Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Erst die Leistung, dann das Geld – das gilt auch für Schwarzarbeiter

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt. In diesem Fall geht es um einen Dammer, der sich ein neues Flachdach wünschte. Hätte er direkt einen Betrieb beauftragt, wäre es sicher schneller gegangen.

Artikel teilen:

Ein Handwerker, zurzeit wohnhaft in Bad Essen, wollte und sollte einem 50-jährigen Dammer einen Gefallen tun. Der brauchte ein neues Flachdach für seine Garage. Der Mann hörte sich um und erfuhr von einem, der für ihn schon mal Malerarbeiten durchgeführt hatte, von einem gelernten Zimmerer aus Bad Essen.

Der kam, schaute sich die Garage an und erklärte, er brauche 1.600 Euro, um das nötige Material beschaffen zu können. Das fand der Dammer okay. Während der Handwerker eifrig telefonierte – angeblich, um bei einem Baustoffhändler in Hunteburg alles zu bestellen, holte der Dammer das Geld und gab es dem Zimmerer. Der teilte mit, in wenigen Tagen werde das Zeug geliefert. In 14 Tage komme er dann und baue das Dach. 

Das Geld war bezahlt, die Leistung blieb aus

Was dann passierte? Nichts! Es verging Woche für Woche. Der Dammer rief den Handwerker an. Der hatte erst eine Beinverletzung, dann ein anderes Handy. Die Nummer erfuhr der Garagenbesitzer nicht.

Er düste nach Hunteburg, um sich zu erkundigen, ob das Zeug für das Dach noch da sei. Viele Missverständnisse offenbarten sich. Dem Dammer halfen die Erkenntnisse indes wenig. Nach genau einem Jahr ging er zur Polizei. Die Sache nahm ihren Lauf. Es wurde ermittelt und man machte den Angeklagten in Bad Essen ausfindig. Dann kam Corona und lange Zeit tat sich wieder nichts.

Corona ist geblieben. Immerhin gab es jetzt dennoch die Verhandlung vor dem Strafgericht. Der Angeklagte räumte ein, das Geld bekommen zu haben. Er habe aber nie betrügen wollen. Es sei ihm aber einiges dazwischen gekommen. Er habe Probleme gehabt – gesundheitliche und familiäre. Dann habe er von dem einstigen Auftraggeber nichts mehr gehört. Und er habe die Sache auf sich beruhen lassen. Als Beweis legte die Verteidigerin einen Umschlag mit 1.600 Euro auf den Tisch. 

Der Dammer, der als Zeuge geladen war, zählte nach und war sichtlich erfreut. Wie sich die Summen zusammensetzte? Schwierig zu erklären. Das Material hatte der Handwerker überwiegend zurückstellen lassen. Bloß ein Teil war für den gedachten Dachbau zugeschnitten und konnte nicht im Baustoffladen verbleiben. Ach so, die Zusammensetzung der Summe: 1.100 Euro sollte das Material kosten, dann der geplante Arbeitslohn und 400 Euro für den Vermittler; der Mann, der Malerarbeiten im Angebot hatte.  Gutes Geld für die Vermittlung eines Schwarzarbeiters, der er selber auch war.

Und nun? Das Gericht machte es sich nicht leicht

Alle waren zufrieden, nur das Gericht stand vor der Frage, was tun? Da kam das Vorstrafenregister des Handwerkers zur Hilfe. Er hatte vor noch nicht langer Zeit 2 Geldstrafen vom Amtsgericht Osnabrück erhalten und allerdings auch schon bezahlt. Alles kompliziert.

Also entschied sich die Strafrichterin auf Vorschlag der Staatsanwältin und mit Zustimmung der Verteidigerin, das Verfahren einzustellen. Da die Verteidigerin als Pflichtverteidigerin beigeordnet war, wie das im Juristendeutsch heißt, bekommt sie ihr Anwaltshonorar und alles war gut. Ob die Garage jetzt ein Flachdach hat, blieb unbeantwortet. Fazit: Auch bei Schwarzarbeit nicht vorher zahlen.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Erst die Leistung, dann das Geld – das gilt auch für Schwarzarbeiter - OM online