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Energieberatung ist gefragt wie nie zuvor: Wie komme ich weg vom Gas?

Klaus Nottebaum arbeitet als Energieberater für die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Aktuell habe er so viel zu tun, wie selten zuvor. Die Nachfrage nach Wärmepumpen und Photovoltaik sei sehr hoch.

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Alternative zur Gasheizung: Ein Mann bedient eine Luftwärmepumpe, die im Keller eines Wohnhauses steht.   Foto: dpa

Alternative zur Gasheizung: Ein Mann bedient eine Luftwärmepumpe, die im Keller eines Wohnhauses steht.   Foto: dpa

Mal eben ein bisschen Zeit freischaufeln für ein kurzes Zeitungsinterview? Für Klaus Nottebaum ist das gerade kaum möglich. "Ich bin total ausgebucht", sagt der Energieberater und muss schon wieder auflegen – der nächste Termin steht an. Nottebaum arbeitet für die Verbraucherzentrale Niedersachsen und berät täglich sechs bis sieben "Ratsuchende", wie er sie nennt, unter anderem in Cloppenburg. Aktuell ist sein Wissen so gefragt wie selten zuvor. Seine Kunden stellen ihm vor allem eine Frage: Wie heize ich künftig mein Eigenheim?

Besonders gefragt sei im Moment die Wärmepumpe. Fast jeder erkundige sich dazu, sagt Nottebaum, als er am späten Nachmittag doch Zeit für ein kurzes Telefongespräch findet. "Die meisten wollen weg vom Gas." Kein Wunder, sind die Gaspreise in den vergangenen Wochen und Monaten doch stark gestiegen. Besitzer eines durchschnittlichen Einfamilienhauses müssten für eine Luftwärmepumpe etwa 20.000 bis 25.000 Euro auf den Tisch legen. Finanzielle Förderungen könnten den Preis aber drücken, auf unter 20.000 Euro, so der Energieberater.

Eine Erdwärmepumpe koste den durchschnittlichen Häuslebauer weit mehr. Wegen der aufwändigen, bis zu 100 Meter tiefen Bohrungen lägen die Ausgaben bei 30.000 bis 35.000 Euro. Letztlich sähen viele Eigenheimbesitzer die Wärmepumpe als Absicherung, als einen Schritt, sich unabhängiger von steigenden Gaspreisen zu machen. Wärmepumpen verbrauchen stattdessen viel Strom.

Keine langfristigen Lieferverträge abschließen

Auch wenn sie sich auf Dauer amortisieren sollten: Die hohen Investitionskosten kann oder will sich nicht jeder leisten. Zudem machten Wärmepumpen nur bei Neubauten wirklich Sinn, sagt Nottebaum. Wer trotzdem Geld sparen will, dem empfiehlt die "EnergieVermittlung Nord / Nordwest" (EnVN) aus Friesoythe, auf günstige und flexible Verträge zu setzen. Der Dienstleister berät private und gewerbliche Endverbrauchern zu Energiefragen. Aufgrund der derzeitigen "Allzeithöchststände" bei den Strom- und Gaspreisen solle man darauf achten, keine langfristigen Lieferverträge abzuschließen, heißt es auf Nachfrage. Kurzfristig kündbare Verträge böten die Möglichkeit, "flexibel zu reagieren", wenn die Preise auf dem Energiemarkt wieder fallen.

Wer doch Geld investieren und sich von den steigenden Gaspreisen unabhängig machen will, für den sei auch der Einbau einer Pelletheizung eine Möglichkeit, sagt Energieberater Nottebaum. Allerdings bietet sie weniger Komfort, denn sie bedeutet mehr Arbeit. Man müsse sie regelmäßig säubern und brauche zusätzlichen Lagerraum für die Pellets. Gerade in Cloppenburg, wo die Einfamilienhäuser oft überdurchschnittlich groß seien, müsse man einen dementsprechend größeren Lagerraum einplanen. "Da muss man ganz anders kalkulieren", sagt Nottebaum. Eine Wärmepumpe hingegen liefere den gleichen Komfort wie eine Gasheizung, auch wenn der Einbau gut durchdacht und geplant sein müsse. Meist erfordere sie auch den Einbau einer Fußbodenheizung.

Böses Erwachen bei der Jahresabrechnung?

Viele Menschen, die er berät, fragten außerdem nach Photovoltaikanlagen, insbesondere für den Eigenverbrauch. "Die meisten wollen sich selber versorgen", sagt der Energieberater. Allerdings ist der Markt für Photovoltaikanlagen gerade ziemlich leer gefegt, wie Nottebaum erklärt. Die Wartezeit für eine neue Anlage betrage oft ein Jahr.

Für bestehende Strom- und Gasverträge rät die EnVN dazu nachzuschauen, ob die Abschläge auch an wirksam gewordene Preiserhöhungen angepasst wurden. Kunden sollten unbedingt prüfen, ob der monatliche Abschlag noch zu Verbrauch und Verbrauchspreis pro kWh passt. Ist das nicht der Fall, droht ein böses Erwachen bei der Jahresabrechnung: „Wir gehen davon aus, dass zahlreiche Verbraucher in Zahlungsschwierigkeiten geraten werden“, so die EnVN.

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