheke kann Chefin Angelika Meyer (rechts) entspannt in die Zukunft blicken: Schwiegertochter Sandra steht als Nachfolgerin bereit, Sohn Mathias kümmert sich um das Kaufmännische. Foto: Stix

Corona hat den Apotheken zusätzliche Arbeit gebracht, sie aber auch wieder stärker in den Fokus gerückt. "Viele Menschen haben in der Pandemie gemerkt, wie wichtig Apotheken vor Ort sind", sagt Angelika Meyer, Inhaberin der Moorapotheke. "Apotheken waren die ersten Geschäfte, bei denen es Masken und Tests gab, für viele Unternehmen haben wir in der Anfangszeit Desinfektionsmittel  hergestellt." 

Großartige dauerhafte Veränderungen allerdings habe die Pandemie für die Branche nicht gebracht, da habe es, so Meyer, in den vergangenen Jahrzehnten massivere Einschnitte oder Herausforderungen gegeben. Vor 30 Jahren gründete sie ihre Apotheke in der Moorstraße 16, den Namen Moorapotheke nahm sie beim Umzug an den Alten Hafen im Dezember 2000 mit. 20 Jahre später kam dann noch die Maxi-Apotheke an der Europastraße dazu.

Bürokratie ist kontinuierlich gewachsen

Beim Blick zurück fällt der Apothekerin vor allem die stetig gewachsene Bürokratie auf. Die macht sich besonders bei den  Vorgaben der Krankenkassen bemerkbar, die seit 15 Jahren mit den Arzneimittelherstellern individuelle Rabattverträge für Medikamente aushandeln. "Früher konnten wir den Stammkunden immer ihr gewohntes Medikament geben, das hatten wir natürlich vorrätig", sagt Meyer. "Seit 2007 hängt es von der jeweiligen Krankenkasse ab, was wir ausgeben dürfen."

Das habe, so Meyer, nach wie vor immer wieder langwierige Diskussionen mit den Kunden zur Folge. Hinzu kommen oft auch zeitaufwendige Nachfragen bei den Arztpraxen, etwa wenn das von der Krankenkasse zugelassene Medikament nicht vorrätig und lieferbar ist. Außerdem sei die Lagerhaltung viel aufwendiger geworden, zumal sich die Rabattverträge jährlich ändern. Hinzu kommt die neue Konkurrenz durch Versandapotheken, die den Trend zum Online-Handel nutzen und von den Niederlanden aus deutsche Kunden beliefern. "Kunden übrigens, die dann nachts bei uns an der Tür stehen, wenn wir Notdienst haben", sagt Meyer.

Arbeitslose Apotheker gibt es eigentlich nicht

Noch massiver aber wirkt sich im Alltag der Mangel an approbierten Apothekerinnen und Apothekern aus, der kontinuierlich wächst, obwohl es immer weniger Apotheken gibt. "Aufs Jahr gesehen macht jeden Tag eine Apotheke in Deutschland dicht", sagt Meyers Sohn Mathias, der sich um die kaufmännischen Themen der beiden Apotheken kümmert. "Die meisten davon, weil sie keinen Nachfolger finden." Die hohen Investitionen für die Übernahme einer laufenden Apotheke wolle sich kaum jemand mehr antun. Und die Arbeit als angestellte Apothekerin sei finanziell bei weitem nicht so lukrativ wie ein Job in der pharmazeutischen Industrie.

"Im Landkreis Cloppenburg sucht fast jede Apotheke approbierte Apothekerinnen oder Apotheker", sagt Angelika Meyer. "Arbeitslosigkeit gibt es in dem Beruf eigentlich nicht." Auch sie selbst ist auf der Suche, das Nachfolgeproblem allerdings hat sie gelöst: Schwiegertochter Sandra Meyer arbeitet an den beiden Standorten bereits mit, in etwa zwei Jahren will Angelika Meyer das Geschäft dann an die nächste Generation übergeben. "Damit wir auch den 50. Geburtstag noch feiern können", sagt sie. Beim 30. Jubiläum am 8. Januar wird nicht gefeiert. Nur ein paar kleine Geschenke für die Kunden gibt es, mehr lässt die Pandemie nicht zu.

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