Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Erdwärmegewinnung: Aussichtsreiches Gebiet fängt bei Wöstendöllen an

Die Geothermie in tiefen Bodenschichten wird in Niedersachsen bislang kaum erforscht und genutzt. Das soll sich ändern.

Artikel teilen:
Mit Industriediamanten besetzt ist der Bohrkopf, der bei der tiefen Geothermie gemeinhin eingesetzt wird. Foto: dpa/Roessler

Mit Industriediamanten besetzt ist der Bohrkopf, der bei der tiefen Geothermie gemeinhin eingesetzt wird. Foto: dpa/Roessler

Sonne, Wind und Wasser sind als alternative Energiequellen zu fossilen Brennstoffen hinlänglich bekannt. Im Schatten davon fristet die Geothermie derzeit ein kümmerliches Dasein. Das gilt vor allem für die sehr tief unter der Erdkruste schlummernde Wärmeenergie.

Das muss aber nicht so bleiben, denn das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat drei große Gebiete ausgemacht, die sich möglicherweise gut für tiefe Geothermie eignen. Eines davon reicht von Wöstendöllen und Norddöllen über Sulingen bis Nienburg.

Während das LBEG nach eigenen Angaben potenziellen Interessenten den Einstieg in diesen Bereich erleichtern will, steht auch die Vechtaer Kreisverwaltung "neuen Technologien grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber", heißt es auf Anfrage aus dem Kreishaus. Entsprechende Anträge würden derzeit aber nicht vorliegen.

Aktuell gibt es landesweit keine einzige Genehmigung

Damit steht der Kreis Vechta nicht alleine da:  Nach LBEG-Angaben gab es Ende vergangenen Jahres niedersachsenweit gerade einmal sieben Erlaubnisse zur Aufsuchung von Erdwärme mit Bohrtiefen von mehr als 400 Metern (tiefe Geothermie). 

Damit habe sich die Gesamtzahl im Vorjahresvergleich sogar um eine Anlage verringert. Und: Bohraktivitäten gab es dort 2019 überhaupt nicht. Hinzu kommt: Aktuell ist landesweit keine einzige Bewilligung zur Gewinnung von Erdwärme in tiefen Schichten vergeben.

Die Gründe: Neben generellen wirtschaftlichen Gesichtspunkten spiele die schwierige Suche nach geeigneten Standorten eine Rolle, heißt es beim Landesamt in Hannover. So sei die Umsetzung von tiefen Geothermieprojekten nur dort möglich, wo lokaler Wärmebedarf und geologische Bedingungen zusammenpassen.

Gleichwohl hätten Kommunen,  Energieversorger und Einrichtungen mit hohem Wärmebedarf - etwa Krankenhäuser, Gartenbaubetriebe und Schwimmbäder - weiterhin großes Interesse an der Nutzung von Wärme aus dem tiefen Untergrund.

Um die Stagnation zu beenden, wurde jetzt eine neue Kartenserie veröffentlicht, auf der insgesamt drei Regionen zu sehen sind, die möglicherweise gut für die Gewinnung von Erdwärme geeignet sind.

Dabei handelt es sich um Gebiete, in denen weit unter der Oberfläche 135 Millionen Jahre alte Schichten der Unterkreide liegen. Sie enthalten in wenigen hundert bis 1500 Metern Tiefe wasserdurchlässige Sandsteine. Dort herrschen Temperaturen von 20 bis 55 Grad Celsius. 

335 oberflächennahe Erdwärmeanlagen im Kreis

„Mit unseren neuen Karten schaffen wir Informationsgrundlagen für eine zielgerichtete Suche nach geeigneten Standorten zur Nutzung der tiefen Geothermie“, sagt LBEG-Präsident Andreas Sikorski.

Und wenn tatsächlich die ersten Anträge beim Landkreis Vechta eingehen, werde sich die Kreisverwaltung mit jedem Einzelfall unter Berücksichtigung von Standort und Technik sowie unter Beteiligung des LBEG "kritisch auseinandersetzen", sagt Behördensprecherin Eva-Maria Dorgelo.

Deutlich auf dem Vormarsch in Land und Landkreis ist derweil die oberflächennahe Geothermie, die auch gerne zum Beheizen von Wohn- und Gewerbeimmobilien genutzt wird. Dabei wird die Erdwärme zumeist über Sonden in 50 bis 150 Meter Tiefe sowie Wärmepumpen genutzt. 

Etwa 16.000 dieser Anlagen gibt es laut LBEG derzeit in Niedersachsen. Schwerpunkte sind die Region Hannover und der Landkreis Emsland.  Im Kreis Vechta ist die Zahl zuletzt auf 335 gestiegen. In den Jahren 2018 und 2019 sind demnach fast 100 neue hinzugekommen.

Fakten:

  • Von tiefer Geothermie wird in der Regel bei Anlagen mit Bohrtiefen von mehr als 400 Metern gesprochen.
  • In Norddeutschland werden die Potenziale der tiefen Geothermie bisher kaum genutzt.
  • Hauptgründe sind unter anderem die hohen Bohrkosten.
  • Gegenläufig ist der Trend bei der oberflächennahen Geothermie in Tiefen von zumeist 50 bis 150 Metern.
  • In Niedersachsen sind aktuell 16.000 Anlagen genehmigt, im Landkreis Vechta immerhin 335.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Erdwärmegewinnung: Aussichtsreiches Gebiet fängt bei Wöstendöllen an - OM online