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Existenz mit doppeltem Boden kalkuliert

Gründerszene: Oliver Siemer hat sich 2019 selbstständig gemacht. Ein knappes Jahr später kam Corona, die Krise hat der Friesoyther jedoch überstanden.

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Seit einem Jahr sein eigener Herr: Oliver Siemer hat sich in Friesoythe mit einem EMS-Studio selbstständig gemacht. Foto: Claudia Wimberg

Seit einem Jahr sein eigener Herr: Oliver Siemer hat sich in Friesoythe mit einem EMS-Studio selbstständig gemacht. Foto: Claudia Wimberg

Zwischendurch hat er mal eine Stunde Zeit, mehr nicht. „Es läuft zurzeit richtig gut“, freut sich Oliver Siemer über Kunden, die sich nach der Corona-Zwangspause die Klinke in die Hand geben. Und die setzt der 49-Jährige unter Strom. Ganz gezielt, ganz individuell und über den ganzen Körper verteilt. Elektrische Muskelstimulation, kurz EMS: ein 20-minütiges Training, das den Körper in Form bringen soll und Muskeln aufbaut.

Seit Mai 2019 existieren die „Körperformen“ an der Kirchstraße in Friesoythe. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei ein folgerichtiger gewesen, sagt der Gründer, doch die Pandemie habe natürlich einige Pläne durcheinandergewirbelt. Der gebürtige Barßeler hat allerdings von Anfang an mit doppeltem Boden kalkuliert, bei der Post nicht gekündigt, sondern seinen Posten für einige Zeit ruhen lassen.

Vom Zusteller bis zum Leiter der Paketabteilung verlief dort seine Karriere. Rückenschmerzen begleiteten dann irgendwann den Bürojob und deshalb machte er sich zunächst an seinem Oldenburger Dienstsitz auf die Suche nach Linderung.

Ältester Kunde 82 Jahre alt, der jüngste Mitte 20

Durch Zufall stieß er auf EMS und begann die Übungseinheiten in einem Studio. „Ich war wirklich auf Anhieb begeistert“, erinnert sich der Trainer, der beruflich eine neue Herausforderung suchte und den Gedanken reifen ließ, selbst ein Studio zu betreiben. „Und das wollte ich auf jeden Fall vor dem 50. machen“, verrät er. Ein Jahr später öffneten sich dann die Türen des Lizenznehmers.

„Rückblickend betrachtet hätte ich vielleicht etwas mehr Werbung machen müssen“, sagt Siemer, der sich auch zum Ernährungsberater und Schmerzcoach ausbilden ließ. Sein ältester Kunde ist 82 Jahre alt und sein jüngster Mitte 20. Keiner trainiert alleine, Oliver Siemer ist immer dabei, erklärt die Bewegungen und Abläufe. Sprechen müsse er somit den ganzen Tag über jede Menge. „aber das konnte ich immer schon gut“, betont der Friesoyther, der nach dem Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe Sport studierte.

„Wer meint, er müsse mehrfach pro Woche trainieren, liegt falsch und erreicht nicht den gewünschten Effekt.“Oliver Siemer, Fitness-Trainer

Seinen Fitnessfans rät er, es beim EMS-Training nicht zu übertreiben. „Wer meint, er müsse mehrfach pro Woche trainieren, liegt falsch und erreicht nicht den gewünschten Effekt“, unterstreicht der Friesoyther, der für jeden Teilnehmer einen Trainingplan erstellt.

Ganz günstig seien die Einheiten nicht, „deshalb habe ich vermutlich auch keine Karteileichen und Termine werden strikt eingehalten.“

Sein eigener Herr zu sein, bereitet dem Existenzgründer „ein gutes Gefühl“ und sein Invest habe er verantwortungsvoll geplant. Dass ihm Corona jedoch schon ein knappes Jahr nach der Eröffnung einen Strich durch die Rechnung gemacht habe, „war natürlich nicht einfach und noch so ein langer Lockdown für meine Branche wäre für mich auch nicht zu stemmen“, weiß der Familienvater, der aktuell jedoch darüber nachdenkt, vielleicht einen Mitarbeiter einzustellen, um nicht von morgens bis abends aus dem Haus zu sein.

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