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Fachkräftemangel: Dinklager Tischler Dödtmann gibt auf

Der Unternehmer schließt zum Jahresende seinen Betrieb. Der  Grund: Dem Handwerker fehlen qualifizierte Mitarbeiter.

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Zieht den Schlussstrich: Frank Dödtmann schließt seine Tischlerei. Zuletzt hatte er noch vier Gesellen. Foto: Made in Dinklage/Lutz

Zieht den Schlussstrich: Frank Dödtmann schließt seine Tischlerei. Zuletzt hatte er noch vier Gesellen. Foto: Made in Dinklage/Lutz

Frank Dödtmann hat 14 Jahre viel Leidenschaft und Herzblut in sein Unternehmen gesteckt. Aber bald ist damit Schluss. Der Dinklager schließt seine Tischlerei zum Jahresende. Grund für die Aufgabe sei nicht Corona oder Arbeitsmangel, sondern schlicht das Fehlen von Fachkräften, sagt Dödtmann. Zu Spitzenzeiten hatte der Dinklager zwölf Gesellen und Lehrlinge in seinem Holzteam beschäftigt. Doch der Abgang von insbesondere jungen Gesellen Richtung Industrie oder Studium habe die Personalsituation zusehends verschärft, sagt der Handwerker. Dödtmann schaffte es nicht, ausreichend neues qualifiziertes Personal zu finden, um das Unternehmen auch für die Zukunft auf sichere Beine zu stellen.

Zuletzt waren noch 4 Gesellen bei Dödtmann beschäftigt – ein Großteil davon gehörte dem Unternehmen seit der Gründung an. Nach Dödtmanns Entscheidung, den Betrieb aufzugeben, hätten diese sofort neue Arbeitsstellen gefunden. "Das macht es für mich leichter. Gute Fachkräfte sind rar und werden gebraucht", sagt er.

"Der Fachkräftemangel ist ein großes Problem, auch vor unserer Haustür. Daran können Betriebe kaputt gehen."Frank Dödtmann, Dinklager Tischler

Dödtmann hatte lange mit sich gerungen. Die Situation in der Firma nagte an der Psyche. Mitte des Jahres fiel dann der Entschluss, den Betrieb zu schließen. Seither fühlt er sich besser.

Der Fachkräftemangel im Handwerk bereitet Dödtmann Sorgen. "Oft wird darüber gesprochen, letztlich passiert aber nichts. Der Fachkräftemangel ist ein großes Problem, auch vor unserer Haustür. Daran können Betriebe kaputt gehen. Viele Handwerker werden noch bis 70 arbeiten müssen, weil kaum neue dazukommen."

Dödtmann ermutigt Betriebe, weiterhin auszubilden

Dödtmann selbst hat stets Lehrlinge ausgebildet – alle haben die Prüfungen bestanden - um eigene Fachkräfte heranzuziehen. Doch allzu oft verließen sie unmittelbar oder kurz nach der Ausbildung das Unternehmen, aufgrund vermeintlich besserer Perspektiven in anderen Branchen. Er appelliert an die Jugend: "Macht eine Ausbildung, lernt ein Handwerk. Auch dort kann man Geld verdienen. Wer soll später die Reparaturen erledigen, maßgeschneiderte Möbel bauen, Fenster und Türen einbauen? Auch im Handwerk kann man Geld verdienen. Freut euch an Dingen, die ihr gebaut oder hergestellt habt. Erntet das Lob des Kunden für euer Tun." Dödtmann ermutigt Betriebe: "Bildet weiter aus und versucht, eigene Fachkräfte heranzuholen. Fördert die Jugend."

Dödtmann wird seiner Zunft treu bleiben: „Ich liebe meinen Beruf und gehe zurück ins Angestelltenverhältnis mit einem Denken wie ein Selbstständiger. Das wird dem zukünftigen Betrieb eine gute Fachkraft geben“, sagt er. "Es wird mir aber schwer fallen, wenn hier alles ausgeräumt ist und ich die Schlüssel abgeben muss", sagt der Tischler mit viel Wehmut in der Stimme.

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